Wittenbergerin in Sansibar : Sansibar: Ein persönliches Abenteuer

Claudia Felsch lebt auf Sansibar in einer Großfamilie – gewöhnungsbedürftig, aber auch schön, findet die Wittenbergerin.
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Claudia Felsch lebt auf Sansibar in einer Großfamilie – gewöhnungsbedürftig, aber auch schön, findet die Wittenbergerin.

Wittenberger Lehramtsstudentin verbringt ein Jahr fernab der Heimat und berichtet in lockerer Folge über ihre Erlebnisse und Erfahrungen

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24. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Am 22. Juli berichtete der „Prignitzer“ über die Pläne der Wittenbergerin Claudia Felsch, als Lehramtsstudentin für ein Jahr nach Sansibar zu gehen und dort beim Neuaufbau des Schulsystems mitzuwirken. Der Aufruf in der Zeitung, die junge Frau zu unterstützen, ließ ihren Wunsch wahr werden. Die Teilnehmer am Austausch- und Hilfsprojekt müssen einen finanziellen Eigenanteil beisteuern. Dabei leistete der Bericht im „Prignitzer“ eine gute Hilfe. Im Folgenden der erste Bericht von Claudia Felsch:


Globales Lernen – ganz praktisch


Bevor ich mit meinem ersten Bericht beginne, möchte ich mich natürlich erste einmal vorstellen: Ich heiße Claudia Felsch, bin 26 Jahre alt und komme aus Wittenberge. Nach einer Berufsausbildung absolviere ich seit 2009 ein Lehramtsstudium an der FU Berlin (Chemie und Geschichte). Durch den Austausch mit Freunden und einigen Erfahrungsberichten meiner Kommilitonen über längere Auslandsaufenthalte, wuchs in mir der Wunsch, auch einmal diesen Weg zu beschreiten und Deutschland für einige Zeit hinter mir zu lassen. Mir ging es dabei jedoch weniger um ein bestimmtes Land, als vielmehr darum, meine Reise mit etwas Sinnvollem zu verbinden. Nach Recherchen im Internet stieß ich auf das Weltwärts-Freiwilligenprogramm der Deutsch-Tansanischen Partnerschaft e. V. (DTP). Der Verein entsendet jedes Jahr Studenten, die sich im Lehramtsstudium befinden, oder Lehrer nach Tansania, damit sie für einen bestimmten Zeitraum an tansanischen Schulen unterrichten und mit den Lehrkräften Ideen, Konzepte und Lehrmethoden austauschen. Das Projekt trägt den Namen „Globales Lernen – praktisch umgesetzt“. Ich bewarb mich und hatte das Glück, eine Zusage zu bekommen. Im Mai 2013 stand fest: Ich würde zum Ende des Jahres Deutschland verlassen, für ein Jahr sollte Sansibar mein neues Zuhause werden. Bevor meine Reise beginnen konnte, gab es noch einiges zu tun. Neben vielen persönlichen Vorkehrungen hat jeder Freiwillige die Aufgabe, ein Fundraising zur Unterstützung des Freiwilligenprogramms aufzubringen. Hiermit möchte ich mich noch einmal herzlich bei allen Spender bedanken.


Die ersten zwei Monate


Am 30. September 2013 startete mein persönliches Abenteuer vom Flughafen Frankfurt/Main. Abends um 22 Uhr ging es los in ein fremdes Land, in eine andere Kultur. Der Abschied von den Liebsten in Deutschland fiel mir schwer und auch der Start auf Sansibar verlief leider etwas holprig. Doch rückblickend bin ich froh, die eine oder andere Hürde erfolgreich gemeistert zu haben und jetzt hier in Sansibar-Stadt für ein Jahr leben zu dürfen.

