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Der Prignitzer

22. November 2017 | 08:36 Uhr

Schilder und Wegweiser zerstört

vom

svz.de von
erstellt am 09.Mär.2012 | 05:18 Uhr

Dallmin | Natur pur lässt sich am Quellpfad genießen, der unmittelbar an den Schlosspark Dallmin grenzt. Seit dem vergangenen Wochenende ist diese Idylle gestört. Fünf Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren aus dem Heim Dallmin, das zur psychotherapeutischen Einrichtung Brügger Hof gehört, richteten hier erhebliche Schäden an (wir berichteten kurz).

"Ein Wegweiser und mehrere Meter Holzgeländer wurden rausgerissen. Erst vor einem halben Jahr angebrachte Baum-Beschilderungen sind zerstört, Lehrtafeln wurden beschmiert und eine Tafel mit Aufsteller demoliert", zählt Förster Jürgen Teubner auf. Ganz zu schweigen von den Scherben am Quellring und Schäden an mehreren Bäumen. Teubner beziffert die Schäden auf rund 1200 Euro. Allein die demolierte Lehrtafel zu erneuern, koste 250 Euro.

Der Förster ist mehr als sauer, hatte er sich doch mit viel Engagement um das Anlegen dieses und eines weiteren Naturlehrpfads am Schlosspark gekümmert und im CJD Prignitz einen Partner gefunden, der die Idee fachmännisch umsetzte. Doch läuft diese Maßnahme jetzt aus.

Einwohner, Kitagruppen, Schulklassen und andere Besucher hatten sich an dem Naturlehrpfad erfreut, der durch eine Feuchtidylle führt. Auch die Heimkinder selbst nutzen mit ihren Erziehern den Quell-, ebenso den Naturlehrpfad und die Köhlerhütte in Tiefental. "Das begrüße ich sehr", so Teubner, "doch dürfen solche Randale, wie sie am Sonnabend passierten, nicht Schule machen." Um bei der Erziehung zur Naturverbundenheit zu helfen, biete er dem Heim Hilfe bei Baumpflanzungen an. "Der Park hat einige Lücken, die sinnvoll geschlossen werden könnten", meint der Förster.

"Wir entschuldigen uns für den Vorfall, es tut uns sehr leid. Wir möchten nicht, dass unser Image im Ort darunter leidet", erklärt Simone Leu, Hausleiterin der Dallminer Einrichtung, gegenüber dem "Prignitzer". "Wir haben den Vorfall ausgewertet. Die Jugendlichen werden sich polizeilich zu verantworten haben und den Schaden durch Arbeitsstunden wieder gut machen." Die ersten Stunden seien geleistet - zu schrubben war das beschmierte Bushäuschen am Marktplatz.

An den Wochenenden sind die Türen des Heims bis 10 Uhr geschlossen. Den fünf Jungen war es am Sonnabend anscheinend zu langweilig. Sie stiegen durchs Fenster, stromerten den Quellpfad entlang und stachelten sich hier gegenseitig zu Taten an. "Gründe für ihre Zerstörungswut konnten sie mir nicht nennen. In der Gruppe wollte einer dem anderen seine Stärke beweisen. ,Uns war mal so’, hieß es", erzählt die Hausleiterin. Nach dem Streifzug durch die Natur setzten sich die Jungen aus Dallmin ab und wurden von der alarmierten Polizei in einem Nachbarort aufgegriffen. Einer von ihnen war zuvor von sich aus nach Hause zurück gekehrt. Ein Jugendlicher, mit dem es im Vorfeld bereits mehrfach Probleme gab, kam inzwischen in ein anderes Heim.

"Wir werden die vom Förster vorgeschlagene Baumpflanzung mit 500 Euro unterstützen und gucken, inwieweit noch einmal Pflanzungen möglich sind", erklärt Simone Leu. Sie absolvierte in Dallmin bereits als Studentin ihr Praktikum, ist hier seit 1985 tätig und leitet das Heim seit 2008. Betreut werden zwei Gruppen von je zwölf Kindern und Jugendlichen sowie vier Jugendliche einer Innenwohnung. Hinzu kommt eine ambulante Gruppe in einem separaten Gebäude.

Diese 28 Kinder und Jugendlichen, die nicht nur aus der Prignitz, sondern auch aus dem Wendland und dem Raum Parchim und Ludwigslust kommen, werden täglich mit einem Fahrdienst abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Bei allen Kindern und Jugendlichen bestehen meist erhebliche schulische Defizite und Verhaltensauffälligkeiten. Die psychologisch-therapeutische und pädagogische Arbeit leisten Erzieher und Lehrer des Brügger Hofs.

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