Schlusslicht beim schnellen Internet

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13. Juli 2012, 10:02 Uhr

Potsdam | Brandenburg ist bei der Versorgung mit schnellen Internetzugängen bundesweit das Schlusslicht. Das belegt der "Breitbandatlas" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie: Während die Mobilfunkkonzerne in den großen Städten LTE-Netze errichten, die bis zu 100 Megabit pro Sekunde übertragen sollen, sind in Brandenburg nur 93,5 Prozent der Bevölkerung in der Lage, ihren Computer oder Laptop an einen herkömmlichen Breitbandanschluss mit einer Datenrate von einem einzigen Megabit pro Sekunde anzuschließen. "Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 98,5 Prozent", sagt Axel Vogel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag. "Brandenburg hat den Ausbau des schnellen Internets jahrelang verschlafen."

Ähnlich sieht das auch der Landesvorsitzende der FDP, Gregor Beyer. Während in Berlin der Senat dafür sorge, dass an mehr als 20 Standorten ein kostenloses W-Lan angeboten wurde, mangele es an der Verfügbarkeit von schnellem Internet in Brandenburg "fast flächendeckend", so Beyer. "In keinem anderen Bundesland gibt es so viele weiße Flecken." Das habe auch Folgen für die Wirtschaft: Wer auf schnelles Internet angewiesen sei, könne in Brandenburg kein Unternehmen gründen. Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Steffen Streu, verweist dagegen auf das von Minister Ralf Christoffers (Die Linke) im Mai vorgestellte Konzept "Brandenburg-Glasfaser 2020": Das Land wolle die Verlegung leerer Rohre entlang bestehender Versorgungstrassen, etwa von Strom- oder Gasleitungen, fördern. Interessierte Netzanbieter könnten dann durch diese Rohre Glasfaserkabel verlegen, um so auch in der Fläche leistungsfähige Internetanschlüsse einrichten zu können. "89 Prozent aller Orte in Brandenburg liegen in der Nähe solcher Infrastruktur, so dass sie relativ schnell mit dem Glasfasernetz verbunden werden können", so Streu. "Bedingung ist allerdings, dass es einen Internetanbieter gibt, der die bestehende Infrastruktur nutzen will - das Land selbst kann kein Internet anbieten oder Kabel legen." Ein Grundrecht auf einen Breitbandanschluss fordert dagegen die Brandenburger Piratenpartei. "Wir wollen, das jeder Brandenburger eine Datenrate von zwei Megabit pro Sekunde zur Verfügung hat", sagt der Landesvorsitzende Michael Hensel. "Das muss dann sukzessive angepasst werden - das Volumen der Daten, dass durch die neuen Technologien bewegt wird, steigt ja auch." Dass selbst in den kleinsten Orten schnelle Internetverbindungen möglich sind, schildert Hensel am Beispiel seiner Eltern, die am alten Bahnhof Schönermark nordöstlich von Angermünde leben. "Das ist eine Ansiedlung mit fünf Leuten", sagt Hensel.

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