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Alte Gemälde in Lenzen : Schönheitskur für Reformatoren

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Lenzener Kirchengemeinde lässt Leinwandgemälde von Luther und Melanchthon restaurieren

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erstellt am 15.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Tatort St.-Katharinen-Kirche Lenzen: Vorsichtig holen Birgit und Björn Scheewe erst eins, kurz darauf auch ein zweites Gemälde von der bereitgestellten Staffelage und wickeln sie sorgsam in Tyvek-Vlies ein. Das textile und atmungsaktive Verpackungsmaterial soll die arg in Mitleidenschaft gezogenen Bildnisse vor weiteren Beschädigungen beim Abtransport schützen. Erst danach entledigen sich die beiden Diplom-Restauratoren ihrer weißen Schutzhandschuhe. Beide Kunstwerke werden in den kommenden Wochen saniert.

Nur noch älteren Besuchern des Lenzener Gotteshauses dürften die beiden, vor über 350 Jahren in der Barockzeit gefertigten, 215 mal 120 Zentimeter großen Leinwandgemälde in Erinnerung sein, auf denen die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon abgebildet sind. Neben Luther war Melanchthon einst eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation.

„Beide Bilder sind von 1664. Das Gemälde von Luther wurde von einem gewissen Johan Schumacher gestiftet, das von Melanchthon von einem Peter Betke“, erzählt Norbert Nußbaum. Dem Gemeindekirchenratsmitglied zufolge hat die Familie Betke in den Kirchenbüchern die ältesten Eintragungen. Noch heute leben Nachfahren des damaligen Stifters in Lenzen. „Der oder die Maler sind aber unbekannt. Vielleicht bringt die Restauration neue Erkenntnisse“, hofft Nußbaum, der die Gemälde noch aus früheren Zeiten kennt. „Als kleines Kind habe ich die Bilder ja noch in der Turmhalle hängen sehen. Schon damals waren sie in einem jämmerlichen Zustand“, erzählt der heute 65-jährige. Irgendwann seien sie dann abgenommen und im Kirchturm eingelagert worden.

Über die Jahrhunderte waren die beiden Kunstwerke zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, die ziemlich an die Substanz gingen. Löcher im Gewebe, Risse in der Malschicht und großflächige Dunkelstellen lassen die Dargestellten kaum noch erkennen. Um die Kunstwerke für die Nachwelt zu erhalten, sollen sie nun restauriert werden. „Oberste Prämisse ist, alles zu erhalten“, sagt Diplom-Restaurator Björn Scheewe mit Blick auf die Bildnisse der Reformatoren und der dazugehörigen Holzrahmen. Die nächsten Monate werden die Porträts der beiden Kirchenmänner in der Werkstatt der Experten zu Hause sein. Eine Infrarot-Untersuchung soll Unterzeichnungen oder Übermalungen sichtbar machen. „Die Bilder werden gereinigt, Fäden der Leinwand miteinander verknüpft und die Malschicht retouchiert. Es könnte sein, dass zum Schutz von hinten noch eine Stützleinwand eingezogen wird“, so Scheewe. Er und seine Frau leben seit zwei Jahren in Lenzen und haben vor einiger Zeit schon das aus dem 15. Jahrhundert stammende Alabasterrelief in der Mödlicher Kirche umfangreich restauriert und konserviert.

„Möglich gemacht wurde die Restauration durch viele große und kleine Spenden“, freut sich Peter Krause, der die Gemeindearbeit des evangelischen Pfarrsprengels Lenzen-Lanz-Seedorf koordiniert. Unter anderem gab es Zuschüsse von der Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse, dem Kirchenkreis, von zwei Firmen aus der Region sowie einiger Privatpersonen. Je 3500 Euro pro Bild sind für die Aufarbeitung veranschlagt. „Das ist die grobe Kostenschätzung. Ob wir damit hinkommen, werden die Untersuchungen der Bilder ergeben“, so Krause. Voraussichtlich Ende September sollen die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen sein.

 


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