Wittenberger Kolonie der geschützten Vögel wächst : Saatkrähen: Zahl der Paare fast verdoppelt

Die Platanen im Krankenhauspark sind wieder der Treffpunkt der Saatkrähen.
Die Platanen im Krankenhauspark sind wieder der Treffpunkt der Saatkrähen.

Awo will wieder vergrämen. Aktion im vergangenen Jahr ohne Erfolg.

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25. Februar 2014, 22:00 Uhr

Im Park am Seniorenpflegezentrum in der Stein-Hardenberg-Straße will der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt in den kommenden Wochen mit Vergrämungsmaßnahmen das Brüten der vom Gesetzgeber streng geschützten Saatkrähen verhindern. „Für uns ist es eine Frage der Hygiene. Wir können den Park, wenn die Vögel die Bäume in Beschlag genommen haben, nicht nutzen“, sagt Awo-Geschäftsführer Christian Müller. Er geht davon aus, dass die untere Naturschutzbehörde die Genehmigung erteilt, die Nester vor Brutbeginn – alles andere ist verboten – herunter zu stoßen.

Weniger optimistisch ist Müller angesichts der Zahlen aus dem vergangenen Jahr, wenn es um den Erfolg der Aktion geht. Das Vergrämen wird von einem Monitoring, also einer systematischen Erfassung der Brutentwicklung, begleitet. Der Awo-Geschäftsführer kann Anhand dieser Erhebung belegen, dass sich – trotz aller Gegenmaßnahmen – im vorletzten Jahr 100 Paare die Bäume im Park zwischen Stein-Hardenberg- und Perleberger Straße zum Brüten aussuchten. 2013 zogen dort 228 Paare ihre Jungen auf. Diese Zahlen widerspiegeln im Kleinen die Gesamtentwicklung in der Stadt.

Umweltfachfrau Peggy Heyneck weiß anhand der Bestandsbeobachtung, dass die Zahl der Brutpaare innerhalb von zwölf Monaten von 450 auf rund 700 im vergangenen Jahr stieg. Für den Artenschutz ein hervorragendes Ergebnis. Für viele Wittenberger ein Ärgernis, denn die Vögel krächzen, lassen Nistmaterial und anderes fallen. Weder Heyneck noch Falk Schulz von NABU können eine schlüssige Antwort darauf geben, weshalb sich die geschützten Krähen so gut im Bestand entwickelten. Eine Erklärung könnte in der günstigen Witterung des letzten Jahres und die Gewöhnung der Tiere an die Nahrungsangebote in der Stadt liegen, sagt Heyneck. Falk Schulz weiß, dass sich kleinere neue Saatkrähenkolonien auch in der Umgebung von Wittenberge gebildet haben. Die Entwicklung sei nicht allein für Wittenberge typisch.

Für die Awo sagt der Geschäftsführer ganz unumwunden, „dass wir uns überlegen müssen, wie wir künftig weiter verfahren werden“, wenn die Vergrämung jetzt auch nichts bringe. Zu Bedenken ist ja auch immer, dass alle Maßnahmen mit einem finanziellen Aufwand verbunden sind.

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