zur Navigation springen

Streit in Lübzow : Schweineaufzucht spaltet ein Dorf

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lübzower Landwirt plant Erweiterung, Gegner bilden BI und organisieren neben Einwohnerversammlung eigene Info-Veranstaltung

von
erstellt am 09.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Bis dato war es ein kleines Dorf mit einer intakten Gemeinschaft. Doch jetzt geht ein Riss mitten durch Lübzow. Der Grund: Landwirt Bernd Cord-Kruse will eine Schweinemastanlage bauen – rund 700 Meter weiter vom Dorf entfernt im Wald, hinter den jetzigen Ställen, aber auch mit 4608 Aufzuchtplätzen mehr.

Dagegen regt sich Widerstand. Rund 20 Lübzower haben sich zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengetan. Ihr Name: „Keine weitere Tierfabrik in der Lübzower Schweiz!“, stehe für ihre Forderung, so Marion Edenharter, eine der drei Sprecherinnen. Man finde, bei der Größenordnung hätte man die Lübzower schon bei der Planung mit ins Boot holen sollen.

„Hätten wir vielleicht einfach machen müssen, aber es stand überhaupt nicht fest, ob unser Projekt, das wir im Herbst 2011 begannen für uns zu planen, eine Chance hat“, versucht Bernd Cord-Kruse die Situation zu erläutern. Ein Geheimnis hätten sie nie draus gemacht. „Wir sind aber auch nicht damit durchs Dorf gezogen“, so der junge Landwirt. Bis zu jenem Tag im Juni, da Lübzow aus der Zeitung erfuhr, was geplant ist.

Das Bündnis Tierfabriken-Widerstand informierte knapp über das Vorhaben und rief zum Widerstand gegen solche Tierfabriken auf.

Was plant der Familienbetrieb Cord-Kruse? „Der soll um drei Ställe mit je 1536 Aufzuchtplätzen erweitert werden. Dafür werden zwei alte Ställe komplett abgerissen. Zusätzlich werde noch der sogenannte Eberstall aus der Produktion genommen. Damit sind es 768 Plätze weniger in direkter Dorfnähe.


Warum überhaupt erweitern?


Warum aber überhaupt eine Erweiterung? „Weil wir die Ferkel, die hier geboren werden, auch aufziehen möchten. Dann haben wir unseren Betrieb rund.“ Geburt, Aufzucht, Gülle wird über die Biogas-Anlage verwertet, der Gärrest wird reduziert ausgebracht auf die Felder, wo das Futter wächst. Die Wärme wird in den Ställen verwertet.

Klingt wirklich rund, finden etliche Lübzower, aber viele hegen auch arge Bedenken. Welche Auswirkungen hat das für das Landschaftsbild im Naherholungsgebiet Lübzower Schweiz, für Natur und Umwelt? Geruchsemmissionen und die Belastung durch den Verkehr würden sich negativ auf die Lebensqualität der Menschen von Lübzow und Spiegelhagen auswirken, führt Marion Edenharter an. Ob dem so ist – Antwort darauf erhofft sich die BI auf der Info-Veranstaltung am 13. August, 19 Uhr, im Hotel „Stadt Magdeburg“. Man wolle niemanden persönlich angreifen, zumal man bisher sehr gut mit dem Landwirt zusammengearbeitet habe, „mit dem Projekt können wir uns aber nicht so einfach zufrieden geben“. So folgte auf die Einladung der Familie Cord-Kruse zu einer Einwohnerversammlung am 19. August, 19 Uhr, in der örtlichen Gaststätte am Tag darauf die der BI zur Info-Veranstaltung, die allerdings schon am kommenden Mittwoch stattfindet. „Es ist keine Gegenveranstaltung. Auf der Einwohnerversammlung soll nur der Transport angesprochen werden. Es gibt aber mehr Probleme. Die betreffen auch die Spiegelhagener. Denn sie werden von den Transporten betroffen sein“, sagt Marion Edenharter.


Über Inhalt kann man, soll man streiten


Die Vorgehensweise der BI stößt aber offensichtlich nicht überall auf Gegenliebe. Dr. Jörg Bauer, Vorsitzender des Fördervereins Kirche Lübzow: „Über jeden Inhalt kann man trefflich streiten in dem man sich zusammensetzt. Doch die Art und Weise ist einfach daneben. Ohne überhaupt das Gespräch mit dem Landwirt zu suchen, hat sich die BI gegründet, die keineswegs fürs ganze Dorf sprechen kann. Das Dorf ist gespalten.“

Eine Zwickmühle, gesteht Ortsvorsteherin Beate Groschinski, die auch nur als solche sich äußert. Auch sie hat Angst um den Dorffrieden, für den Lübzow immer ein Sinnbild war. Beide Seiten könne sie verstehen. Und es ist legitim nachzufragen und eine BI zu gründen. Bernd Cord-Kruse habe sie gebeten, die beteiligten Parteien an einen Tisch zu holen, um sich auszutauschen. Ob es klappt, dafür könne sie nicht bürgen. Die Angst, dass sich tiefe Gräben im Dorf auftun, schwingt wie ein Damoklesschwert mit.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen