Schuhstraße 18 bleibt keine wilde Ecke

Die Schuhstraße 18 befindet sich mittig im Bild. Im Hintergrund erkennt man das Haus Uferstraße 20 von Schabrod. Stadtarchiv
Die Schuhstraße 18 befindet sich mittig im Bild. Im Hintergrund erkennt man das Haus Uferstraße 20 von Schabrod. Stadtarchiv

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15. September 2012, 02:13 Uhr

Perleberg | Seit 2000 hatte das Haus Schuhstraße 18 nur noch einen Mieter und seit vier Jahren stand es völlig leer. Aufgrund des Schwammbefalls war es auch nicht mehr vermietbar. Vor einigen Wochen nun wurde es abgetragen. Was passiert jetzt hier, soll diese Ecke ein wilder Parkplatz bleiben? Fragen, die die Perleberger bewegen und mit denen sie sich an den "Prignitzer" wandten.

Auf einen kurzen Nenner gebracht: Es tut sich etwas, bestätigte Bauamtsleiter Hagen Boddin. Denn das Anwesen hat inzwischen einen neuen Eigentümer. Und der musste darlegen, was er für das Areal plane. Erst dann durfte in Abstimmung mit der unteren Denkmalbehörde und dem zuständigen Gebietsreferenten vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege das um 1855 gebaute Eckwohnhaus abgerissen werden. Im Bauausschuss sprachen Abgeordnete daraufhin das Thema Gassensituation an, die ihrer Meinung nach damit verloren ging, ohne dass man darüber informiert worden war.

Bereits im Sanierungsplan, der in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt wurde, war dieses Gebäude als Abbruchobjekt verzeichnet, die Entscheidung sei somit nicht von heute auf morgen getroffen worden. Jens Trommershauser von der BIG-Städtebau betonte in diesem Zusammenhang, dass es durchaus Sinn mache, derartige Gassensituationen zu erhalten und man dem in den meisten Fällen auch folge. Hier handle es sich aber um eine gesonderte Situation. Zum einen war das Haus ein sogenannter städtebaulicher Missstand, denn das Anwesen war in den 70er Jahren komplett umgebaut worden. Das einzig Historische sei noch der Keller, "und der war auch bereits mit einer Betonplatte abgedeckt", erläutert der Stadtplaner. Vor dem eigentlichen Abbruch habe man diesen untersucht, erst dann sei der Keller verfüllt worden. Das heißt, er ist nicht zerstört. Am eigentlichen Gebäude war wenig geschichtlich Wertvolles, das meiste sei neu überbaut gewesen.

Zwischenzeitlich ist das Areal eine Baustelleneinrichtungsfläche - auf der Rückseite der ehemaligen Schleckerfiliale laufen derzeit Erweiterungsarbeiten. Bald jedoch werde hier mit altstadttypischen Materialien ein ordentlicher Parkplatz entstehen, ähnlich dem in der Uferstraße. Dabei, betont Trommershauser, soll der Gassencharakter nachempfunden, sprich die einstige Baukante mit einer Mauer gefasst werden, die den alten Grundriss symbolisiert. "Meines Erachtens ist hier ein tragbarer Kompromiss gefunden worden", so der Projektleiter der BIG-Städtebau.

Hinsichtlich des Betsaals der jüdischen Gemeinde, der sich einst im ersten Stockwerk befunden haben soll, handle es sich einzig um eine Nutzung. Bei der Zustimmung der Denkmalbehörden zum Abbruch war hinsichtlich der jüdischen Vergangenheit des Hauses nichts bekannt, verweist der Stadtplaner.

Doch baulich habe das eine mit dem anderen nichts zu tun. Das bestätigen auch Unterlagen im Stadtarchiv, die Archivarin Silvia Pieper auf Nachfrage für den "Prignitzer" zusammenstellte.

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