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Der Prignitzer

21. November 2017 | 07:39 Uhr

Schätze von Nachbars Scholle

vom

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erstellt am 17.Apr.2012 | 04:39 Uhr

Weisen | Sehen und gesehen werden - besser lässt sich das Anliegen der Produktbörse, die gestern im Prignitzer Landmarkt in Weisen stattfand, nicht beschreiben. "Bei diesen Veranstaltungen geht es darum, Erzeuger und Verbraucher vor Ort zusammenzubringen, denn tatsächlich wissen viele Gastronomen gar nicht, was sie für hervorragende Lieferanten direkt vor der Tür haben", sagt Barbara Nitsche von den Industrie- und Handelskammern des Landes Brandenburg, die die Schauen gemeinsam mit dem Brandenburger Ernährungsnetzwerk BEN, dem Dehoga und lokalen Partnern organisieren.

"Ziel ist dabei freilich nicht, dass sich Gastronomiebetriebe allein mit regionalen Produkten versorgen sollen, denn dazu sind die Erzeuger in sehr ländlichen Regionen wie der Prignitz zumeist nicht in der Lage. Vielmehr sollen Nischen besetzt werden, mit denen kulinarische Besonderheiten herausgestellt werden." Viele Ernährungsprodukte seien inzwischen austauschbar geworden, und da böten regionale Produzenten die Chance, Authentizität zurück zu gewinnen, so Nitsche.

Sechs der 14 Unternehmen, die der Einladung nach Weisen gefolgt waren, stammen aus dem Landkreis Prignitz. "Wir verkaufen momentan den Großteil unserer Ernte in den Berliner Raum, hier in der Region haben wir kaum Geschäftskontakte zur Gastronomie", sagt Bernd-Uwe Arndt von der Pritz walker Heidelbeerplantage. "Ich sehe hier eine gute Chance, genau das zu ändern." Direkt nebenan zeigt der Prignitzer Landhof Klein Gottschow Geflügelerzeugnisse aus seiner Produktion. "Zwar verkaufen wir nur an Privatkunden, aber auch da muss man sich trotz Mundpropaganda vermarkten", sagt Betreiberin Karin Schlegel.

Auch zahlreiche Gastronomen sind nach Weisen gekommen, um sich über das Angebot der hiesigen Erzeuger zu informieren. "Im Burghotel Lenzen versuchen wir, nicht nur regionale, sondern vor allem Bioprodukte zu verwenden", sagt Gastronomie- und Küchenchef Knut Jessen. "Leider ist die Bio-Schiene in der Prignitz bislang wenig ausgeprägt, aber wenn ich die Wahl habe zwischen Bio aus Bayern und regionalem Produkt, dann ist mir das regionale lieber. Alles andere halte ich für nicht authentisch." Klar sei allerdings, dass sich das Angebot nur verbessern könne, wenn noch mehr Gastronomen Bio-Qualität forderten, so Jessen.

Carsten Spitschan betreibt in Rathenow eine Pension mit Restaurant und ist extra nach Weisen gekommen, um sich hier nach Lieferanten umzuschauen. "Für mich hört die Region nicht an der Landkreisgrenze auf, der Blick über den Tellerrand gehört einfach dazu." Viele seiner Gäste sehen regionale Gerichte auf der Karte nicht mehr als Kür, sondern setzen derartige Angebote als Pflicht voraus. "Kein Rheinländer, der bei mir isst, bestellt ein Hamburger Schnitzel. Im Gegenteil, sie wollen die Region, in der sie Urlaub machen, auch schmecken. Und wenn ich dann zum Essen Fruchtsäfte aus Kyritz servieren kann, sind sie zufrieden."

Während an vielen Ständen Kontakte geknüpft werden, dampfen bei Oliver Schulz Pfannen und Töpfe. Seit einem halben Jahr ist er Küchenchef im Hotel "ambiente" in Bad Wilsnack und zeigt auf der Produktbörse, was sich aus regionalen Erzeugnissen am Herd zaubern lässt. "Die Nachfrage nach regionalen Produkten und der damit verbundenen Qualität wird von Jahr zu Jahr größer", sagt der Koch. Zudem gehe der Trend immer mehr dahin, kleinere Speisekarten mit regionalen Hauptgerichten zu bestücken und diese je nach Saison zu ändern. "Nicht alles können die Produzenten zu jeder Jahreszeit frisch liefern, da muss sich die Küche anpassen."

Dass hiesige Produkte in der Gastronomie für die Vermarktung der Region eine wichtige Rolle spielen, betont auch Uwe Neumann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz. "Regionale Produkte gehören zum touristischen Konzept dazu. Im Winter gibt es den Knieperkohl, im Sommer den Spargel - die Prignitz braucht sich nicht zu verstecken, auch wenn wir keine ganz große Marke wie die Spreewaldgurke haben."

Abschließend zog Bodo Rückschlag vom Dehoga eine positive Bilanz. "Die Messe ist ein erster Versuch, Gastronomen und Erzeuger in der Prignitz zusammenzubringen. Wichtig ist, dass es nicht der einzige bleibt."

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