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Tornados auch in der Prignitz : Schaurig schönes Unwetter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kurz aber heftig zog der Sturm am Dienstag über die Prignitz – Eine Katastrophe blieb zum Glück aus, doch Tornados gibt es auch hier

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 08:00 Uhr

„Das Problem ist, wenn ein Tornado entsteht, dann erreicht er innerhalb weniger Sekunden den Boden. Und wenn man dann keine Deckung hat, kann das lebensgefährlich sein“, sagt Johannes Herper. Die Prignitz hätte Glück gehabt. Denn eigentlich sollte sich den Berechnungen einiger Experten nach das Unwetter von Dienstag über der Prignitz entladen.

Es ist am frühen Abend. Der Himmel verdunkelt sich. Eine riesige schwarze Wolke zieht in Richtung Karstädt. Dort steht Johannes, 14 Jahre jung, auf der neuen Autobahnbrücke und wartet. Dann, kurz bevor die Hölle losbricht, wird alles ganz still. „Als ich das Hakenecho bei Bützow, ein Radarsignal auf meinem Display sah, ist mir ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen“, erzählt Johannes. „Das bedeutet, dass ein Tornado kommt.“

Johannes bleibt ruhig, zückt seine digitale Spiegelreflex-Kamera. Durch die Linse sieht er, wie der Böenkragen immer dichter kommt. Er filmt den Himmel, der Wind wird immer stärker. Die Aufnahmen will er später auf seiner Internetseite www.uwarn.de sowie auf seiner Facebookseite online stellen. Obwohl er noch so jung ist, beschäftigt er seit mehreren Jahren mit der Meteorologie und Astronomie. Unsere Redaktion hat schon mehrfach mit ihm bei außergewöhnlichen Wetterereignissen in der Prignitz zusammengearbeitet.„Der Adrenalinkick, wenn ich vor so einer Unwetterfront stehe, nimmt mir die Angst.“

Aber dann wird ihm doch unheimlich. Die Böen zerren an seiner Kleidung und seiner Kamera. Die Wolken fangen an über ihm zu rotieren. Johannes sucht Schutz in der Unterführung des Bahnhofs. Dann setzt schon Regen ein. Es hagelt. Alles hält er mit seiner Kamera fest. „Im Radius der Gewitterzone hätte es aufgrund der hohen Dynamik und Scherung jederzeit zu einem Tornado kommen können“, erklärt der Schüler. Doch die Katastrophe bleibt der Prignitz erspart. Zum Glück, meint Johannes: „Wir hier in der Prignitz haben nur einen Streifschuss abbekommen. Ansonsten wäre es uns ergangen wie Bützow. Es ist ein wunder, dass dort niemand ums Lebens gekommen ist.“

Ein Tornado bei uns in der Prignitz? – „Ja, das gibt es“, sagt Johannes. Er hat recherchiert. Von der European Severe Weather Database (ESWD), sprich der Europäischen Wetterdatenbank, wüsste er von sieben registrierten Tornados in der Prignitz. Drei Stück östlich von Perleberg. Einer nahe Bad Wilsnack, zwei bei Meyenburg und zwei bei Kyritz. „Dazu kommt ein nicht bestätigter Fall in Neu Premslin“, ergänzt Johannes. „Dieser soll das Dach einer Hühnerfarm beschädigt haben. Augenzeugenberichte oder Beweismaterialien gibt es nicht. Aber die Schäden weisen auf Tornados hin“, schreibt er auf seiner Website. Seiner Vermutung nach könnte es noch mehr Tornados gegeben haben. Vor allem in den Prignitzer Wäldern würden die Stürme unbemerkt bleiben, sagt Johannes.

Das Unwetter von Dienstag blieb alles andere als unbemerkt. Mehr als 40 Bilder des Naturschauspiels schickten uns Leser über Facebook. Gespenstisch dunkle Wolkenformationen, Hagelkörner, aber auch farbintensive Regenbögen. Irgendwie schaurig und schön. Doch so beeindruckend die Fotos sind, Johannes warnt: „Es nur eine Frage der Zeit bis auch hier der nächste Tornado kommt.

 

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