Schroller: Tests helfen gegen Betriebsblindheit

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30. Juli 2012, 06:27 Uhr

Wittenberge | Wie schmackhaft machen Mitarbeiter in Gaststätten, Hotels, Pensionen, Taxifahrer und Fahrradverleiher Touristen die Stadt und ihre Umgebung für einen mehrtägigen Aufenthalt? Im Auftrag des Kultur- und Tourismusbetriebes (KSTW) testete genau das anonym ein Berliner (der "Prignitzer" berichtete Sonnabend). Der Mann kommt zu dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der Unternehmen sich vorwiegend auf das eigene Tagesgeschäft konzentriere. Ein Gemeinschaftsgefühl für Wittenberge und Umgebung sei nicht immer optimal zu erkennen. Der Mann hat 25 sogenannte touristische Leistungsanbieter getestet. Welche es waren, das bleibt beim Kultur- und Tourismusbetrieb unter Verschluss. Simone Albers, zuständig im KSTW für Tourismus und Marketing, kündigt an, eine spezifische Auswertung im direkten Gespräch mit den Getesteten vorzunehmen, "um konkrete Hilfestellungen zu geben".

Die Redaktion fragte gestern bei drei Anbietern, deren tägliches Geschäft auch der Tourismus ist: Was halten Sie von derartigen Mysterychecks und wie werten Sie das Ergebnis?

"Ich denke, der Tester war bei mir. Als ich jetzt gelesen habe, dass es sich um einen Berliner handelt, habe ich mich an jemanden erinnert, der sich sehr genau erkundigt hat. Er kann es gewesen sein", sagt Herbert Schroller, Inhaber von Hotel und Pension "Elbaue" mit 80 Betten in 36 Zimmern, verteilt auf vier Häuser. Das Ergebnisse der Prüfung kenne er nicht, sagt der Hotelier, gehe aber davon aus, dass die Auswertung jetzt bald erfolgt. "Grundsätzlich befürworte ich derartige Tests, finde sie gut, weil sie einem helfen, Mängel zu beseitigen." Mit der Zeit, davon ist Schroller überzeugt, werde man nämlich betriebsblind. "Man übersieht das eine oder andere. Deshalb ist es gut, wenn jemand von außen draufschaut und Anregungen gibt."

Auch Lutz Lange, Gesellschafter der Genesis GmbH und mehrfacher Geschäftsführer, "hat null Probleme mit einem solchen anonymen Check". Er wertet aber die Ergebnisse des Tests völlig anders als der Kultur- und Tourismusbetrieb. "Man kann doch nicht sagen, das Ergebnis ist ernüchternd. Das ist falsch. Wenn von 25 Überprüften nur neun Anbieter Negativantworten geben, dann haben 16 gut reagiert, sind auf Touristen eingestellt." Lange schlussfolgert: "Damit sind wir auf dem richtigen Weg. Vor fünf Jahren hätte das noch ganz anders ausgesehen." Er könne diese Bewertung auch im Vergleich mit anderen Regionen treffen, "in denen wir geschäftlich engagiert sind, egal, ob das Röbel in Mecklenburg, Bad Staffelstein in Oberfranken oder Sonneberg in Thüringen", sagt Lange und fügt an: "Jetzt hoffe ich, dass ganz schnell eine Einzelauswertung erfolgt, die Getesteten sehr zeitnah die Bewertung bekommt, damit sie noch in dieser Saison reagieren können."

"Wenn Leute bei uns übernachten, dann wollen sie auch beraten werden, was sie hier machen können. Und wir machen das. Wittenberge und Umgebung hat genügend zu bieten", ist die Meinung von Dieter Tollkiehn von der Pension "Tollhaus", und er erzählt von den beiden niederländischen Ehepaaren, die für zehn Tage in der Pension schliefen und jeden Tag etwas unternommen haben - vom Uhrenturm-Besuch über Ausflüge nach Havelberg und Rühstädt bis ins Wendland. Wenn Anbieter dem Tester gesagt hätten, in Wittenberge wäre man in einem halben Tag durch, dann könne er das nicht nachvollziehen, meint Tollkiehn. Grundsätzlich habe er nichts gegen anonyme Tests. "Sie zeigen, wo wir stehen."

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