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Der Prignitzer

23. September 2017 | 23:42 Uhr

Rühstädt schützt Störche vorbildlich

vom

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2011 | 07:00 Uhr

Rühstädt | Mehr als 30 Storchenpaare brüteten in diesem Jahr auf den Dächern Rühstädts. So viele wie nirgends in Deutschland.

Das liegt in erster Linie am sehr guten Nahrungsangebot und dem Fakt, dass Landwirte aus der Region zum Großteil auf Grünland-Nutzung setzen. Aus Sicht anderer Storchendörfer in Europa nehme Rühstädt eine Vorbildfunktion ein, so Thomas Heinicke, Biologe im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg.

1996 nahm die Stiftung Euronatur Rühstädt in die Liste der europäischen Störchendörfer auf. Vertreten sind in diesem Netzwerk zehn Regionen, sechs davon in Osteuropa, westlich von Deutschland bietet nur noch Spanien paradiesische Bedingungen für die Vögel. Südlich sind die Schweiz und Österreich mit Storchendörfern vertreten.

Verglichen mit Gebieten östlich der Oder punktet Rühstädt nicht unbedingt mit der Zahl der Storchenpaare, die hier jährlich brüten. Hier befindet sich zwar die größte Brutkolonie Deutschlands - allein auf einem polnischen Bauernhof sind jedoch im vergangenen Sommer 126 Einzelstörche - rund 60 Paare - gezählt worden. Das Besondere an Rühstädt sei der Umgang mit landwirtschaftlichen Interessen. "Gemessen an der Ackerfläche haben wir haben rings um Rühstädt über 50 Prozent Grünland, geschuldet ist das vorrangig dem jährlichen Hochwasser der Elbe", ergänzt Ulrich Blum, Vorsitzender des Storchenclubs und selbst Landwirt.

Generell intensiviere sich die Ackernutzung. Nach dem Beitritt Polens zur EU, wird das auch dort zunehmend der Fall sein, glaubt Biologe Thomas Heinicke. Das bedeute, es gibt vorwiegend Mais-, Raps-, oder Getreideflächen. "Das Grünland, das die Nahrungsgrundlage für Störche bildet, wird weniger."

Hinzu kommt, dass große Flächen schlagartig abgeerntet werden, dann sei für kurze Zeit das Nahrungsangebot sehr hoch. "Danach ebbt es wieder ab, die Störche finden zu wenig", so Heinicke. Das wiederum führe dazu, dass weniger Jungtiere flügge werden. Im Schnitt seien es etwa ein bis drei Tiere, bei einem optimalem Nahrungsangebot hingegen vier bis fünf pro Paar.

Um den Bestand dennoch zu sichern, setzen sich die Biosphäre und der Rühstädter Storchenclub mit Ulrich Blum an der Spitze für neue Maßnahmen in der Agrarförderpolitik ein. An erster Stelle stehe eine ausgewogene Nutzung der Ackerflächen. Dies zu vermitteln hat sich Rühstädt bei den jährlichen Treffen der europäischen Storchendörfer auf die Agenda gesetzt. "Wir zeigen die Folgen intensiver Landwirtschaft auf und beraten entsprechend", erläutert Heinicke die Vorbildfunktion.

In diesem Zusammenhang spiele auch die Unterstützung der Bevölkerung eine große Rolle. Der Rückhalt habe erst dafür gesorgt, das Rühstädt sich so weit entwickeln konnte, dass jährlich tausende Urlauber nach Rühstädt streben. "Das ist ein wichtiger Aspekt, denn ohne die Leute, die dahinter stehen geht es nicht", so Heinicke.

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