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Bauernbund Brandenburg : „,Schießen‘ war politisch gemeint“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung sieht Anzeige der Tierschutzorganisation Peta gelassen entgegen

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erstellt am 31.Jul.2015 | 22:00 Uhr

Die Tierschutzorganisation Peta hat den Lennewitzer Landwirt Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, angezeigt. Jung hatte in einem Interview mit der Tageszeitung taz auf die Frage, wie man mit Wölfen umgehen sollte, geantwortet: „Schießen! Sofort Schießen!“ (wir berichteten).

„Wir sehen in der Äußerung von Herrn Jung eine Aufforderung, die Tiere zu töten“, sagt Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta. „Da der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützte Art gilt, die nicht getötet werden darf, Herr Jung aber öffentlich dazu aufruft, genau das zu tun, haben wir Anzeige wegen öffentlicher Aufforderung zu einer Straftat erstattet.“

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin bestätigt den Eingang der Anzeige. „Wir haben in der Causa ein Anzeigenprüfungsverfahren eingeleitet“, sagte Wilfried Lehmann, leitender Oberstaatsanwalt in Neuruppin, auf „Prignitzer“-Nachfrage. In diesem Zusammenhang werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. „Bestätigt sich der Anfangsverdacht, wird ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, im Zuge dessen dann auch derjenige befragt, der die Straftat begangen haben soll.“

Reinhard Jung sieht der Anzeige gelassen entgegen. „Ich habe bislang von der Staatsanwaltschaft noch nichts gehört und warte erstmal ab. Und ich glaube um ehrlich zu sein auch nicht, dass sie Erfolg hat, denn ich habe die Aufforderung mit dem Schießen nicht wörtlich, sondern politisch gemeint.“ Als Geschäftsführer des Bauernbundes habe er gegen den Wolf argumentiert, was im Kontext des Interviews auch deutlich geworden sei, zumal sich die taz kaum an ein jagdbegeistertes Publikum richte, das sofort mit der Flinte losziehe, um Wölfe zu erlegen. „Aus diesem Grund mache ich mir keine Sorgen, dass die Rechtsbehörden das auch so auslegen und nicht als Aufforderung zu einer Straftat.“

In der Sache bleibt Jung allerdings bei seiner Position. „Wenn Peta dem Wolf eine vegane Lebensweise antrainiert, kann der gerne auch in der Nähe unserer Weiden heimisch werden. Da ich aber nicht glaube, dass das gelingt, muss das Wolfsmanagement genaue Regeln aufstellen, wo der Wolf sein darf und wo nicht.“ Klar sei, dass sich der Wolf in Reservaten ausbreiten könne. „Fakt ist aber, er gehört nicht in die Nähe oder gar auf Flächen, auf denen Nutztiere weiden.“ Natürlich könnten Landwirte versuchen, sich mit Zäunen und Versicherungen gegen Wolfsschäden zu wappnen. „Das kann nur irgendwann keiner mehr bezahlen.“

Staatsanwalt Wilfried Lehmann bestätigt, dass im Anzeigenprüfungsverfahren die Aussagen, wegen derer jemand angezeigt wurde, im Kontext, in dem sie gemacht wurden, betrachtet würden. „Es ist immer ein Gratwanderung, ob man da ein Ermittlungsverfahren einleitet oder nicht.“

Die Tierschutzorganisation Peta verspricht sich über den Aspekt der möglichen Rechtsprechung hinaus auch Öffentlichkeit. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, das solche Äußerungen einfach nicht gehen“, so Vanessa Reithinger.  

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