Tierischer Fang : Schnappschildkröte in der Stepenitz

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Anglern ging im Bereich Neue Mühle ein Exot in den Kescher

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07. Juli 2015, 12:00 Uhr

Vermutlich trauten sie ihren Augen nicht – die Angler, die kürzlich an der Stepenitz im Bereich Neue Mühle, eine Schildkröte aus dem Wasser kescherten. Zunächst hatten sie angenommen, dass ihnen vielleicht eine kleinere, heimische Art an die Angel gegangen sei.

Das habe sich schnell als Irrtum herausgestellt, wie der Perleberger Ordnungsamtsleiter Thomas Kolbow dem „Prignitzer“ berichtete. Er war in das Geschehen involviert, nachdem die Angler das Fundtier an Land gebracht hatten und feststellten, dass es sich um ein ziemlich großes, noch dazu aggressives Exemplar einer Amerikanischen Schnappschildkröte handelte. Sie stellten das Tier in einem Mörtelkasten sicher, wandten sich an die Polizei. Diese wiederum bat Tierparkleiter Michael Niesler um Unterstützung.

Etwa 40 Zentimeter groß sei das Reptil gewesen, augenscheinlich gesund und munter. Das Veterinäramt des Landkreises sei über die Sache in Kenntnis gesetzt worden, so Niesler. Helfen konnten jedoch weder er noch die Behörde. Durch den Kontakt zu einem Reptilienspezialisten in der Region wurde die Schildkröte dann zunächst einmal sicher und tiergerecht untergebracht, berichtete Michael Niesler. „Solche Reptilien können wir bei uns im Tierpark nicht halten, das dürfen nur ausgewählte zoologische Einrichtungen“, erläutert Niesler. Eine solche Einrichtung werde nun vom Reptilien-Experten ausfindig gemacht.

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden viele dieser urtümlich anmutenden Schildkröten als Babys nach Deutschland für die private Terrarienhaltung exportiert. Die bis heute überlebenden Tiere sind mittlerweile so groß geworden, dass die Halter die Vierbeiner illegal „entsorgen“ und aussetzen. Das kann zu einer Gefährdung nicht nur der heimischen Fauna, sondern auch des Menschen führen. Denn die Bisse dieser Schildkrötenart sowie Geier- oder auch Alligatorschildkröte können ernsthafte Verletzungen verursachen.

Wird ein Übeltäter, der widerrechtlich ein solches Tier hält bzw. aussetzt, ermittelt, drohe ihm ein Bußgeld nach Tierschutzrecht, stellt Tierärztin Birgit Klückmann vom Veterinäramt des Landkreises klar. Solche Ermittlungen laufen jedoch zumeist ins Leere, so ihre Erfahrungen. Grundsätzlich sei in einem solchen Fall das kommunale Ordnungsamt der erste Ansprechpartner, da es sich ja um ein Fundtier handelt. Die Angler hätten sich also richtig verhalten. Bei ausgesetzten oder entflohenen Exoten könne man aber natürlich auch das Veterinäramt kontaktieren, das den Bürgern mit seinem Bereitschaftsdienst rund um die Uhr zur Verfügung steht.

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