Schlupfwespe vertilgt die Raupen

<strong>Die Schlupfwespe</strong> ist ein Parasit, der den Eichenprozessionsspinner als Wirt benutzt und ihn vertilgt.<foto>Wikipedia</foto>
Die Schlupfwespe ist ein Parasit, der den Eichenprozessionsspinner als Wirt benutzt und ihn vertilgt.Wikipedia

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21. Juni 2012, 07:26 Uhr

Prignitz/Potsdam | "Dass mit den Härchen des Eichenprozessionsspinners nicht zu spaßen ist, sehen wir auch und haben natürlich Verständnis für Gegenmaßnahmen, denn hier geht es um die Gesundheit der Menschen." Das betont Tom Kirschey, der brandenburgische Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu). Ebenso deutlich sagt er aber, dass die Bekämpfung immer dem jeweiligen Zweck angemessen erfolge müsse.

Bestehe, wie in der Prignitz gerade im Raum Lanz, akuter Befall, müsse den Schädlingen insbesondere in Siedlungen mit geschultem Personal und Fachtechnik der Garaus gemacht, wenn notwendig Einzelbäume mehrmals chemisch mit den gesetzlich zugelassenen Mitteln behandelt werden, zählt Kirschey auf. Das sei, so räumt er ein, sehr aufwändig.

Großräumiges Spritzen von Giften aus der Luft gegen die Schädlinge "entspricht nach unserem Verständnis aber nicht dem Charakter des integrierten Pflanzenschutzes, denn dabei wird alles, was lebt und wirbellos ist, bekämpft. Das kann sogar soweit gehen, dass in diesen Bereichen sämtliche Singvögel wegsterben. Sie aber sind ja gerade selber große Insektenvertilger", beschreibt der Nabu-Vorsitzende Auswirkungen solcher Art von Schädlingsbekämpfung.

Dass, wie in der Prignitz, das öffentliche Interesse an dem Eichenprozessionsspinner enorm gewachsen ist, begrüßt Kirschey ausdrücklich. Denn das habe zur Folge, dass die Menschen für das Thema sensibilisiert seien, befallene Bäume meldeten, so dass die zuständigen Behörden informiert seien über die Auswirkungen des Schädlingsbefalls.

Vor Hysterie aber warnt Kirschey. "Es gibt Bereiche, wo man den Eichenprozessionsspinner nicht dulden darf, und andere, wo der Schädling nicht stört". Eindeutig widerspricht der Naturschützer der Meinung, dass ein gehäufter Befall zum Absterben von Bäumen führen könne. Denn die Arten unterlägen im Ökosystem "nie nur einem Faktor". So spielten Witterungsunbilden eine große Rolle, vor allem aber der Klimawandel.

Kirschey verweist in diesem Zusammenhang auf eine Broschüre des Nabu-Landesverbandes von Baden-Württemberg aus den 80er Jahren, die sich schon damals damit beschäftigt habe, was allein ein Grad Temperaturanstieg für die Ausbreitung von Schädlingen, auch des Eichenprozessionsspinners, ausmache. "In Berlin und Brandenburg haben wir mittlerweile aber schon 1,5 Grad Temperaturerhöhung zu verzeichnen", verdeutlicht er das Problem.

Dennoch dürfe bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners nicht "der Teufel mit dem Beelzebub" ausgerottet werden. Kirschey verweist in diesem Zusammenhang auf die ökologischen Mechanismen, die mit falscher Bekämpfung unterbrochen würden, nämlich die so genannten Gegenspieler der Schädlinge. Beim Eichenprozessionsspinner sei das ein Parasit namens Schlupfwespe.

"Die Weibchen pieksen die Raupen des Schädlings an und legen ihre Eier in diesen Wirt. Wenn der Parasit dann geschlüpft ist, frisst er den Wirt, sprich die Raupe des Eichenprozessionsspinners auf, spätestens dann, wenn diese sich verpuppt", beschreibt der Naturschützer. Wenn aber die chemische Keule aus der Luft geschwungen, der Eichenprozessionsspinner bekämpft werde, könne sich die Schlupfwespe nicht in ausreichender Zahl entwickeln, um den Schädling im darauf folgenden Jahr zu vernichten.

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