zur Navigation springen

Archäologischer Park Freyenstein : Schätze direkt unter der Grasnarbe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

3. Bauabschnitt im Archäologischen Park Freyenstein fertiggestellt / Eröffnung der aufgegebenen Stadtstelle aus dem 13. Jahrhundert am 6. Juni

von
erstellt am 28.Mai.2015 | 22:00 Uhr

Ein Blick unter die Grasnarbe verrät normalerweise nicht viel: Erde, kleine Steine oder Tiere koexistieren hier und sind meist wenig spektakulär. Etwas anders verhält es sich im Archäologischen Park in Freyenstein. Hier könnten auf einer 25 Hektar großen Fläche, nur etwa 30 Zentimeter unter der Oberfläche liegend, zahlreiche Schätze von landesgeschichtlicher Bedeutung bestaunt werden. Um diesen Blick unter die Grasdecke zu erleichtern, wurden jetzt zwei hochgeklappte Grasnarben errichtet, die die Sicht auf mehrere Steinkeller freigeben.

Diese beiden Stücke gehören – zusammen mit drei Unterständen, elf „umgedrehte Kellern“, einer Inszenierung des mittelalterlichen Markt- und Stadtgeschehens sowie einem umfangreichen Audioguide – zum jetzt fertiggestellten und 905  000 Euro teuren dritte Bauabschnitt des Archäologischen Parks. Seit dem Jahr 2001 wurde hier auf ehemaligem Ackerland, direkt neben der heutigen Stadt Freyenstein gelegen, die im späten 13. Jahrhundert aufgegebene Stadtstelle erforscht und versucht, diese im Untergrund erhaltenen Stadtstrukturen erlebbar zu machen.

„Wir haben hier eines der bedeutendsten archäologischen Bodendenkmale Mitteleuropas“, verdeutlichte Dr. Joachim Wacker vom Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege (BLDAM) gestern bei einer Vorabbesichtigung. Vor allem die umfangreichen Baustrukturen und die Hinweise auf eine systematische Stadtplanung seien für die Forschung ein Glücksfall, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Schenk von der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Berlin. Jede Stadtentwicklung sei ein dynamischer Prozess. „So sah der Marktplatz von Perleberg vor 800 Jahren ganz anders aus als heute. Hier haben wir dank der Aufgabe der Stadt durch Krieg oder eine bessere Wasserversorgung mehrere hundert Meter weiter, eine reine Gründungsstätte“, verdeutlicht Wacker.

Dass die Besucher diese Eindrücke ab der offiziellen Eröffnung des Geländes am 6. Juni auch anschauliche wahrnehmen, dafür soll eine fiktive Figur aus Perleberg sorgen. „Wir haben uns den Fischhändler Heinrich Bickelhering ausgedacht, der aus Perleberg stammt und hier auf dem Markt seine Waren verkaufen will und dabei das damalige Leben beschreibt“, schildert Parkleiterin Christiane Neumann. Die Besucher können bei der von professionellen Schauspielern eingesprochenen Audioführung je nach Standort zwischen der fiktiven Geschichte mit Bezügen aus der Region und erklärenden Sachtexten wählen. So sollen normale Besucher und auch Fachforscher in die Region gezogen werden.

„Wir haben hier das ,Pompeji der Prignitz‘ und können mit dieser Perle aus der Kette der zentralen archäologischen Orte (ZAO) auch den jüngsten Brandenburgern die Einmaligkeit dieser Stätte näherbringen“, formuliert es der Bürgermeister der Stadt Wittstock, Jörg Gehrmann.

Dafür zuständig ist vor allem Parkleiterin Christiane Neumann, die im Aktionsbereich schon einmal mit Schulklassen traditionelles Essen zubereitet oder die Schüler in mittelalterliche Kostüme schlüpfen lässt. „Als wir im Jahr 2001 angefangen haben, waren hier nur Getreidefelder. Da wurde ich schon öfter belächelt und mitleidig angeschaut. Mit der Fertigstellung ist für mich nun so ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen