Spinner frisst weiter : Schädling wird zum Politikum

Ein Außentank   wird mit einem Insektizid zur Bekämpfung des  Eichenprozessionsspinners aus der Luft befüllt. Für die Prignitzer Verantwortlichen gilt der Sprüheinsatz per Hubschrauber als beste und effektivste Methode im Umgang mit dem Schädling. Fotos: dpa/Barbara Haak
Ein Außentank wird mit einem Insektizid zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus der Luft befüllt. Für die Prignitzer Verantwortlichen gilt der Sprüheinsatz per Hubschrauber als beste und effektivste Methode im Umgang mit dem Schädling. Fotos: dpa/Barbara Haak

Große Auswertungsrunde nach Abschluss der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners: Ziel nicht erreicht

von
03. Juli 2014, 08:00 Uhr

So viel ist nach der gestrigen großen Auswertungsrunde der diesjährigen Bekämpfungsaktion klar: Der Eichenprozessionsspinner wird die Menschen in der Region wohl noch auf lange Sicht beschäftigen. Dr. Sabine Kramer, zweite Beigeordnete des Landrates und zuständige Geschäftsbereichsleiterin, fasste es so zusammen: „Wir sind nicht dort angekommen, wo wir sein wollten“.

Nach der Auswertung der Schädlingsbekämpfungsaktion 2013 war klar, dass die Zahl der betroffenen Eichen und somit die Größe der Fläche 2014 deutlich größer sein werden. Rund 2000 Hektar waren es vergangenes Jahr, fast das Doppelte sollte es dieses Jahr sein. Bekämpft worden sei letztendlich aber nur auf einer Fläche von rund 1600 Hektar, so Sabine Kramer. Hauptproblem: die forstwirtschaftlichen Flächen. Sie fallen nicht unter die Allgemeinverfügung, die der Landkreis für das Besprühen der gefräßigen Raupen erlässt, sondern unterliegen dem Landesforstbetrieb höchstselbst. Und dieser wiederum habe einen großen Teil der kartierten, für die Bekämpfung vorgesehenen Flächen gestrichen, so Eckhard Kakstein von der Oberförsterei Gadow. Für Forstflächen werden andere Rechtsgrundlagen zur Anwendung gebracht, die Institutionen, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz oder das Landesamt für ländliche Entwicklung ihre Entscheidungen festlegen. Die entsprechenden Anträge, so Kakstein, seien bereits im November 2013 gestellt worden. An der Zeitschiene habe es also nicht gelegen. Geblieben seien von den avisierten 1000 nur knapp 450 Hektar.

Auflagen gab es auch für nicht-forstliche Flächen. Das bedeutete wesentliche Einschränkungen der Bekämpfung in Natur- und Wasserschutzgebieten. Außerdem waren Gewässerrandstreifen in einer Breite von 25 Metern von den Sprühaktionen ausgenommen. Man musste viele einzelne Flächen neu unter die Lupe nehmen, abwägen – unterm Strich ein riesiger Zeitaufwand, beschrieb Bernd Lindow, Sachbereichsleiter Natur- und Gewässerschutz. Den i-Punkt setzte setzte der Nabu Brandenburg mit seinem Antrag auf einstweilige Verfügung beim Verwaltungsgericht Potsdam. Kritikpunkt des Nabu: Die Naturschutzverbände seien im Vorfeld nicht beteiligt worden.

Die eher zaghafte Bekämpfung hat Auswirkungen: Massiv betroffen sind beispielsweise Rühstädt und Umgebung, touristische Aushängeschilder der Prignitz. Der hintere, vom Ort abgewandte Teil des Rühstädter Schlossparks ist eine Forstfläche. Schlimm sehe es nicht nur hier aus, sondern u. a. auch in Quitzöbel am Brink und an Teilen des Elberadwegs, so Gerald Neu, Ordnungsamtsleiter in Bad Wilsnack/Weisen. Lysann Jacob vom Landesumweltamt sprach von einem Riesenproblem entlang der Deiche als Folge der zaghaften Bekämpfung. „Entweder man macht es ganz oder lässt es. So zögern wir das Problem über Jahre hinaus.“ Belastet würden nicht nur Einheimische und Touristen von den teils massiven allergischen Reaktionen, die die giftigen Spinner-Härchen auslösen, sondern auch Einsatzkräfte im Hochwasserfall sowie ganz aktuell Bauleute an den Deichbaustellen.

Das Problem – und vor allem die Hürden – sollen nun auf landes- und bundespolitische Ebene gehoben werden, sind sich alle kommunalen Vertreter einig.

Die vollständige Erfassung aller befallen Bäume und Flächen soll bis 1. Oktober abgeschlossen sein. Dabei und bei der Rückmeldung von Krankheitsfällen durch Spinnerhärchen sind die kommunalen Verwaltungen auch auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen