Prignitz : Schweinepest: Ernstfall geprobt

Die hohe Reproduktionsrate der Wildschweine erschwert die Vorbeugung.
Die hohe Reproduktionsrate der Wildschweine erschwert die Vorbeugung.

Prignitz bei erster bundesweiter Übung dabei. Bei einem Ausbruch könnte rasch der gesamte Landkreis betroffen sein

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05. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Als Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch der afrikanischen Schweinepest haben Bund, Länder und Landkreise bei einer gemeinsamen Übung den Ausbruch der hoch gefährlich Tierseuche simuliert. In der eher theoretisch orientierten Übung, die auf die Behörden beschränkt blieb, war die Prignitz gleich doppelt betroffen. Zum einen durch die allgemeine Vorsorge, in Brandenburg war der Spree-Neiße-Kreis der „Ausbruchsort“. Deutlich schwerer für die Region wog der Schweinepestfall in Mecklenburg-Vorpommern. Dort war der Raum Ludwigslust ausgewählt worden. Der Sperrkreis von 15 Kilometern um den Ausbruchsort plus Pufferzone betraf die Gemeinde Karstädt und das Amt Putlitz-Berge.

Die Gesamtauswertung erfolgt erst im Januar, die Prignitzer Kreisveterinärin Dr. Sabine Kramer hat bereits ein Hauptproblem identifiziert. „Ein Ausbruch könnte rasch den gesamten Kreis betreffen. Deshalb werden wir sehr viele Helfer benötigen. Allein mit den Mitarbeitern der Kreisverwaltung werden die Probleme nicht zu lösen sein.“ Denn das Übungsszenario ging vom wahrscheinlichsten Fall aus: Ein totes, infiziertes Wildschwein wurde gefunden. Neben den umfangreichen Dokumentationspflichten und der Einrichtung von Sperrkreis und Pufferzone müsste sofort in der mehrere Quadratkilometer großen Kernzone mit der Suche nach weiteren durch die Seuche getöteten Wildschweinen begonnen werden. Doch diese würden sich zum Sterben in Schutz bietende Bereiche zurückziehen, wären schwer aufzuspüren. „Viele Suchtrupps mit möglichst vielen Ortskundigen und auch Suchhunden werden benötigt“, so Dr. Kramer. Aber viele Jäger sind auch berufstätig. Doch die Suche sei unumgänglich, denn das Blut der infizierten Wildschweine, auch der toten, gilt als wichtigste Ansteckungsquelle, auch über einen langen Zeitraum.

Wie genügend Helfer rekrutiert werden können, darüber sammeln die Brandenburger Landkreise derzeit Ideen, erste werden bei der Auswertung im Januar präsentiert. Eine Möglichkeit wäre die Einbeziehung in der Landwirtschaft Tätiger. Doch im Schweinestall arbeiten oder sich an der Suche beteiligen ist aus hygienischen Gründen schwer vereinbar. Es müssten strikte Regeln eingehalten werden, um die Übertragung der Erreger in Hausschweinbestände zu vermeiden.

Aber das Auffinden der Kadaver wäre nur ein erster Schritt. Sie müssten geborgen, untersucht und sicher gelagert werden, bis sie von der Tierkörperbeseitigungsanstalt abgeholt werden. In Karstädt und Putlitz wurden im Rahmen der Übung erste Gespräche geführt, wie die Bauhöfe dabei helfen könnten, es gab erste positive Signale. Rekrutiert werden müssten zusätzliche Tierärzte für die Untersuchung von Wildschweinkadavern. Ein Untersuchungsset für die Blut- und Flüssigkeitsentnahme bei toten Tieren wurde an die Jäger ausgegeben. Auch die Bevölkerung soll einbezogen werden, beispielsweise über die Tierfund-App, die es ermöglicht, entdeckte Wildtierkadaver ortsgenau zu melden und einzutragen.

Für Jäger würde ein Ausbruch der afrikanischen Schweinepest bedeuten, dass mindestens 21 Tage kein Wild geschossen werden darf, um die Wildschweine nicht zu beunruhigen, sie in den angestammten Revieren zu belassen und so die Weiterverbreitung des Virus zu vermeiden. Auf die Schweinehalter kämen zusätzliche Vorschriften wie ein Verbot der Freiland- und Auslaufhaltung zu. Der Export von Schweinefleisch außerhalb der EU würde sofort zusammenbrechen – mit großen wirtschaftlichen Folgen.

Angesichts des Näherrückens der Seuche, vor einigen Tagen hat sie die Weichsel überwunden und wurde im Raum Warschau nachgewiesen, verstärken die Kreisveterinärin und die Prignitzer Jäger die Vorbeugung, vor allem durch Bemühungen zur Reduzierung der überhöhten Schwarzwildbestände. Betrug im Jagdjahr 2015 die Schwarzwildstrecke 3371 Tiere, so waren es im Jagdjahr 2016 bereits 4351 Tiere. Angesichts von rund 1000 Jagdschein-Inhabern im Landkreis eine beachtliche Zahl. Deutliche Steigerungen erwartet Sabine Kramer mit traditionellen Methoden nicht. Im Land gibt es daher erste Versuche mit Schwarzwildfanganlagen. Ein Problem bei der Bestandsentwicklung ist, dass seit einigen Jahren die weiblichen Frischlinge bereits im Jahr ihrer Geburt tragend werden können, was die Reproduktionsrate der Tiere nach oben treibt.

Zur Vorsorge gegen die afrikanische Schweinepest ist Sabine Kramer regelmäßig im Gespräch bei den Jägern, so bei den Jahrestagungen der Jagdverbände und Jägerschaften, bei Stammtischen und weiteren Treffen. Sie plädiert dabei auch auf Abstimmungen von Jägern und Landwirten über Jagdgassen, beispielsweise in Maisfeldern und Absprachen über Anbaustrukturen, um so gemeinsam die Wildschäden und die Bestandsentwicklung des Schwarzwildes zu begrenzen.

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