„Lachs 2000“ in der Prignitz : Schuhmacher und Fliegenfischer

p1050271

Mirko Beutling ist als „Lachs- und Forellenvater“ unermüdlich im Einsatz . Doch auch die Bienen haben es ihm angetan

von
18. Januar 2018, 05:00 Uhr

Seit 1999 läuft das Programm „Lachs 2000“ in der Prignitz. Immer mit dabei: Mirko Beutling aus Silmersdorf. Der Orthopädieschuhmachermeister mit seinem Ladengeschäft in Wittstock/Dosse ist passionierter Salmonidenangler. So werden alle Fische bezeichnet, die eine sogenannte Fettflosse tragen, wie zum Beispiel die Forelle.

Mirko Beutling hat sich vor allem auf das Fliegenfischen verlegt und findet hier seine Passion und Leidenschaft. Doch zu Hause in Silmersdorf kümmert er sich vor allem um den Fischnachwuchs. Dort hat der Fario e.V. aus Berlin, ein Fliegenfischerangelverein, in dem Mirko Beutling Mitglied ist, ein Bruthaus errichtet. „Wir hältern hier die beim Elektrofischen in Perleberg gefangenen Meerforellen und Lachse bis sie laichreif sind. Dann werden sie abgestreift, die Eier befruchtet und die Jungfische herangezogen“, erläutert Beutling einen immensen Aufwand in wenigen Sätzen.

Denn die Fische im Bruthaus brauchen Pflege – und das von Anfang an. Wenn die Weibchen abgestreift und die Eier mit dem Samen der Männchen befruchtet werden, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Die Tiere sind schwer, zwischen drei und vier Kilogramm, haben sehr viel Kraft und finden die Prozedur nicht schön. Sie wehren sich kräftig. Im Anschluss werden die Eier mit dem Samen der Männchen per Feder vermischt. „Das Befruchten dauert nur wenige Sekunden, das ist auch in der Natur sehr wichtig und geht sehr schnell. Die unbefruchteten Eier sind weich, wenn sie befruchtet sind, werden sie außen hart wie kleine Erbsen“, erzählt Beutling im Bruthaus. Dann werden die Eier abgespült und kommen in die Brutschränke. Hier werden sie ständig mit frischem Wasser umspült. „In der Natur brauchen die Fische dazu schnell fließendes Wasser, groben, kiesigen Untergrund und viel Glück“, sagt er. Denn in der Natur schlüpfen aus nur etwa zehn Prozent der Fischeier junge Fische. Laichräuber, aber auch Verpilzungen und Verunreinigen im Wasser machen den Fischen zu schaffen. „Hier im Bruthaus haben wir das genau umgekehrt. Also etwa zehn Prozent der Eier müssen wir aussortieren, aber aus 90 Prozent schlüpfen auch kleine Fische“, berichtet Mirko Beutling mit strahlenden Augen.

Ein Herz für die Eltern

Aber was passiert mit den Fischen, nachdem sie abgestreift und der Laich entnommen wurde, also mit den Elterntieren? „Wir setzen alle wieder in die Stepenitz zurück, auch die ganz großen. Wir sind in diesem Jahr in der glücklichen Lage genügend Laichfische zu haben. Das heißt, dass ein großer Teil der Fische, die wir in Perleberg gefangen haben, gar nicht mehr hierher kommen, sondern gleich oberhalb von Perleberg in die Stepenitz gesetzt werden und so nach geeigneten Laichplätzen suchen können und sich in freier Wildbahn vermehren können“. Vor allem die Meerforellen kommen mehrmals zum Ablaichen in die Stepenitz. „Wir haben jetzt auch wieder eine Meerforelle gefangen, die bereits 2015 hier war“.

Landet so ein Fisch auch mal in der Pfanne?, ergibt sich angesichts der vielen großen Exemplare in den Hälterbecken die Frage. „Nein, bestimmt nicht. Es ist mal vorgekommen, dass ein Lachs nach dem Abfischen gestorben ist. Das kann passieren. Ich habe zu meiner Frau gesagt, sie könne ihn ja für die Hühner abkochen. Es blieb aber bei dem Versuch. Der Fisch roch so unangenehm, dass der Topf sofort aus der Küche entfernt wurde“, sagt Mirko Beutling lachend.

Doch wie kommt ein Schuhmachermeister dazu, plötzlich Fische zu züchten? Kann man das einfach so oder liest man da in Büchern, wie das geht? „So einfach war das nicht. Ich bin mit meinem Sohn zum schwedischen Lachspapst gefahren. In Schweden haben wir Lachse gefangen, abgestreift und die Brut aufgesetzt. Die Fische waren aber deutlich größer als hier. Lachse bis zu 20 Kilogramm mussten wir da abstreifen. Es war hart, Akkordarbeit. Aber die Schweden waren nett und ich habe viel gelernt, was ich jetzt einbringen kann“, sagt Beutling mit Stolz.

Im Jahr verbringt er etwa 1000 Stunden ehrenamtlich im Bruthaus. Wenn die Eier in den Brutschränken liegen, müssen abgestorbene Eier ausgelesen werden. Mit einer Pipette wird jedes Exemplar abgesaugt und entnommen. „Das ist wichtig, weil sich an den abgestorbenen Eiern Pilze bilden können, die dann die anderen Eier anstecken und so die ganze Brut vernichten könnten. Das ist auch eines der Probleme in der Natur“, so Beutling.

Im Silmersdorfer Bruthaus werden etwa 220 000 Meerforellen ausgebrütet und etwa 70 000 Lachse. „Wir produzieren hier im Grunde den Besatz für uns in der Prignitz und auch für Sachsen-Anhalt“. Ziel der ganzen Arbeit ist es, einen sich irgendwann selbst reproduzierenden Bestand von Lachsen und Meerforellen aufzubauen. Während die Meerforellen als Brütlinge, also als Kleinstfische kurz nach dem Schlupf, im Frühjahr in der Stepenitz und den Nebenflüssen ausgesetzt werden, bleiben die jungen Lachse in Silmersdorf. Hier werden sie herangezogen.

Auf Fische folgen Bienen

In etwa sechs Monaten, also im Herbst, werden sie dann in der Stepenitz ausgesetzt. „Wir wollen versuchen immer nur Fische aus der Stepenitz zu vermehren und wieder auszusetzen, um so den Rückkehrinstinkt der Tiere besser auszuprägen“, erklärt Mirko Beutling. Dass das nicht immer klappt, hat sich auch vergangenes Jahr gezeigt. Da wurden zwei Prignitzer Lachse in der Oste in Schleswig-Holstein gefangen. Die Tiere waren markiert und konnten so zugeordnet werden. „Na ja, die sind dann eben etwas früh abgebogen. Aber immerhin haben sie versucht zurück zu kommen.“

Im Frühjahr, wenn die Sonne höher steigt, kümmert sich Mirko Beutling um sein zweites Hobby. Er hat gut 60 Bienenvölker. „Die Fische und die Bienen ergänzen sich wunderbar. Im Winter die Fische, im Sommer die Bienen. Das funktioniert“. Und wenn dann noch Zeit bleibt, greift er immer noch gern zur Fliegenrute, um den Bachforellen oder anderen Raubfischen nachzustellen, denn die Passion und Begeisterung als Angler ist immer noch geblieben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen