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Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 01:56 Uhr

Schlecker-Mitarbeiter: Zukunftsangst

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2012 | 06:52 Uhr

Prignitz | Die Drogeriekette Schlecker befindet sich in Insolvenz. Betroffen davon ist in der Prignitz derzeit vor allem das Logistikzentrum im Gewerbegebiet Falkenhagen, das bislang alle Filialen im norddeutschen Raum bis nach Berlin mit Waren versorgte. "Wir schaffen zur Zeit nur etwa 40 Prozent", sagt eine Mitarbeiterin. Sie ist eine von etwa 140 Beschäftigten in Falkenhagen.

40 Prozent bedeutet, dass nur etwa 40 Prozent der bestellten Waren auch ausgeliefert werden können. "Wir haben seit Wochen gemerkt, dass immer weniger Ware hier ins Logistikzentrum kam und wir immer weniger zu verteilen haben", sagt die Mitarbeiterin, die namentlich ungenannt bleiben möchte.

Von der Leitung des Logistikzentrums gibt es keine Stellungnahme. Nach Aussagen von Edelgard Schimko von der Kreisverwaltung habe sie einen Mitarbeiter hingeschickt, um Genaueres zu erfahren. Doch die dortige Leitung wisse selbst nichts Genaues. "Wir haben jede Hilfe, die wir leisten können, angeboten", so Schimko.

Niemand habe bisher ein offizielles Wort von der Geschäftsführung zur Situation im Unternehmen erfahren. Die Unsicherheit, wie es weiter gehen wird, ist groß. Im Unternehmen selbst spreche man von einer geordneten Insolvenz und dem Bestreben, Schlecker fortzuführen. Das ist die Hoffnung, die viele Mitarbeiter trägt. Denn erst vor wenigen Wochen wurde im mecklenburgischen Upahl das Logistikzentrum geschlossen. "Das ging ganz schnell. Es war in der Diskussion, Upahl oder Falkenhagen zu schließen. Eines Morgens kam in Upahl ein Mitarbeiter der Geschäftsführung und verkündete, dass am kommenden Tag zugesperrt wird", erzählt die Mitarbeiterin.

Pech für Upahl, Glück für Falkenhagen. Trotzdem weiß niemand, wie es hier weitergehen wird. Sollte das Insolvenzgericht dem Antrag der Unternehmensführung statt geben, bekämen die Mitarbeiter zunächst Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit in Höhe ihrer letzten Nettoeinkommen. Dann ist es am Insolvenzverwalter, nach Lösungen zu suchen.

Unterdessen leeren sich nicht nur die Regale in den Schlecker-Märkten, auch im Logistikzentrum schwinden die Lagerbestände. Für die Beschäftigten ist die Situation unerträglich, weil nichts klar ist. Keine Information von niemandem.

Doch nicht nur für die Beschäftigten in den Filialen und dem Logistikzentrum ist die Situation ungewiss. Viele Spediteure, die für Schlecker unterwegs sind, sind von den Aufträgen abhängig. Fahrer haben zum Teil die Lkw selbst finanziert, arbeiten als Subunternehmer für Schlecker. Ihnen brechen im Moment immer mehr Fahrten weg und es ist schwer für sie, neue Aufträge in kurzer Zeit zu akquirieren. "Wir hoffen auf einen fähigen Insolvenzverwalter und darauf, dass wir irgendwann über Ergebnisse informiert werden. Denn auch die Information darüber, dass Schlecker Pleite ist, haben wir aus dem Radio auf dem Heimweg von der Arbeit erfahren. Im Unternehmen selbst spricht niemand mit uns", erklärt ein Betroffener, der ebenfalls anonym bleiben möchte.

Erste Auswirkungen der Schlecker-Insolvenz haben auch Kunden wie der Perleberger Herbert Wustrack gemacht. (Der "Prignitzer" berichtete am 25. Januar darüber.) Seine Geschenk-Karten, die erst wenige Tage zuvor in der Perleberger Filiale erworben worden waren, wurden plötzlich im gleichen Geschäft nicht mehr entgegen genommen. Unsere Redaktion hatte sich darauf hin unter anderem an die brandenburgische Verbraucherschutzzentrale in Potsdam gewandt. Dort half man dem Perleberger, gestern konnte er seine Gutscheine einlösen, berichtete er unserer Redaktion. Und er betonte, "es ging mir nicht um die 20 Euro, sondern darum, dass Recht auch Recht bleiben muss", bekräftigt er. Dass er im Recht ist, bestätigte dem "Prignitzer" gegenüber jetzt der Pressesprecher von Schlecker, Patrick Hacker, (wir berichteten gestern). Demnach habe es sich im Fall des Perleberger Lesers sowie auch eines Ehepaars aus Löcknitz um ein technisches Problem gehandelt. Die Gutscheine blieben aber weiter gültig.

Herbert Wustrack spendete gestern spontan 20 Euro für den Perleberger Tierpark, um ein gutes Werk zu tun, nach dem ihm selbst geholfen wurde.

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