Gestüt Neustadt/Dosse für mehr als 40 Millionen Euro saniert : Schönheitskur im "Sanssouci für Pferde"

Wo sonst Pferde traben, rollen  Baufahrzeuge. Das Gestüt Neustadt/Dosse musste generalüberholt werden. G. Russew
Wo sonst Pferde traben, rollen Baufahrzeuge. Das Gestüt Neustadt/Dosse musste generalüberholt werden. G. Russew

224 Jahre gibt es das "Sanssouci der Pferde" in Neustadt/Dosse schon. Ab Anfang 2014 wird das Gestüt komplett in altem, neuen Glanz erstrahlen. Gerade ist mit der Generalüberholung des Stutenstalls begonnen worden.

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25. September 2012, 11:35 Uhr

Neustadt/Dosse | 224 Jahre gibt es das "Sanssouci der Pferde" in Neustadt/Dosse schon. Ab Anfang 2014 wird das Haupt- und Landgestüt komplett in altem, neuen Glanz erstrahlen. Gerade ist mit der Generalüberholung des Stutenstalls im Hauptgestüt begonnen worden. "Wir bewegen uns in großen Schritten der Zielgeraden entgegen", sagte die kommissarische Stiftungs-Geschäftsführerin Regine Ebert dieser Zeitung.

1788 wurde das Gestüt von Friedrich Wilhelm II. gegründet. Für den Preußenkönig war nur das Beste für die Vierbeiner gut genug. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es dem Verfall preisgegeben. Nach der Wende war vom "Sanssouci der Pferde" nur noch ein Schatten seiner selbst vorhanden. Obwohl hier immer noch tolle Pferde gezogen wurden, lag die Gebäudesubstanz am Boden. Ehemals befanden sich rund 50 große und kleine Gebäude auf dem Areal. Hiervon sind jedoch einige bereits abgerissen worden.

Erst 1999 entdeckte das Land Brandenburg Neustadt/Dosse wieder. Danach machten sich viel Fachleute Gedanken darum, wie die Bausubstanz, die Tradition und Kultur des Gestüts erhalten werden kann. "In diesem Zusammenhang wurde 2001 die landeseigene Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse gegründet", erklärte Ebert. Ziel war es, über EU-Fördermittel das historisch wertvolle Gestütensemble zu erhalten und zu sanieren. "Diesem Ziel sind wir heute schon sehr nahe." In der ersten Förderperiode (2003-2008) sind bereits 40 Millionen Euro aus EU- und landeseigenen Mitteln nach Neustadt geflossen und verbaut worden. Das Landgestüt ist generalüberholt. Neben der Sanierung der Stallungen sind neue Reithallen und eine neue Tribüne für den Paradeplatz entstanden.

Im Fokus der Arbeiten steht jetzt die Fertigstellung des Hauptgestüts mit dem Stutenstall. "Hierfür fließen nochmals 3,9 Millionen Euro", so Ebert. Das Landstallmeisterhaus, dem Sitz der Stiftung, ist bereits fertiggestellt. Handwerker schrauben gerade am über 100 Meter langen Stutenstall herum. Aktuell geht es dem maroden Dachstuhl an den Kragen. Später wird das Stallinnere entkernt und saniert. Anfang 2014 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. "Das ist nicht unproblematisch, denn wir müssen viele Pferde zwei Winter in Behelfsställen unterbringen", erklärte Ebert. Hier sei es kühler und es gebe jede Menge Unruhe. Deshalb werden in den Zelten nur die Jungpferde untergebracht. Die hochtragenden Stuten kommen dagegen in einen restaurierten Stall. "Das Risiko von Fehlgeburten ist viel zu hoch. Die Stuten sind unser Kapital." Einziges Zugeständnis an die Situation: Die Mutterpferde stehen dort nicht wie gewohnt in der Herde, sondern in Boxen.

Vom Pferdeverkauf lebt das Haupt- und Landgestüt. Knapp eine Million Euro müssen hierüber pro Jahr eingespielt werden. "Wir haben im Haupt- und Landgestüt jährlich über fünf Millionen Euro an Kosten", berichtete Ebert. Daher dürfe es bei den Stuten keine Experimente geben. Andere Einnahmequelle ist das Besamungsgeschäft. Hiermit können rund 2,5 Millionen Euro jährlich eingespielt werden. Damit sei klar, dass die Differenz für die Betriebskosten das Land tragen müsse. Allerdings gebe es auch immer wieder Lichtblicke: In diesem Jahr konnte das Gestüt durch den Verkauf eines Hengstes nach Polen eine Rekordeinnahme von 600 000 Euro verbuchen. "So etwas ist aber nicht die Regel", sagte die kommissarische Stiftungsleiterin. Dieser Verkauf sei aber Beleg für die außergewöhnliche und hervorragende Arbeit in Neustadt, ist sich Ebert sicher. An einer anderen Baustelle arbeite das Land aktuell: Es wird ein hauptamtlicher Stiftungsleiter gesucht. Auch Regine Ebert hat sich beteiligt. In Kürze soll eine Entscheidung vom Land gefällt werden.

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