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Der Prignitzer

18. November 2017 | 07:44 Uhr

Schnelle Hilfe nach dem Schock

vom

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2012 | 08:50 Uhr

Wittenberge | "Es kann sich kein Mensch vorstellen, was es bedeutet, wenn innerhalb von ein paar Minuten dein ganzes Leben in Flammen aufgeht." Noch immer kann Riccardo Litzmann kaum fassen, was ihm und seiner Familie vor zwei Tagen passiert ist. "Zwei Müllsäcke mit persönlichen Sachen, das ist alles, was uns geblieben ist", erzählt er mit Tränen in den Augen. "Aber Gott sei Dank geht es uns und den Kindern gut."

Der vierjährige Sohn war es, der das Feuer im Haus der Familie am Sonntag Vormittag entdeckte. "Wir waren gerade dabei, Frühstück zu machen, als er schreiend die Treppe herunter kam und rief, es brennt, es brennt", sagt Yvonne Litzmann. "Ich bin mit ihm nach oben, da habe ich schon den Feuerschein gesehen. Mein Mann hat versucht, mit einem Eimer Wasser zu löschen, hatte aber keine Chance." Das Feuer könne nur von der Heizungsanlage ausgegangen sein, die sich direkt über dem Kinderzimmer im Dachgeschoss befand und habe sich dann durch die Decke nach unten gefressen, mutmaßt Riccardo Litzmann. "Die Heizung war erst im Januar kontrolliert worden, allerdings wurde kürzlich die Elektrik getauscht, in den letzten Tagen hatten wir mehrfach Probleme damit."

In der Not sind die Nachbarn schnell zur Stelle. "Ein riesiger Dank gilt Familie Lübbert, die uns geholfen hat, wenigstens noch ein paar Sachen zu retten", sagt Riccardo Litzmann. Ironie des Schicksals: Fast auf den Tag genau neun Jahre zuvor hatte es in deren Haus gegenüber gebrannt, damals half Riccardo Litzmann. "Die Hilfsbereitschaft aller hat uns wirklich überwältigt", sagt Yvonne Litzmann. "Unzählige Kleiderspenden haben wir erhalten, auch Spielsachen für die Kinder, so dass wir erstmal weiterleben können." Wichtig sei, dass es nun schnell mit einer Ersatzwohnung klappt. "Aktuell wohnen wir bei meiner Mutter in Bentwisch, aber das ist keine Dauerlösung." Ursprünglich hätte die Familie schon Ende März ausziehen sollen, allerdings sei die neue Wohnung noch nicht bezugsfertig gewesen. Auf Versicherungsleistungen können Litzmanns indes kaum hoffen. "Das ist eben das erste was gekündigt wird, wenn es einem finanziell nicht mehr so gut geht und man jeden Euro umdrehen muss", sagt Riccardo Litzmann. "Trotzdem wollen wir jetzt nach vorn blicken, haben uns auch mit dem SOS-Beratungszentrum in Verbindung gesetzt, damit die Sozialarbeiter oder Psychologen unseren beiden jüngeren Söhnen helfen, das Ganze zu verarbeiten."

Das Ordnungsamt und die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt sind bereits um ein Quartier bemüht. "Wir klären momentan ab, wie wir eine entsprechend große Wohnung für die Familie möblieren können, damit sie wieder selbstbestimmt leben kann", sagte WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn. Auch im Fall der WGW-Wohnung, in der es ebenfalls am Sonntag brannte, war schnelle Hilfe möglich. "Der Mieter erhält von uns vorübergehend eine möblierte Gästewohnung, bis die Schäden behoben sind. Die ganze Wohnung muss renoviert werden, ein neues Fenster ist notwendig und auch die rußgeschwärzte Fassade bekommt einen neuen Anstrich", sagt Diehn.

Bezüglich der beiden anderen Brände in der Elbestadt, die der Feuerwehr am Samstagabend gemeldet wurden, prüft die Polizei derzeit einen Zusammenhang zu einer Feuerserie vor zwei Jahren. Damals hatten Jugendliche mehrfach auf Bahngelände Feuer gelegt. Einer der damaligen Verdächtigen stehe auch dieses Mal im Fokus der Ermittlungen, allerdings habe er sich noch nicht zu den Fällen geäußert.

Zur Zukunft der Brandruine in der Bahnstraße wollte sich die Stadtverwaltung noch nicht äußern. In jedem Fall bestehe Einsturzgefahr, bestätigte die Polizeidirektion Nord. Aus diesem Grund müsse die Brandursachenermittlung mit größter Vorsicht erfolgen.

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