Schieflage in der Waldbewirtschaftung

Revierförster Stefan Koepp legt mit seiner schriftlichen Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei-Fraktion den Finger in die Wunde. Foto: Birgit Hamann
Revierförster Stefan Koepp legt mit seiner schriftlichen Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei-Fraktion den Finger in die Wunde. Foto: Birgit Hamann

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24. Mai 2013, 07:06 Uhr

Perleberg | Dass der Stadtforst auch in Zukunft die "Sparbüchse" Perlebergs bleibt, darum macht sich die Fraktion der Linkspartei im Stadtparlament Gedanken. Jürgen Herpich stellte eine entsprechende Anfrage an Stefan Koepp, verantwortlicher Förster des mehr als 3000 Hektar großen Reviers Dobberzin, das die Gemarkungen Perleberg, Düpow, Rosenhagen, Spiegelhagen und Kuhblank umfasst. Die Antwort des Revierförsters bestätigt, dass die Sorge der Abgeordneten nicht unbegründet ist.

In der öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstagabend stellte Stefan Koepp klar, dass man mit den dringend erforderlichen Aufforstungsarbeiten nicht mehr hinterherkomme, dass demnächst anstehende Fällarbeiten nicht vorgenommen werden können, weil die entsprechenden Wege zugewachsen seien bzw. für die eingezäunten Areale niemand da sei, der die vor- und nachbereitenden Arbeiten ausführen könne. "Wir werden auf Einnahmen verzichten müssen", blickt der Experte voraus.

Dass der Perleberger Stadtwald 2010 und 2011 rentabelster Kommunalforstbetrieb Brandenburgs war, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, "dass die Reinvestition in das Produktionsmittel Wald zur Sicherung der Holzlieferung in den kommenden Jahren derzeit unzureichend ist", so Stefan Koepp in seiner schriftlichen Antwort an die Abgeordneten.

Konsens herrschte im Hauptausschuss dahingehend, dass man personell auf jeden Fall etwa tun müsse. Was genau - dazu konnte vorgestern allerdings noch keine Aussage getroffen werden. Elisabeth Pietzsch (SDP) merkte in diesem Zusammenhang an, dass dem Großteil der Abgeordneten die prekäre Situation so auch bislang nicht bewusst gewesen sei.

Der Revierförster regte an, in der Stadt einen eigenen Forstwirt auszubilden, ähnlich wie es bereits das Amt Putlitz-Berge oder auch die Kommune Neustadt/Glewe tun. Die Kosten, so Koepp, beliefen sich auf insgesamt rund 37 000 Euro für drei Jahre mit dem Gegenwert von 2000 Leistungsstunden und der Gratisleistung des Forstwirtschaftsmeisters. Als Kompromisslösung könne man auch über den städtischen Betriebshof eine Stelle schaffen, auf der zwei Arbeitskräfte jeweils anteilig tätig werden, schlug Stefan Koepp im Hauptausschuss vor.

"Die qualifizierte Waldarbeit in Eigenregie existiert im Stadtwald seit zirka zehn Jahren nicht mehr", macht der Revierförster in seiner schriftlichen Antwort deutlich. Dabei gehe es weniger um die Holzernte, die schon seit längerem an forstliche Lohnunternehmen ausgelagert sei, sondern eher um die permanent anfallenden, alltäglichen Arbeiten. Sie laufen, so Koepp, auf dem Level "Notbetrieb", ausgeführt in geringem Umfang vom Betriebshof sowie von geförderten, ungelernten Arbeitskräften in befristeten Teilzeitverhältnissen. "Wir müssen etwas tun, werden die schriftliche Antwort durcharbeiten und einen Vorschlag unterbreiten", so Bürgermeister Fred Fischer in einer ersten Reaktion am Donnerstagabend.

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