zur Navigation springen

Schloss wird restauriert : Schon Friedrich liebte Rheinsberg

vom

Friedrich der Große verkehrte in vielen Palästen - aber nirgendwo hielt er lieber Hof als in Schloss Rheinsberg an der Grenze zu Mecklenburg. Hier habe er die "glücklichste Zeit" seines Lebens verbracht, betonte er.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 06:37 Uhr

Rheinsberg | Friedrich der Große (1712-1786) verkehrte in vielen Palästen - aber nirgendwo hielt er lieber Hof als in Schloss Rheinsberg. In der doch recht bescheidenen Residenz habe er die "glücklichste Zeit" seines Lebens verbracht, betonte der Preußenkönig einmal wehmütig in späteren Jahren. 2012 wird der 300. Geburtstag des Alten Fritz gefeiert, und bei jeder Gelegenheit fällt da der Name "Sanssouci". Das berühmte Schloss in Potsdam hätte es ohne Rheinsberg hoch oben an der Grenze zu Mecklenburg aber nie gegeben.

"Schloss Rheinsberg steht in vielerlei Hinsicht für eine Zäsur", sagt Kustos Detlef Fuchs. Vor allem architektonisch habe sich Friedrich dort geradezu epochal betätigt. 1734 bekam er als Kronprinz das Renaissance-Kleinod von seinem Vater König Friedrich Wilhelm I. geschenkt - "und warf dann erst einmal alles aus dem Fenster", berichtet Fuchs. Der Sohn ließ die Fenster vergrößern, die engen Wendeltreppen erweitern und allerlei Malereien, Stuck und Pomp anbringen. Noch heute besticht die hell gestrichene Anlage am Grienericksee durch ihre Leichtigkeit und Eleganz.

"Das war modern, so etwas kannte man in Preußen nicht", sagt Fuchs. Später sollte der Stil als Friderizianisches Rokoko bekannt werden und Gebäude wie das Schloss Charlottenburg, das Potsdamer Stadtschloss und natürlich Schloss Sanssouci prägen. "Probierstube und Vorbild war Rheinsberg. Auch die Formel Sanssouci - ohne Sorgen - führte Friedrich da schon im Munde", weiß der promovierte Historiker.

Friedrich genoss die Zeit fernab vom herrischen Vater, dem Soldatenkönig. Der Sohn umgab sich lieber mit Dichtern, Malern und Musikern und feierte rauschende Feste im "Musenhof" Preußens. Bis der Vater 1740 plötzlich starb: Nun musste Thronfolger Friedrich II. die Geschicke des Staates leiten, und das ging eben nur von Berlin aus.

Aber der jüngere Bruder Heinrich, nicht weniger intellektuell und kunstverliebt, führte und verschönerte Schloss Rheinsberg weiter. Er lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1802. Später würdigten die Dichter Theodor Fontane und Kurt Tucholsky in ihren Werken die Aura von Rheinsberg.

Dass das Schloss so gut erhalten blieb, ist Restaurateuren, aber auch dem Zufall der Geschichte zu verdanken. Von dem Interieur ging gleichwohl viel verloren, gerade nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Unzählige Gemälde kamen als Beute in die Sowjetunion. Und in der frühen DDR war "mit der preußischen Geschichte kein Staat zu machen", sagt Historiker Fuchs. Schloss Rheinsberg wird lange als Diabetiker-Sanatorium genutzt und vieles geht kaputt. Teile der Schlosskamine etwa werden Jahre später als Uferbefestigung des Grienericksees entdeckt. Dieser "Vandalismus" sei sicher nicht nur dem damaligen Zeitgeist geschuldet, sagt Chef-Restaurator Jochen Hochsieder. Das offenbare schon "eine gewisse Zerstörungswut." Hochsieder und sein Team restaurieren im Moment den großen Spiegelsaal, den prunkvollsten Raum im Rheinsberger Schloss. Anderthalb Jahre dauern die Arbeiten anlässlich des Friedrich-Jubiläumsjahrs, die Kosten lägen im "sechsstelligen Bereich", verrät Kustos Detlef Fuchs. Schon glänzen die Spiegel und der Marmorstuck hat wieder seine rosa Farbe zurück. Im Sommer wollen die Restaurateure ganz fertig sein. Denn am 4. August beginnt im Rheinsberger Schloss die große Friedrich-Ausstellung und reiht sich in die Fülle von Veranstaltungen ein, mit denen der 300. Geburtstag des Preußenkönigs gefeiert wird. In Rheinsberg soll Friedrich als Bauherr, Ehemann, Visionär und als Gartenliebhaber gewürdigt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen