Verstoß gegen Tierschutz : Schäfer aus Lenzen verurteilt

Kameraden der Feuerwehr Lenzen waren im Juli 2015 die Retter in der Not, befüllten die Wassertröge.
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Kameraden der Feuerwehr Lenzen waren im Juli 2015 die Retter in der Not, befüllten die Wassertröge.

Amtsgericht sieht Verstoß gegen Tierschutzgesetz. Radler entdeckte im Juli 2015 durstende Herde

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19. August 2016, 05:00 Uhr

Das Amtsgericht Perleberg hat den Schäfer Marc M. aus Lenzen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 450 Euro im Wege des Strafbefehlsverfahrens verurteilt. Darüber informierte gestern die Tierschutzorganisation Peta, die Strafanzeige gegen den Mann gestellt hatte.

„Ohne Wasser und Schatten bei Temperaturen von mehr als 30 Grad wären die Schafe Anfang Juli 2015 auf einer Weide in Lenzen fast verdurstet. Gerettet wurden sie durch einen aufmerksamen Passanten und die örtliche freiwillige Feuerwehr. Sich selbst überlassen, waren die Tiere erheblichen Leiden ausgesetzt“, so Peta in der Mitteilung. Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung der Organisation, erklärte, dass die Staatsanwaltschaft Neuruppin angemessen gehandelt habe, indem sie einen Strafbefehl gegen den „verantwortungslosen Schäfer“ beantragte. „Trotz eines Tierschutzgesetzes ist das leider noch immer keine Selbstverständlichkeit“, so Haferbeck weiter.

Der Wittenberger Rainer Sander hatte bei einer Radtour auf dem Elbdeich die Schafherde in Not mitsamt den leeren Wasserbehältern entdeckt und Hilfe organisiert (wir berichteten). „Einige Tiere haben bemitleidenswert laut geblökt, einige taumelten oder lagen nur noch minimal atmend auf dem Boden. Sie konnten nicht mal mehr den Kopf heben“, schilderte er die Szenerie. Sander alarmierte die Freiwillige Feuerwehr Lenzen. Bis sie eintraf, hatte Sander schon selbst angefangen, Wasser für die Tiere zu besorgen, um eine erste Hilfe zu leisten. Dazu fuhr er mit dem Rad nach Hause und füllte sämtliche großen Behälter mit Wasser. Er lud sie ins Auto und kehrte an den Deich zurück. Die Feuerwehr schaffte dann umgehend noch mehr Wasser herbei.

Im Strafbefehl heißt es laut Peta: „Die Schafe litten unter erheblichem Durst; ein Schaf kam zum Liegen; viele Schafe taumelten. Die Schafe hatten in der Folgezeit stundenlang unter erheblichem Durst zu leiden.“ Gegenüber dem „Prignitzer“ erklärte M. im vergangenen Juli, er habe gemeinsam mit einem Kollegen den Schafen rund 3000 Liter Wasser auf die Koppel am Elbdeich gebracht. Warum die Tiere bereits nach anderthalb Stunden kein Wasser mehr in den Behältern hatten, konnte sich M. nicht erklären. Gestern sagte er auf Anfrage, dass es Zeugen gebe, die bestätigen könnten, dass die Schafe Wasser bekommen hatten. „Hinsichtlich des Urteils will ich nun überlegen, wie ich reagiere“, so M., der auch Vorstandsmitglied im Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg ist. Für das Veterinäramt war er als Schätzer für die Tierseuchenkasse tätig. Auf Redaktionsnachfrage erklärte Kreissprecherin Annette Löther, dass M.s Tätigkeit für das Veterinäramt ausgelaufen sei und auch nicht wieder aufgenommen wird. 
 

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