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Familiendrama Wittenberge : Schnelle Hilfe nach dem Brand

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Familie Günzel/Di Stefano hat nach dem Feuer in ihrer Wohnung in der Bahnstraße nichts mehr. Unterstützung kam aber sofort

von
erstellt am 07.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Tino Günzel und seine Lebensgefährtin Lorena Di Stefano sind froh, dass sie und die vier Kinder lebend aus der Flammenhölle gekommen sind, in die sich ihre Wohnung in der Bahnstraße 31 am Sonntag verwandelte. „Wir haben alles verloren. Es ist alles weg“, sagt Tino Günzel gestern. Selbst seine Medikamente gegen die Zuckerkrankheit wurden ein Opfer des Feuers. „Aber ich habe schon neue Rezepte bekommen. Das ist kein Problem.“

Wie die vier Kinder im Alter von fünf, sechs sowie zehn und elf Jahren das Geschehene verarbeiten, ist bisher noch unklar. Der sechsjährige Leon wird in diesem Jahr in der Albert-Schweitzer-Schule eingeschult, eine Einrichtung mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“. Seine zehnjährige Schwester Alyssa lernt dort bereits. „Die beiden Jungs, der andere ist fünf und geht in die Kita, haben wir erstmal zu meiner Oma in den Spreewald gebracht. Sie sollten Abstand zu dem, was passiert ist, bekommen“, so Tino Günzel. Heute kehren sie aber zu ihrer Familie zurück. Der junge Vater ist noch krank geschrieben, normalerweise ist er als Zusteller für den „Prignitzer“ unterwegs. So schlimm die Situation für die sechsköpfige Familie auch ist, dank der großen Hilfsbereitschaft vieler Menschen kann der 34-Jährige positiv in die Zukunft blicken. Vorübergehend leben die Sechs in einer möblierten Gastwohnung der Wohnungsgenossenschaft Elbstrom in der Straße der Einheit. Noch am Sonntagnachmittag konnte die Familie dort einziehen. Hinzu kommt die große Hilfswelle von den Menschen. „In der Albert-Schweitzer-Schule wurde für uns gesammelt. Dort haben die Eltern Kleidung und Spielzeug abgegeben. Auch beim Fahrdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Wittenberge sind Sachen angekommen. Wir bedanken uns herzlich für diese Anteilnahme“, erzählt Tino Günzel.

Als die Wohnung am Sonntag ausbrannte, war er gerade unterwegs. „Meine Frau rief mich auf dem Handy an und ich bin gleich zurückgefahren“, schildert der junge Mann. Lorena Di Stefano berichtet, was in den schlimmsten Minuten ihres Lebens passierte. „Ich war mit drei Kindern im Wohnzimmer. Meine Tochter war im Bad und hat als erste den Rauch wahrgenommen, der aus einem der Kinderzimmer kam.“ Dann habe sie die Kinder geschnappt und sei nach draußen gelaufen. „Ich habe noch beim Nachbarn geklingelt, aber er hat nicht reagiert. Er kam kurz nach uns nach draußen. Ich habe dann die Feuerwehr gerufen. Zwei Passanten, die zufällig vorbei kamen, haben mich unterstützt und auch noch die Feuerwehr alarmiert.“ Wie der Brand entstanden ist, kann Lorena Di Stefano nicht sagen. Laut Polizeisprecherin Dörte Röhrs könne nach bisherigen Ermittlungen ein technischer Defekt ausgeschlossen werden.

In der Wohnung fühlte sich die Familie wohl. Sie lebte erst seit dem 1. März dort. „Wir waren noch nicht mal komplett eingerichtet“, so Lorena Di Stefano. Das Paar hat wenig Geld, ist auf amtliche Hilfe angewiesen. So zahlte das Jobcenter die Miete für die sieben Zimmer in der Bahnstraße. Gleiches gilt nun für die Übergangswohnung. „In der Bahnstraße hatten wir endlich Platz. Wir waren so froh, diese Bleibe bekommen zu haben. Die Miete lag im Rahmen dessen, was für sechs Personen vom Amt bezahlt wird“, erklärt Tino Günzel. Nun müssen sie sich eine neue große Wohnung suchen. Vier Zimmer müssten es schon sein, sagt Günzel. Wie sie sich einrichten werden, weiß er noch nicht. Klar ist, dass es ohne Möbelspenden nicht funktionieren wird. Schon in der Bahnstraße stand Mobiliar aus Haushaltsauflösungen. In der Albert-Schweitzer-Schule lief die Hilfe für die Großfamilie praktisch sofort an. „Mein halbes Büro steht voller Sachen“, sagt Schulleiterin Ellen Winterfeld gestern. Sie schrieb einen Elternbrief, in dem sie von der Notlage berichtete und um Hilfe bat. „Es ist toll zu sehen, wie groß die Anteilnahme ist. Auch Kollegen haben Sachen gespendet, zum Beispiel auch eine Waschmaschine.“ Mit der Tochter, die die Einrichtung besucht, werde man die Dinge aufarbeiten. „Es ist wichtig, dass sie Ablenkung hat und ihre Freunde um sich hat“, so Ellen Winterfeld.

 

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