Lenzen (Prignitz) : Schäfer bangt um seine Existenz - Abschuss des Wolfes beantragt

Eins der drei Schafe, die vermutliche ein Wolf in Marc Mennles Herde bei Lenzen gerissen hat.
2 von 2

Eins der drei Schafe, die vermutliche ein Wolf in Marc Mennles Herde bei Lenzen gerissen hat.

Durch Wolfsübergriffe und die anhaltende Trockenheit fürchtet Marc Mennle um den Fortbestand seines Betriebes.

von
03. August 2018, 21:00 Uhr

Marc Mennle wirkt am Telefon wie am Boden zerstört. Der Schäfermeister sieht seine berufliche Existenz bedroht. Immer häufiger frage er sich, ob die ganze Arbeit überhaupt noch einen Sinn ergebe. In den letzten Tagen nahmen die Zweifel weiter zu.

Bei zwei Angriffen auf seine Schafherde verlor er am vergangenen Wochenende drei Tiere. „Es war ein Wolf“, sagt Mennle, der bis gestern auf das offizielle Gutachten des Landesumweltamtes gewartet hatte. Es kam noch nicht, er muss weiter warten. Aber auch ohne diese Formalie sei die Sache klar für ihn. Besonders frustriert ist er, weil die Herde geschützt war.

Ein vorschriftsmäßiger Zaun aus 90 Zentimeter hohen Elektronetzen habe die Tiere umschlossen. „Nach dem ersten Übergriff setzte ich zu den bereits vorhandenen drei Herdenschutzhunden drei weitere ein, aber selbst die sechs Hunde konnten den zweiten Übergriff nicht verhindern“, sagt Mennle. Mehr Schutz gehe nicht. „Ich bin mit meinem Latein am Ende.“

15-jährige Zuchtarbeit

Die in Aussicht stehende Entschädigung durch das Land decke den finanziellen Verlust bei weitem nicht, so Mennle. Es handele sich um Zuchttiere. „Darin steckt teils eine 15-jährige Zuchtarbeit, die verloren geht“, veranschaulicht er den Wert der Tiere. Außerdem befürchtet er langfristige Folgen wie 2016, als er 23 Schafe verlor. „Die Tiere waren nach den Übergriffen so sehr gestresst, dass zehn Prozent weniger Lämmer geboren wurden.“

Der Verlust trifft ihn in einer ohnehin schwierigen Situation. Die anhaltende Trockenheit hat das Futter knapp werden lassen. Ein Drittel seiner Tiere habe er bereits vor wenigen Wochen zwangsweise verkaufen müssen. Die ihm zur Verfügung stehende Weidefläche von 135 Hektar konnte er nur einmal beweiden. „Es wuchs nichts mehr nach.“

Üblich sind drei Beweidungen im Jahr. Selbst seine Wintervorräte seien keine echte Reserve, denn auch auf diesen Flächen war bisher nur eine Mahd möglich. Ein Zukauf von Futter sei weder finanziell machbar noch sei regional Futter auf dem Markt. Schließlich seien alle Tierhalter von der Trockenheit betroffen.

In dieser großen Not habe ihm die Biosphärenreservatsverwaltung geholfen. „Ich erhielt zusätzliche Weideflächen am Elbufer. Ohne diese hätte ich nicht gewusst, was ich noch machen soll, ich wäre am Ende gewesen“, sagt er.

Wie es weiter geht, wisse er dennoch nicht. Seinen wahren Stundenlohn gibt er mit unter sechs Euro an. Mennle spricht von einem hohen Arbeitsaufwand und einer steigenden emotionalen Belastung, genährt durch die ständige Sorge vor neuen Verlusten. Dem gegenüber stehe die Leidenschaft und Hingabe für diesen Beruf. Doch am Ende müsse es sich finanziell rechnen und die an sich schon geringe Gewinnmarge werde eher kleiner. Grund dafür seien auch die hohen Investitionen in den Herdenschutz. Als Beispiel nennt Mennle die Herdenschutzhunde. Deren Anschaffung werde zwar vom Land gefördert, aber nicht ihr Unterhalt. Pro Tier seien das 2500 Euro im Jahr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen