Praktikum für Flüchtlinge : Schritt in ein neues Leben

Fereshteh Sadeghizadeh (hinten links) und Alireza Dajand können mit dem Praktikum beruflich Fuß fassen.
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Fereshteh Sadeghizadeh (hinten links) und Alireza Dajand können mit dem Praktikum beruflich Fuß fassen.

Zwei Flüchtlinge absolvieren ein Praktikum im Friseursalon „Coiffeur“ / Der Chef ist zufrieden und bietet ihnen Lehrstellen an

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03. März 2016, 05:00 Uhr

„Guten Tag, darf ich Ihre Jacke abnehmen? Möchten Sie einen Tee oder Kaffee?“, fragt Alireza Dajand in gebrochenem Deutsch aber mit einem Lächeln im Gesicht. Der 22-Jährige ist aus dem Iran geflüchtet, seit elf Monaten ist er in Deutschland und absolviert derzeit ein sechswöchiges Praktikum beim Friseurbetrieb „Coiffeur“. Die 23-jährige Fereshteh Sadeghizadeh tut es ihm gleich.

„Ich bin froh, in Deutschland zu sein“, sagt die junge Frau und Alireza Dajand nickt zustimmend. Beide leben in Karstädt. In ihrer Heimat Iran wurden sie verfolgt, weil sie Christen sind. Zwar erreichten die Reformer und gemäßigten Konservativen um Präsident Hassan Rohani bei der jüngsten Wahl eine Mehrheit. Aber Alireza hat wenig Hoffnung, dass Andersgläubige von nun an toleriert werden. „Im Iran ist die Mehrheit muslimisch“, sagt er und zuckt mit den Achseln.

Fereshteh und Alireza haben in ihrer Heimat eine zeitlang als Friseure gearbeitet und möchten in der Prignitz beruflich Fuß fassen. Das Praktikum soll ihnen dabei helfen. Außerdem besuchen beide einmal pro Woche einen Deutschkurs. Die Maßnahme, die den beiden das ermöglicht, heißt „Perspektiven für Flüchtlinge“ und läuft über drei Monate.

„Anfangs lernen die Teilnehmer die arbeitsrechtlichen Bedingungen kennen. Außerdem werden ihre Kenntnisse und Fertigkeiten ermittelt“, erklärt Viorica Sirbu von der Gesellschaft für innovative Beschäftigung, die die beiden während der Maßnahme betreut.

Danach folgt das Praktikum. Vier Tage in der Woche, jeweils acht Stunden, stehen Fereshteh und Alireza im Salon. Sie sind staatlich versichert und bekommen weiter ihre Leistungen. Das Praktikum ist kostenfrei. Am Ende werden Bewerbungsgespräche trainiert. „So bereiten wir die Menschen auf eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz vor“, sagt Viorica Sirbu.

An dem Projekt „Perspektiven für Flüchtlinge“ sind auch der Landkreis, die Arbeitsagentur und das Jobcenter sowie verschiedene Firmen beteiligt. Coiffeur-Chef Reinhard Meyer hat seine Entscheidung, die beiden Flüchtlinge einzusetzen, nicht bereut. „Sie sind sehr freundlich, lächeln immer. Sie sind bei den Kunden beliebt.“ Er wünsche sich, dass sie in seinem Betrieb eine Ausbildung machen. „Die Chancen, dass sie übernommen werden, stehen gut“, sagt Reinhard Meyer.

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