Apropos leben: Ich lebe in einer Gastfamilie mit zirka 15 Personen unter einem Dach. Neben meinen beiden Gasteltern wohnen in unserem Haus, auf insgesamt vier Zimmer verteilt, meine vier Gastgeschwister, ein Baby, fünf Kinder, ein Hausmädchen, ein Freund meines Gastbruders und Freddy, unser Haus- und Hofhüter. Ich lebe im fünften Zimmer. Zu Beginn war es schwierig für mich, mit so vielen Leuten zurechtzukommen, so ist man in Deutschland doch eher kleinere Familien gewohnt. Immer herrscht Trubel im Haus und auch das Lernen aller Namen war eine kleine Herausforderung. Doch mittlerweile genieße ich es, nie wirklich allein zu sein, mit den Kindern zu spielen oder dem Hausmädchen und meinen Schwestern beim Kochen und Backen zu zuschauen oder sogar mitzuhelfen. Mit der Verständigung klappt es immer. Ich habe das Glück, dass einige Familienmitglieder sehr gut Englisch sprechen. Doch auch mit den Kindern und dem Hausmädchen kann man sich durch Mimik und Gestik mitteilen. Der eine oder andere Lacher ist dadurch stets garantiert.

Da meine Gastfamilie wirklich sehr gastfreundlich ist und sich gut um mich kümmert, kam ich schon in den Genuss, den einen oder anderen schönen Platz auf Sansibar kennen zu lernen. Sansibar ist mit seinen weißen Stränden wirklich ein Traum. Zudem scheint es manchmal so, dass hier ein kleines bisschen die Zeit stehen geblieben ist. Neben dem auch hier langsam fortschreitenden „modernen“ Leben, wie wir es in Deutschland kennen, greift man gern auf Altbewährtes zurück. Und warum überhaupt etwas ändern, wenn es doch so schon immer funktioniert hat?! Ich persönlich genieße meine Ausflüge zum Strand, meine Spaziergänge durch Stone Town und den abendlichen Markt im Forodhani Gardens. Auch habe ich den Jozani-Forest kennen gelernt, eine Spice-Tour gemacht und die Sklavenhöhlen von Mangapwani gesehen.


Auf die Universität verzichtet


Natürlich bin ich nicht nur aus Spaß auf die Insel gekommen. Mein Programm für meinen einjährigen Aufenthalt auf Sansibar sollte wie folgt aussehen: Zuerst würde ich für fünf Monate aus persönlichem Interesse die Universität auf Sansibar besuchen und im Anschluss ein siebenmonatiges Freiwilligenprogramm an den Haili Selassie Secondary School beginnen.

Da jedoch nicht immer alles nach Plan verläuft und nachdem ich die Universität vor Ort kennen gelernt habe, entschloss ich mich, meinen Ablauf über den Haufen zu werfen. Leider war das Studium hier auf Sansibar nicht das, was ich mir erhofft und vorgestellt hatte. Des Öfteren passierte es mir, dass ich über Abläufe und Änderungen nicht informiert wurde oder dass die Dozenten nicht zum Unterricht erschienen. Meine Unzufriedenheit war groß, doch nach einiger Rücksprache mit der DTP war es möglich, mein Freiwilligenprogramm früher zu beginnen. Ich entschied mich dazu, die Universität hier auf Sansibar abzubrechen und ab Dezember mit dem Freiwilligenprogramm und den Vorbereitungen für das Arbeiten an der Haili Selassie Secondary School zu beginnen. Mich erwarten nun nicht nur sieben sondern zehn spannende und aufregende Monate an dieser Schule.

Um später an der Schule gut mit den Kindern kommunizieren zu können, besuche ich seit Anfang Oktober einen Sprachkurs, um die hier gebräuchliche Sprache Kisuaheli zu lernen. Da ich vom Typ aber eher in den Naturwissenschaften bewandert bin, fällt mir das Lernen einer neuen Sprache nicht immer ganz leicht. Doch ich habe viel Spaß dabei, freue mich über jeden Fortschritt und gebe nicht auf … In diesem Sinne Baadae (bis bald) – bis zu meinem nächsten Bericht, der bestimmt nicht lange auf sich warten lässt!

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