Museumsnacht in Perleberg : Sakrale Plastik und alte Urkunden

Frank Riedel (r.) erzählte, wie der Heilige Andreas durch das Andreaskreuz bis heute wirkt.
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Frank Riedel (r.) erzählte, wie der Heilige Andreas durch das Andreaskreuz bis heute wirkt.

Viele Besucher zog es zu den Kunstwerken der Vorreformationszeit – Informationen zum Perleberger Frieden von 1420 gefragt

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01. November 2017, 06:00 Uhr

Die Perleberger Museumsnacht begann am Montagabend für viele Neugierige bei Bernd Briese. Im Vorraum des Museum öffnete er immer wieder eines der ersten Exponate der Sammlung, den riesigen Barockschrank. Darin befinden sich die ersten Stücke für das Museum, Geschirr und Gefäße aus Porzellan und Zinn. Der ehrenamtliche Mitarbeiter erzählte, wie das Museum aus einer privaten Sammlung entstand. Nicht nur Kinder beeindruckten der große Schrankschlüssel und das unter kunstvollem Schnitzwerk verborgene Schloss.

Die Figuren aus der Zeit des ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts seien der größte Schatz des Hauses, sagte Museumsleiter Frank Riedel bei seiner Führung. „Sie haben große überregionale Bedeutung und wurden vom Deutschen Historischen Museum in Berlin und dem Haus der Brandenburgischen Geschichte für Ausstellungen angefragt.“

Riedel erläuterte, welche große Rolle solche sakralen Figuren in einer Zeit spielten, als die Messe lateinisch gehalten wurde und die Masse der Menschen nicht lesen konnte. „Die Bildsprache der Figuren verstanden die Leute aber. Zudem waren die Jahrzehnte vor der Reformation von einer sich immer weiter steigernden Glaubenswelle und einer großen Volksfrömmigkeit geprägt. Diese drängte auf eine Vergegenständlichung der Heiligen, daher entstanden zahllose Kirchen und Altäre“, erläuterte der Museumsleiter.

Beispiele, wie sich selbst kleine Orte eine aufwendige Ausstattung ihrer Kirche leisteten, seien der vollständig erhaltene kunstvolle Altar aus Bälow, bei dem jedoch die Farbfassung verloren ging, und die prächtigen Figuren aus Klein Lüben mit ihrer Vergoldung, betonte Riedel.

In der St. Jacobikirche erläuterte Roswitha Richter anhand seines Epitaphs die Rolle von Bürgermeister Johann Kanow bei der Einführung der Reformation in Perleberg und der Neuorganisation des Schulwesens. Bei der Überarbeitung der 1558 gemalten Himmelfahrt Christi im Jahr 1694 sei die älteste Stadtansicht eingefügt worden.

Im Fest- und Sitzungssaal des Rathauses erläuterte Irmela Czubatynski die zwei Urkunden zum Perleberger Frieden von 1420 und die Allegorie auf das Ereignis. „Weil so viele Fürsten am Vertragsschluss mitwirkten, konnten sie dies nur mit kleinen Siegeln bestätigen, die leider aber fast alle verschwunden sind, nicht mit den üblichen großen“, antworte sie auf mehrfache Fragen. Auch die Ausstattung und Ausmalung des Raumes beeindruckte die Besucher.  

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