Schäfer entdeckt Menschenskelett

Foto: dpa
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30. Mai 2012, 08:23 Uhr

Jagel | Grausiger Fund am Elbdeich: Ein Schäfer entdeckte eine Wasserleiche. Sie trieb in der Elbe und wurde angespült. Nur noch Knochenreste und Kleidungsstücke sind übrig geblieben. Das bestätigte gestern die Polizeidirektion Neuruppin auf Nachfrage des "Prignitzers". Die Vermutung liegt nahe, dass die Leiche sehr viele Jahre im Wasser lag. Dass es sich bei dem Mann um den seit über 20 Jahren vermissten Gerhard Trippschuh aus Wittenberge handelt, will Polizeisprecher Toralf Reinhardt nicht ausschließen, aber auch nicht bestätigen.

Was war passiert?

Der Schäfer war nach Informationen unserer Zeitung vergangenen Freitag gegen 13 Uhr mit dem Auto am Elbdeich zwischen Bernheide und Jagel unterwegs, um seine Schafe zu kontrollieren, die dort grasen. Da entdeckte er im Wasser etwas, von dem er dachte, es handle sich um ein totes Schaf. Bei näherem Hinsehen entpuppte es sich als Teile eines menschlichen Skeletts. Er rief die Polizei.

"Es handelt sich bei dem Fund um Schädelknochen, andere Knochen, Kleidungsstücke und Reste einer Brieftasche", sagte der Polizeisprecher. Der darin befindliche Personalausweis sei erstaunlicherweise noch recht gut erhalten. "Zu erkennen sind Teile des Fotos und des Namens."

Dennoch wolle die Polizei nicht mutmaßen. Ermittlungen sollen ergeben, um wen es sich handelt. Denn auch das Geschlecht sei derzeit nicht eindeutig zu identifizieren. "Es ist nicht auszuschließen, dass es sich dabei um die vermisste Person aus Wittenberge handelt, aber aufgrund der laufenden Ermittlungen kann es nicht bestätigt werden", erklärt Toralf Reinhardt.

Dass es sich in der Tat um den vermissten Gerhard Trippschuh handeln könnte, bestätigt unserer Zeitung eine andere Quelle. Demnach soll der Name auf dem Ausweis eindeutig zu lesen sein. Formal werde der Fund bei den Behörden als Todesermittlungsverfahren geführt, die Grundlage für die weitere Arbeit bildet ein Abgleich mit früheren Vermisstenfällen.

Bewahrheiten sich die Vermutungen, ist einer der großen ungeklärten Fälle der letzten Jahre gelöst. Die Vermisstenanzeige für Gerhard Trippschuh, geboren 1930, ist bei den polizeilichen Behörden im Januar 1989 eingegangen. Lanz’ Bürgermeister Hans Borchert kannte Gerhard Trippschuh persönlich. "Er war ein ruhiger Junggeselle, lebte in Wittenberge. Aber er half seinem Bruder in Streesow immer auf dem Hof, seine Schwägerin lebt in Bernheide", erzählt Borchert. Irgendwann habe es geheißen, Trippschuh sei verschwunden, aber niemand wusste Näheres. Ob es sich um Selbstmord, einen Unfall handelte oder Trippschuh kurz vor der Wende über die Grenze fliehen wollte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Der Rechtsmediziner sei kontaktiert worden, so Reinhardt. Klar ist: "Auf den ersten Blick konnten keine Hinweise auf Fremdeinwirkungen gefunden werden." Für das weitere Prozedere bedeute das, der Fall erhalte nicht die allerhöchste Priorität.

"Interessant" sei der Fall auch deshalb, so Reinhardt, weil es in all den Jahren mehrere Hochwasser gab und dennoch die Leiche nicht zum Vorschein kam. Er bezweifelt, dass sie angeschwemmt worden ist, sondern vermutet, dass sie von unten an die Wasseroberfläche getragen wurde. Alles in allem steht fest: "Es muss noch viel recherchiert werden, das wird lange Zeit in Anspruch nehmen", meint der Polizeisprecher.

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