Schwere Vorwürfe gegen Erzieher

Ein Elternpaar erhebt Vorwürfe gegen Erziehungsmethoden in der Kleinower Kita.
Ein Elternpaar erhebt Vorwürfe gegen Erziehungsmethoden in der Kleinower Kita.

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31. Mai 2012, 07:49 Uhr

Kleinow | Mit schweren Vorwürfen müssen sich die Kita Bambi in Kleinow und ihr Träger, die Gemeinde Plattenburg, auseinandersetzen. In der Einrichtung sollen teilweise ziemlich rigide Erziehungsmethoden angewandt werden. Offiziell bewiesen ist bis jetzt nichts. Das Elternpaar Kathrin Rathmann und Stev Bosin hat eine Anwältin, die Polizei und das Jugendamt eingeschaltet.

Es gehe um ihren zweieinhalbjährigen Sohn Kian Finley, der seit September die Kita besuche. Sein Verhalten habe sich seitdem stark verändert. Nachts habe er Albträume, oft weine er ohne Grund und immer wieder sage Kian, dass er nicht in die Kita wolle, schildern seine Eltern. "Klatschnass wacht er nachts auf, schreit und ruft nach mir", sagt Kathrin Rathmann.

Anfangs konnten sie sich das nicht erklären. Ihre große Tochter besuche in der Kita die Vorschulgruppe und habe keinerlei Probleme. Erst eine Erzieherin habe den Stein ins Rollen gebracht und Kians Eltern auf fragwürdige Erziehungsmethoden hingewiesen, die sie beobachtet haben will.

Im Schreiben der Anwältin, das der Redaktion bekannt ist, heißt es: ... erhebliche Missstände im Umgang mit Kindern". Da Kian, der mittlerweile nicht mehr in der Kita ist, mehrfach den Namen einer Erzieherin genannt und gesagt habe, sie sei "böse", fordern seine Eltern die Einleitung eines Disziplinarverfahrens. Laut dem Anwaltsschreiben werde Kindern auf die Finger gehauen, werden sie zum Aufessen gezwungen und grob auf die Toilette gesetzt.

"Wir haben mit der Erzieherin und der Kitaleitung gesprochen, die Vorwürfe wurden verneint", sagen Rathmann und Bosin. Sie können sich auch nicht erklären, dass andere Eltern ihnen gegenüber Vorfälle bestätigen, dies aber nicht gegenüber der Polizei bzw. der Gemeinde tun.

Gegenüber unserer Redaktion unter Zusage der Wahrung ihrer Anonymität sagt eine Mutter: "Ich habe persönlich gesehen, wie Kindern auf Finger gehauen wird." Auch würden Kinder "scharf am Arm gezogen", falls sie zu schnell auf das Freigelände laufen wollen. Da es sich aber nicht um ihr eigenes Kind handele, wolle sie dazu keine öffentliche Aussage machen, so die Mutter. Eine weitere Mutter spricht gegenüber der Redaktion von einem Vorfall im März. Ihr Kind habe am Kopf geblutet. Die Verletzung soll entstanden sein, als eine Erzieherin dem Kind die Jacke zuwarf und der Reißverschluss den Kopf traf.

"Uns ist klar, dass wir schwere Vorwürfe erheben, aber wir wollen Klarheit und erfahren, was in der Kita geschieht", sagt Stev Bosin. Diesen Wunsch hat auch Plattenburgs Bürgermeisterin Gudrun Hoffmann. "Es ist eine ganz schwierige Situation, der Sachverhalt muss im Interesse aller aufgeklärt werden", sagt sie. Als die Eltern Kian aus der Kita abgemeldet haben, hätte sie von den Vorwürfen noch nichts gewusst. "Erst gab es die Anzeige bei der Polizei, dann erhielt ich am 11. Mai das Anwaltsschreiben", schildert Hoffmann den Verlauf. Daraufhin sei die betreffende Erzieherin zunächst vom Dienst frei gestellt worden. "Bei solchen Vorwürfen müssen wir reagieren und der Sache auf den Grund gehen", begründet sie diese Entscheidung.

Um die Meinung anderer Eltern zu hören, habe sie am vergangenen Mittwoch eine Elternversammlung in der Gruppe von Kian durchgeführt, dessen Eltern aber nicht daran teilnehmen durften. "In dieser Runde hat niemand Vorwürfe gegen unsere Mitarbeiter erhoben, es wurde einstimmig der Wunsch geäußert, die betreffende Kollegin zurück in den Dienst zu holen", fasst die Bürgermeisterin zusammen. Um so mehr sei jetzt Aufklärung nötig: Sind die Vorwürfe berechtigt, gibt es Desinformationen oder Fehlinterpretationen der erzieherischen Maßnahmen, fragt Hoffmann. Eltern könnten sich auch an die Polizei wenden.

Sie bestätigt ebenfalls, dass gestern eine Mitarbeiterin eine "Verdachtskündigung" erhielt. Um wen es sich handelt und zu den Gründen äußerte sie sich nicht. Unserer Zeitung gelang es, mit der gekündigten Erzieherin zu sprechen. Sie habe mit der Kündigung gerechnet, aus Angst davor in einer Vernehmung gegenüber der Polizei ihre Äußerungen relativiert.

"Jetzt werde ich noch einmal zur Polizei gehen, ich weiß, was ich gesehen habe", sagt sie. Die Vorwürfe, dass Kindern Essen hineingezwängt werde und sie rüde auf die Toilette gesetzt würden, erhalte sie aufrecht. Ebenso, dass ein Kind gesagt habe, "Tante ... hat gehauen". (Anm. d. Red.: Name der Erzieherin bekannt). "Dass Kindern auf die Finger gehauen wurde, habe ich selbst nicht gesehen", sagt sie.

Das kreisliche Jugendamt kennt die Vorwürfe. "Die Eltern haben uns informiert, wir verständigten das Landesjugendamt", sagt Danuta Schönhardt, zuständige Geschäftsbereichsleiterin beim Landkreis. Der Träger müsse die Hinweise ernst nehmen. "Es gab Fälle in anderen Kitas des Kreises, denen wir ebenfalls nachgegangen sind."

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