Schneller vom Elbetal nach Hamburg

svz.de von
12. Juni 2012, 07:14 Uhr

Prignitz | Vier zusätzliche ICE oder bis zu acht weitere Regionalzüge könnten schon bald die Verbindung zwischen den Elbetal-Regionen und der Metropolregion Hamburg verbessern. Für das Projekt "Elbetal-Express" untersuchte die von mehreren Landkreisen, darunter die Prignitz, in Auftrag gegebene Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH (IPG) Möglichkeiten zur Umsetzung eines neuen Zugangebots und präsentierte diese gestern vor Vertretern aller vier Landkreise in der Perleberger Kreisverwaltung.

"Es haben sich letztendlich zwei Entwicklungsvarianten herauskristallisiert", gab Rüdiger Hage, Geschäftsführer der IPG, bekannt. Die erste und zugleich favorisierte Variante sei die Verbesserung des Fernverkehrs Richtung Hamburg aus allen umliegenden Bundesländern. Vier zusätzliche ICE-Angebote sollen bereits bestehende Verbindungen ergänzen (siehe Grafik - die orangefarbenen Linien zeigen den neuen ICE-Streckenverlauf). Die Strecke zwischen Hamburg und Magdeburg soll dabei die Schwerpunktachse bilden. "Wittenberge und Ludwigslust stellen hier die zentralen Punkte dar, weil diese Städte Endpunkte für Zubringerzüge aus Schwerin, Wismar, Neustadt (Dosse) und Neuruppin sind", so Hage.

Fahrtzeit nach Hamburg wäre um eine Stunde kürzer

Für die zweite Variante könnten bis zu acht zusätzliche Regionalzüge Richtung Elbmetropole zum Einsatz kommen, die möglichst im Stundentakt fahren. Diese sollen den Anschluss an den hoch frequentierten Hanse-Express in Hagenow-Land ermöglichen und eine Verkürzung der Fahrtzeit von bisher zweieinhalb Stunden auf rund 90 Minuten erreichen.

"Unser Ziel ist es, das bestehende Schienenpersonenverkehrsangebot deutlich zu verbessern und Lücken auf den Strecken zu schließen", fasste es Rüdiger Hage zusammen. Es werde darauf geachtet, keine bestehenden Verbindungen zu verdrängen: "Die jetzigen Linien, etwa die nach Wismar und Schwerin, werden nicht beeinflusst und bleiben erhalten", machte Hage deutlich. Es gehe um eine bessere Erreichbarkeit Hamburgs, wovon vor allem die rund 7100 Pendler profitieren sollen, die täglich zwischen den Regionen und Hamburg unterwegs sind.

Aber auch für Touristen soll insbesondere an den Wochenenden ein attraktives Angebot geschaffen werden. Die Wirtschaftsförderung und die Erhöhung der Attraktivität der Elbetal-Region als Wohnstandort seien ebenso Ziele, die man mit dem "Elbetal-Express" erreichen möchte.

Die Kooperationspartner aus den vier Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Ludwigslust-Parchim und Stendal bitten nun die Verkehrsministerien und Verkehrsverbände in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt um Unterstützung für eine möglichst zeitnahe Umsetzung dieses Projekts. Auf der Fernverkehrskonferenz der Deutschen Bahn am 20. Juni haben die Länder die Möglichkeit, die Ergebnisse einzubringen und diese als Willensbildung der Regionen darzustellen. Wie Landrat Hans Lange informierte, gab es schon im Vorfeld der Kooperationsvereinbarung Gespräche mit der Deutschen Bahn, die Interesse an der Studie zeigte und keine Einwände gegen die Durchführung der Machbarkeitsstudie erhob.

Landkreise teilen sich Kosten fürs Vorhaben

Finanziert werden müsste das Projekt zu einem großen Teil von den beteiligten Landkreisen. "Allerdings ließen sich die Kosten ja auf mehrere Schultern verteilen", räumte Joachim Müller vom Landkreis Ludwigslust-Parchim ein. Angesichts der geplanten Einsparungen, die Brandenburg im Zugverkehr in diesem Jahr vornehmen will, scheint ein solches kostspieliges Vorhaben zum jetzigen Zeitpunkt kaum durchsetzungsfähig zu sein. "Einen günstigeren Zeitpunkt gibt es aber nicht", warf Annemarie Theil, erste Beigeordnete im Landkreis Stendal, ein. Der nächste Landesnahverkehrsplan werde derzeit erstellt. Wird das Projekt nicht jetzt aufs Tableau gebracht, könne es nicht mehr rechtzeitig berücksichtigt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen