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Der Prignitzer

16. Dezember 2017 | 15:55 Uhr

Rückkehr an die "Übungsorgel"

vom

svz.de von
erstellt am 30.Sep.2013 | 06:05 Uhr

Wittenberge | Wenn Stephan Paul Audersch seine Finger auf die Manuale legt, sie wie beiläufig über die schwarzen und weißen Tasten flitzen lässt und schließlich zum großen Finale auch die Register der Pedale mit erklingen lässt, ist ihm die Freude regelrecht anzumerken. Die Freude darüber, dass die große Orgel in der Wittenberge Stadtkirche ihrem stattlichen Erscheinungsblid nach langen Jahren der Defekte und des technischen Verfalls auch akustisch wieder gerecht wird.

Audersch, heute Kirchenmusikdirektor in Leipzig und Organist an der Bethanienkirche im Stadtteil Schleußig, hat zu dem Wittenberger Instrument eine besondere Beziehung. "Meine Eltern haben in Wittenberge gewohnt. Ich habe in Görlitz und Halle Kirchenmusik studiert, und wenn ich hier in der Prignitz zu Besuch war, habe ich viel auf der Orgel geübt und zeitweise den damaligen Kanor Günter Papst vertreten." In dieser Zeit habe sich der Verfall des Instruments bereits deutlich bemerkbar gemacht, kein Vergleich zum heutigen Zustand, der nach der umfangreichen Restauration erstklassig ist.

"Es macht einfach Spaß, hier wieder auf einem voll funktionsfähigen Instrument spielen und im wahrsten Sinne des Wortes alle Register ziehen zu können", sagt der Musiker mit ehrliche Begeisterung. "Aber heute werde ich sie nicht voll ausfahren, denn das Programm, was ja vorwiegend aus Alter Musik besteht, taugt dafür nicht."

So erklingen Stücke von Johann Pachelbel, Georg Muffat und Johann Jakob Frohberger, aber auch Werke von Bach und Dietrich Buxtehude, füllen das große Kirchenschiff mit leisen Melodiespielereien oder durchdringenden Crescendi. "Das schöne hier ist, dass das Instrument dem Raum angemessen ist. Die Orgel erschlägt den Raum nicht, wie es andernorts, vor allem in kleinen Kirchen, bis weilen vorkommt", sagt Audersch.

Obwohl ihm sein Leipziger Amt nur wenig Zeit lässt, überhaupt auf Konzertreisen zu gehen, nimmt er sich für die Elbestadt etwas Zeit. "Ich war vor dem Konzert eine Stunde in der Stadt spazieren, und es ist schon beeindruckend, wie sich alles verändert. Man sieht, dass die Abwanderungsquote hoch ist, und die Verwaltung versucht, hier das Leben am Laufen zu halten."

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