Rundlokschuppen bundesweit eine Rarität : Rotunde: Ruine und Zukunftshoffen

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Stadt lässt Dachteile am Rundlokschuppen sichern. Gebäude von großem eisenbahnhistorischem Wert

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20. November 2014, 12:00 Uhr

Es ist ein Rückbau und kann doch gleichzeitig auch eine Investition in die Zukunft eines Lokschuppens sein, den es in dieser baulichen Ausführung nur noch dreimal in Deutschland gibt. Die Rede ist vom Lokschuppen I auf dem Gelände des alten Bahnbetriebswerks hier in der Stadt. „Teile des Dachs drohen einzubrechen, auf Gleisanlagen zu stürzen“, sagt Bauamtsleiter Martin Hahn. Die Stadt müsse handeln, Dachelemente zurückbauen bzw. sichern. Dass dafür auch das brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege einen gewissen Betrag zur Verfügung stellt, mag die Bedeutung unterstreichen, die der Rundlokschuppen bzw. dessen Überreste heute noch besitzen. Er wurde 1872 von der Berlin-Hamburger Eisenbahngesellschaft errichtet.

Dennis Kathke, Mitarbeiter im städtischen Bauamt und außerdem Eisenbahnenthusiast, erklärt, Rundlokschuppen seien geschlossene Kuppelbauten, in der Mitte die vor Witterung geschützte Drehscheibe.


Verein hofft auf Wiederbelebung


Der Rundlokschuppen hier im Bw hat keine Drehscheibe mehr. Sie soll Anfang der 90er Jahre noch von der Bahn selbst demontiert worden sein. Mittlerweile ist die Grube verfüllt. Auf dem Gelände wird heute geparkt.

Ursprünglich überspannte eine gläserne Kuppel den Lokschuppen. Sie ist in den 70er Jahren bei einem Unwetter stark beschädigt und dann abgerissen worden sein. Wegen seiner Form und der Glaskuppel werden derartige Lokschuppen auch Rotunde genannt. Heute sind von dem Bauwerk, das unmittelbar an die große und vor drei Jahren sanierte Wasserstation grenzt, noch vier Stahlstützen mit Mauerwerk und Teile der Dachkonstruktion erhalten. Auch wenn es sich nur noch um Gebäudefrakmente handelt, seien sie von historischer Bedeutung, sagt Kathke. Denn nur in Berlin-Rummelsburg und -Pankow gebe es, bundesweit gesehen, zwei weitere Rotunden. Auch bei ihnen würde es sich allerdings um Fragmente von Rundlokschuppen handeln, augenscheinlich dem Verfall preisgegeben.

So gesehen besitzt Wittenberge eine bauliche Rarität, die Eisenbahngeschichte verkörpert. Und die beiden Vereine, die auf dem Gelände des ehemaligen Bw das größte Eisenbahnmuseum Brandenburgs führen, hegen die stille Hoffnung, so ist von Mitgliedern zu hören, dass die Rotunde eines Tages zumindest in Teilen wiedererstehen könnte.


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