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Cord-Kruse in Lübzow : Schweineaufzucht: Antworten ließen wenige Fragen offen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Einwohnerversammlung zur geplanten Erweiterung der Anlage / BI konnte Fragen im Vorfeld einreichen, machte aber keinen Gebrauch

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Der Familienbetrieb Cord-Kruse in Lübzow soll um drei Ställe mit je 1536 Aufzuchtplätzen für Schweine erweitert werden. Dafür werden zwei alte Ställe komplett abgerissen. Zusätzlich wird der Eberstall aus der Produktion genommen. Damit sind es 768 Plätze weniger in direkter Dorfnähe. Einher mit dem Neubau und der Erweiterung geht eine Vergrößerung der Biogasanlage, um die mehr anfallende Menge an Gülle dann auch entsprechend zu verwerten. Für Letzteres wird es ein separates Genehmigungsverfahren geben.

Dienstagabend Einwohnerversammlung in Lübzow. Landwirt Bernd Cord-Kruse und Familie hatten eingeladen. Die Stühle im Saal der örtlichen Gaststätte reichten nicht. Groß die Erwartungen, endlich Antworten zu bekommen. Die lieferte Dr. Ing. Anja Ober-Sundermeier vom Planungsbüro Eco-Cert aus Karow, das mit immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsfragen sein Brot verdient und seit 1992 nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch im Auftrag der Genehmigungsbehörde tätig ist. Wären sie befangen, würden sie nicht mehr existieren, klärte sie gleich die Fronten.


Der Transportweg


Dann ging es ins Detail: Der Knackpunkt, der im Vorfeld für viel Diskussion sorgte, ist der Transport. Schon jetzt sei die Belastung für Häuser, Straßen und vor allem die Stepenitz-Brücke, die für 24 Tonnen ausgelegt ist, enorm, wie die Bürgerinitiative (BI) bereits auf ihrer eigenen Veranstaltung deutlich gemacht hatte. Und mit der Erweiterung? Der Landwirt sichert zu, dass alle Transporte über 24 Tonnen künftig den Umweg und nicht die Brücke nehmen. Maximal ohne Ladung geht es für Lkw und dergleichen über diese Zuwegung. Die Lkw-Transporte laufen komplett über Spiegelhagen. Für die Querung über die Brücke heißt das, die Durchfahrten erhöhen sich von derzeit 585 pro Jahr (hin und zurück) auf 628. Weitaus höher liegt die Zahl für Spiegelhagen. Aus derzeit 1114, sprich vier bis fünf Vorbeifahrten pro Arbeitstag, werden 2002 pro Jahr und damit drei bis vier mehr pro Arbeitstag. Eine entsprechende Beschilderung im Dorf, für die das Ordnungsamt der Stadt umgehend sorgt, soll verhindern, dass Transporte durchs Dorf statt über die obere unbefestigte Zuwegung zur Anlage rollen. Jene soll ausgebaut werden – so eine von vier Verkehrsvarianten des Landwirts. Eine andere sieht den Ausbau des Kirschweges vor, eine dritte eine Art Stichweg von den neuen Anlagen durch Wald und Flur zur Gemeindeverbindungsstraße von Spiegelhagen nach Lübzow. Die vierte wäre der Ausbau des Rohlsdorfer Wegs. Man sei sowohl mit der Stadt als auch mit der Gemeinde Groß Pankow und mit Eigentümern von Flächen im Gespräch. Insofern könne er noch keine Antwort auf die Frage geben, welche Variante er bevorzuge, so Cord-Kruse, und sagt: „Die, die geht.“ Einwurf einer Lübzowerin – die erste gar nicht in Betracht zu ziehen, da der Lkw-Verkehr dann weiterhin an den Grundstücken vorbei laufe.


Landwirt oder nicht


Landwirt oder nicht, privilegiert im Außenbereich zu bauen, was sonst nicht gestattet ist, eben außer u. a. für Landwirte, an dieser Frage schieden sich bis dato die Geister. Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, den sich die BI als Experten gesucht hat, bezweifelt in einer Mail an den „Prignitzer“, dass der Antragsteller wirklich Landwirt im Sinne von § 201 des Bundesbaugesetzbuches sei – also genügend Flächen habe, auf denen er mindestens 50 Prozent des Futters für alle auf seinem Hof gehaltenen bzw. zu haltenden Tiere anbauen könnte. Eine Nachfrage beim Landkreis ergibt: „Der Betrieb Bernd Cord-Kruse wird als landwirtschaftlicher Betrieb im Landkreis geführt.“ Dr. Anja Ober-Sundermeier belegt mit Zahlen, warum: Auf seinen über 600 Hektar Land müsste der Landwirt 3000 Tonnen Futter produzieren können, einen Durchschnittsertrag von fünf Tonnen pro Hektar schaffen. Mit sieben Tonnen allein bei Getreide werde weitaus mehr erreicht. Auch hinsichtlich der Biogasanlage sei der Betrieb privilegiert, denn mehr als 50 Prozent Input werden schon aus anfallender Gülle gedeckt.


Der Geruch


Stichwort Geruch. Mehr an Immissionsminderung, als hier umgesetzt werden soll, geht nicht. Eine Abluftreinigungsanlage – DLG-Zertifikat, alles elektronisch gesteuert – sorgt dafür, dass nach 100 bis 200 Metern Entfernung kein von der Umgebung zu unterscheidender Geruch wahrnehmbar ist. Das heißt, keine Zusatzbelastung aus den drei neuen Ställen – im Gegenteil: Durch die Stilllegung alter Ställe komme es zu einer Entlastung.


Der Bauernverband


Lothar Pawlowski, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Karstädt und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz, räumte ein, dass es auf der Dorfstraße mit ihrem Kopfsteinpflaster „mächtig scheppert. 30 km/h, das lässt sich überwachen“. Eine Abluftanlage, wie sie Bernd Cord-Kruse plane, rechne sich nur bei einer entsprechenden Stallgröße. Voraussetzung für Tierwohl sei zudem mehr Platz. Den erreiche man nur über neue Ställe, die zumeist auch Arbeitsplätze bedeuten. „Zwei“, ergänzt der Landwirt, der jetzt zwölf Beschäftigte und einen Azubi hat. „Cord-Kruse möchte investieren in neue Ställe und das mit gutem Gewissen“, betont Pawlowski. Insofern sei positiv, dass nach einem Konsens gesucht werde und die Probleme, Nöte und auch die Anregungen der BI ernst genommen würden, man sich aber nicht auseinander dividieren, sich vielmehr die Hand gebe solle und nach einer Lösung sucht.

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