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Neuer Fahrplan sorgt in der Prignitz für Ärger : Schülerverkehr in der Kritik

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mitglieder im Kreistagsausschuss befürchten bei Debatte um neuen Fahrplan Nachteile für einzelne Schulen.

Emotional ging es in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses des Kreistags zu. Grund war der Entwurf für den neuen Nahverkehrsfahrplan. Dessen Macher mussten sich viel Kritik gefallen lassen.

„Der Fahrplan ist großer Murks. Wir wohnen in Kreuzburg und werden dafür bestraft“, fand Juliane Thiele, Gesamtelternsprecherin des Perleberger Gymnasiums, am Dienstagabend deutliche Worte. „Mein Sohn soll 40 Minuten eher aufstehen als bisher und hat einen längeren Arbeitstag als ich. Das ist eine Bestrafung sondergleichen.“ Das betreffe viele Eltern, die in den Dörfern an der B189 wohnen. „Es sind elf Kilometer nach Perleberg und es wäre günstiger, das Kind nach Pritzwalk zu schicken, denn dann könnte es wenigstens 40 Minuten länger schlafen.“ Juliane Thiele befürchtet Standortnachteile für das Gymnasium Perleberg, aber auch für andere Schulen. „Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich Eltern wegen des Fahrplans gegen eine Schule entscheiden“, unterstrich Andreas Giske, Leiter des Curie-Gymnasiums Wittenberge, die Ansicht Thieles. Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft/ÖPNV beim Landkreis, versuchte zu relativieren. „Es gibt in dem System Gewinner und Verlierer. Jeder sucht sich den günstigsten Weg bei der Schulwahl. Aber der Schulweg ist nicht der alleinige Grund, wenn man sich für eine Einrichtung entscheidet. Auszuschließen sei das Schulwegkriterium aber nicht. Schulausschussmitglied Torsten Diehn stellte klar: „Wenn der neue ÖPNV-Plan dazu führt, dass es zu Verzerrungen zwischen den Schulen hinsichtlich der Schulortwahl kommt, halte ich das nicht für akzeptabel.“

Vor der Debatte hatte Christian Klöden, von der Verkehrsplanung der Rhenus Veniro GmbH, die die Ausschreibung für den ÖPNV zusammen mit der Mobus Märkisch Oderland Bus GmbH gewann, das Konzept sowie die Eckpunkte der Ausschreibung vorgestellt. Tenor: Der Fahrplan muss auf Basis der kreislichen Schülerbeförderungssatzung und des vom Kreistag beschlossenen Nahverkehrsplans erstellt werden. „Und beides halten wir ein“, ergänzte Uwe Rößler, Regionalleiter Ost der Rhenus Veniro GmbH. Laut Nahverkehrsplan muss zuerst auf den Bahnverkehr gesetzt werden und dann auf den Bus. Auch das sorgte bei manchem Abgeordneten für Unmut. „Mir scheint aus dem Primat der Schiene Unfug entstanden zu sein.“ Auf die Debatte während der Sitzung reagierte Uwe Rößler emotional. „Wenn man signifikante Verbesserungen im System will, muss man mehr Geld in die Hand nehmen. Dort liegt das Problem. Da ist es egal, welches Unternehmen den ÖPNV macht.“ Sowohl er als auch Andreas Much betonten, dass das Wohl der Schüler an erster Stelle stehe. „Sollte es Verbesserungsbedarf geben, werden wir alles versuchen, das hinzubekommen“, so Much, der ankündigte, dass zu Beginn des neuen Fahrplans Lotsen den Grundschülern an den Umstiegsstellen helfen, den richtigen Bus zu nehmen. Das gilt zum Beispiel für Kinder der Geschwister-Scholl-Grundschule Perleberg. Schulbezogene Extra-Fahrpläne sollen den Kindern und Eltern die Orientierung erleichtern. „Grundsätzlich sind Umstiege für einige Grundschüler nicht zu vermeiden und durch kein Gesetz verboten“, sagte Much kürzlich gegenüber dem „Prignitzer“.

Der zweite Fahrplanentwurf liegt derzeit beim Landesamt für Bauen und Verkehr in Berlin-Hoppegarten zur Genehmigung. Mitte Juni soll er veröffentlicht werden. Betriebsaufnahme am 1. August, Schulbeginn ist am 3. September.

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