Zauberei : Sack über den Kopf und Gas geben

Mit seinem Programm „Der Student“ verzaubert Johannes vor allem das erwachsene Publikum.
Mit seinem Programm „Der Student“ verzaubert Johannes vor allem das erwachsene Publikum.

Magier Johannes Giertz plant waghalsige Autoaktion auf Prignitzer Straßen – alles was er dazu braucht, ist ein Fahrzeug

23-48119646_23-66107919_1416392375.JPG von
14. März 2015, 12:00 Uhr

„Magier haben ein ganz eigenes Verhältnis zur Zeit.“ Johannes Giertz hält mir eine Armbanduhr entgegen: „Verstell die Uhr und merke dir dann, wie spät es auf ihr ist. Aber zeig sie mir nicht“, fordert er mich auf. Ich drehe an den Zeiger, bis sie auf 9.05 Uhr stehen. Johannes schaut mich an. „Stelle dir die Zahl nun gut vor.“ Ich versuche mich zu konzentrieren. „Okay. Die letzte Zahl ist ungerade und etwas geschwungen. Eine fünf, richtig?“ „Ja genau. Sage ich“, ein bisschen verwirrt. „Gut. Die zweite Zahl können wir vernachlässigen. Das ist eine Null. Und die erste, die ist auch ungerade. Aber keine fünf. Ist es die neun?“, fragt er. – Wieder richtig. „Ich sagte ja, Magier haben ein anderes Verhältnis zur Zeit“, sagt Johannes. „Nun schau dir die Uhr noch einmal genau an.“ Ich drehe das Ziffernblatt um, das ich die ganze Zeit über festgehalten habe. Die Zeiger der Uhr sind verschwunden... Einfach weg. Ich schüttle ungläubig die Uhr. Johannes lächelt zufrieden.


Mit fünf Jahren der erste Trick


Er ist einer der wenigen Magier in der Prignitz. Aber er ist wahrscheinlich auch der erste, der über eine Strecke von sieben Kilometern ein Auto fahren will – und zwar mit verbundenen Augen und ohne Hilfe. „Angst ist das falsche Wort. Aber ich habe Respekt vor der Fahrt.“ Der 20-Jährige schaut auf seinen Couchtisch vor sich. Unter einem umgedrehten Schnapsglas liegen ein Euro und ein 50-Cent-Stück. Er beginnt das Glas auf dem Tisch im Kreis zu bewegen und im nächsten Moment ist auch das 50-Cent-Stück verschwunden. Irgendwo müssen doch die Münze und die Zeiger der Uhr auch wieder auftauchen, denke ich mir.

Mit fünf Jahren hat Johannes seinen ersten Zauberkasten bekommen. „Der landete aber nach ein paar Zauberversuchen schnell in der Ecke. Mit elf habe ich ihn wieder entdeckt“, erzählt er. Seitdem hätte ihn die Magie nicht mehr losgelassen. Erst übte er sich mit den üblichen Tricks, dann suchte er den Kontakt zu anderen Magiern aus der ganzen Welt im Internet und seine Zauberei wurde immer besser.

Inzwischen hat der Kemnitzer regelmäßige Auftritte in Brandenburg und auch Mecklenburg-Vorpommern. Er wird zu Geburtstagen gebucht, genauso wie zu Dorf- und Stadtfesten. „Ich habe ein Programm für Kinder, eins für Familien und eins für Erwachsene“, sagt Johannes. „Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die Kinder mitmachen wollen und die Erwachsenen müssen“, sagt er lachend.


Jungfrauen zersägt er nicht


Jungfrauen werden allerdings nicht zersägt, verspricht er. Viel lieber lässt er Dinge verschwinden und an einer anderen Stelle wieder auftauchen. Plötzlich hat Johannes ein Kartenspiel in der Hand. Ich fühle mich wie in einer ganz privaten Zaubershow. „Von typischen Kartentricks halte ich eigentlich nichts“, sagt er und mischt dabei das Blatt. Dann darf ich mir eine Karte aussuchen. Die Herz sechs nehme ich. Johannes reißt ihr kurzer Hand eine Ecke ab. Mit einem Funkenschlag verschwindet die Ecke aus seiner Hand.

„Am Zaubern fasziniert mich der Kontakt mit den Zuschauern. Man sieht erst in ihren Augen, ob der Trick wirklich klappt“, sagt er leise. „Und jetzt schau.“ Er nimmt sein Handy, entfernt die Schutzhülle. Und dort liegt sie, die Ecke, die eben noch vor meinen Augen in Flammen aufgegangen ist. „Du kannst ruhig gucken, ob sie passt.“ Ich schüttle erneut den Kopf. Ich sehe auch so, dass sie passt.

Leben kann Johannes von seiner Zauberei nicht. Im Sommer beginnt er sein Studium der Sozialwissenschaften in Neubrandenburg. „Die Arbeit mit Menschen liegt mir“, meint er. Doch Magie ist seine Leidenschaft. „Damit werde ich nie aufhören.“ Um bekannter zu werden, plant er, ein bis zwei größere öffentliche Auftritte. Im vergangenen Jahr verzauberte er Leser einer Regionalzeitung mit der Vorhersage der täglichen Schlagzeile. Doch dies will er nun toppen.


Suche nach einem Autohaus


„Ich werde mit einem Sack über dem Kopf eine etwa sieben Kilometer lange Strecke abfahren“, schildert Johannes. Als er seiner Familie von der Idee erzählte, schüttelte seine Mutter nur mit dem Kopf. Seine Oma versuchte ihn abzuhalten. Stattfinden soll die Fahrt im Sommer. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Auch nicht die Strecke. Bis dahin sucht Johannes noch Freiwillige, die im Fahrzeug mitfahren. Sie sollen bestätigen, dass Johannes nicht schummelt. „Und ich werde mich auch an die Richtgeschwindigkeit halten. Aber vielleicht wäre es gut, wenn die Polizei hier und da ein Auge zudrückt, wenn ich doch mal zu langsam oder zu schnell sein sollte“, meint er schelmisch.

Zur Zeit ist Johannes noch auf der Suche nach einem Autohaus, das ihn unterstützt. „Es wäre schön, wenn ich dafür ein schickes Auto hätte. Aber wenn nicht, dann geht auch mein Golf.“ Und eine Sache wünscht er sich noch: „Ich würde mich natürlich freuen, wenn im Ziel Menschen auf mich warten, wenn ich es denn schaffe“, sagt er und zwinkert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen