Kind überfahren : Sechs Monate auf Bewährung

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Amtsgericht verurteilte Lkw-Fahrer und hatte keine Zweifel an dessen Schuld. Der Unfall war vermeidbar.

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20. November 2014, 22:00 Uhr

Sechs Monate Haft, ausgesetzt auf Bewährung, und 2000 Euro Schmerzensgeld: Mit diesem Urteil bestrafte das Amtsgericht Perleberg gestern den Lkw-Fahrer, der im Juni des vergangenen Jahres einen elfjährigen Jungen in Pritzwalk überfahren hatte.

Das Schöffengericht hatte keine Zweifel an der Schuld des 44-Jährigen und auch keinen Zweifel daran, dass dieser schreckliche Unfall vermeidbar gewesen wäre, fasst es Amtsgerichtsdirektor Frank Jüttner zusammen.

Der Kraftfahrer wollte an der Einmündung Perleberger/Putlitzer Straße nach links abbiegen und habe dabei offenbar zu lange nach rechts geschaut. Der Junge befand sich vor ihm und hatte seinen linken Arm ausgestreckt, er hatte alles richtig gemacht, so Jüttner. Was dann geschah, sei den Zeugen in schrecklicher Erinnerung geblieben: „Mit mehreren Rädern seines Sattelzuges überrollte er den Jungen“, sagte Jüttner. Der habe schwerste innere und Kopfverletzungen erlitten, sei sofort tot gewesen. Nur einer von zehn Zeugen habe eine Variante geschildert, die den Kraftfahrer entlastet hätte. „Für das Gericht war dies nicht glaubhaft.“ Auch der gehörte Sachverständige fand nur eine theoretische Möglichkeit, die für den Täter gesprochen hätte.

Die Familie mit den fünf Geschwistern sei hart betroffen, die Mutter hatte sich bereit erklärt, als Zeugin auszusagen. Der im Gericht anwesende Vater habe eine enge Bindung zum Opfer gehabt.

Das Strafmaß für eine fahrlässige Tötung liegt zwischen einer Geldstrafe und fünf Jahren Haft. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Der Berufskraftfahrer hatte bis zu diesem Unfall 20 Jahre lang keinen Eintrag im Strafregister.

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