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Projekt für „Dorf macht Oper“ : Schaubaustelle: Betreten erlaubt!

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Zweites Semester Architekturstudenten schaffen mit faszinierenden Ideen und ungewöhnlichen Materialien Opernpark

von
erstellt am 29.Mai.2014 | 22:26 Uhr

Montag, 14 Uhr: In Berlin-Kreuzberg satteln die Architekturstudenten Aaron Lang und Nils Radtke ihre Drahtesel. Einer hat im Schlepp einen acht Meter langen Balken, der am Ende auf einer Sackkarre aufliegt. 23 Stunden später kommen die zwei in Klein Leppin an. Dazwischen wurde ohne Schlaf in die Pedalen getreten, abwechselnd der Balken gezogen, unterwegs für manches iPhone-Bild gesorgt und morgens um drei Uhr mit der Polizei diskutiert. Als die Beamten sicher sind, dass der Balken nicht geklaut, die Jungs nur eine eigenwillige Transportmöglichkeit gewählt haben, da wünschen sie gute Fahrt.

Aaron und Nils gehören zu einer Gruppe von 66 Studenten der TU Berlin, die in dieser Woche in die Tat umsetzen, was sie am Computer ersonnen haben: sechs Pavillons für das Projekt „Dorf macht Oper“ des Festland e. V. Im zweiten Semester steht für die angehenden Architekten Baukonstruktion auf dem Plan. Statt, wie erst angedacht, auf Exkurs nach Mailand, führt sie das Thema zum Arbeiten in die Prignitz nach Klein Leppin. „Damit hat das Dorf mit einem Schlag mehr Gäste als Einwohner“, sagt lächelnd Christina Tast vom Festland e. V. „Für uns ist es ein Geschenk“, gesteht sie offen, denn was die Studenten hier bauen, sei faszinierend, das Miteinander etwas, was haften bleibe.

Mit einem Budget von jeweils 500 Euro müssen die Gruppen einen Landschaftspark entstehen lassen, der zu dem jeweilige Projekt „Dorf macht Oper“ hinführt, den Besucher vorbereitet und ihn auch aktiv einbindet, erläutert Marc Drewes, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktion, an der TU.

Sechs Pavillons entstehen – eigentlich fünf und ein Palast, der Grillpalast. Von den Ausmaßen her wird er dem Namen vielleicht nicht gerecht, aber von der Umsetzung. Aus Restholz von Baustellen entsteht ein ausgeklügeltes Stecksystem – ohne Schraube oder Nagel –, das in seiner Gestaltung ornamenthafte Formen hat. Eine 30 Meter lange Gerüstkonstruktion, abgespannt mit Folie, hingegen wird zur Tonhalle. Hier wird der Chor vor der Aufführung die Besucher auf das Event einstimmen. Für die entsprechende Akustik sorgt mit dem Bügeleisen zusammengeschweißte Folie, die Kammern gefüllt mit geschreddertem Papier.

Stahl vom Schrotthändler, alte Planen von einer Kieler Werft, Altholz von Berliner Baustellen, Flaschen, Seile – aus ungewöhnlichen Materialien, zumeist Abfall oder Gesponsertem, entsteht etwas Neues, Einzigartiges. Es wird vernäht, geknüpft, zusammengebügelt, gesägt und nur dort geschraubt und genagelt, wo jenes auf immer zusammenhalten soll. Denn Aufgabe ist es, Konstruktionen zu schaffen, die abgebaut und immer wieder auch aufgebaut werden können, macht Studentin Annelene Stielau deutlich. Das Mailänder Wetter hätte sie sich schon gewünscht, „ansonsten ist es hier viel cooler“.

Bereits im zweiten Semester erleben die Studenten ihr erstes Bauprojekt von der Idee bis zur Fertigstellung Marke Eigenbau. Bis zuletzt sei es spannend, ob dann auch wirklich hält, was man am Computer geplant hat. Und alles bei Regen, Arbeitstage bis nach 22 Uhr, schlafen im Zelt oder auf Paletten mit Matratzen, Kultur am Probenabend des Chores und mit Essen, das man selbst in der Gemeinschaft zubereitet. Nachmittags allerdings gibt es frischen Kuchen aus dem Dorf, gebacken von Frauen des CJD.

Die Studenten haben die Neugier beim Amt Plattenburg und vor allem bei den Einheimischen geweckt und die helfen, ob mit Bagger oder Kuchen.

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