Romanze im eisigen Wasser

Das Maskottchen der  Cumlosener Eisbader: Jörg Molz mit der Ratte.
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Das Maskottchen der Cumlosener Eisbader: Jörg Molz mit der Ratte.

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14. November 2010, 07:08 Uhr

Cumlosen | Auch ohne knallrotes Gummiboot haben sie ihren Spaß im Cumlosener Brack. Die Eisbären aus Brandenburg, die Rügener Donnerkeile oder die Gardelegner Eisspringer Sie alle sind zu den Brackratten gekommen, um mit ihnen gemeinsam am Sonnabend die Eisbadesaison zu eröffnen.

Sieben Grad hat das Wasser, elf die Luft. "Es könnte kälter sein", sagt der Zitteraal aus dem Rügener Ostseebad Sellin. Sein bürgerlicher Name sei unerheblich, in diesem Kostüm sowieso. Dreizack und Netzüberwurf weisen ihn als Neptun aus. Eilig hat er es nicht, aus dem Wasser herauszukommen. Seine Badewanne stehe direkt neben der Seebrücke. Am schönsten sei es, zwischen Eisschollen ins Wasser zu gehen. Seit zwölf Jahren ist der Zitteraal ein Eisbader. "Ein Einzelkämpfer ohne Verein", sagt er. Aber er fahre zu anderen Vereinen, war am Vormittag noch in Berlin, jetzt in Cumlosen. "Man kennt sich und trifft sich immer wieder."

Von einem für sie ganz besonderen Treffen erzählen Heike und Thomas Gose von den Brandenburger Eisbären. Manche Romanze mag ja an einem lauschigen Sommerabend, bei plätschernden Wellen im warmen Sand beginnen. Nicht so bei ihnen. Das Rauschen fallender Blätter, trüber Himmel und Wassertemperaturen im einstelligen Bereich führten sie zusammen. Heike war Mitte 40, als sie erstmals mit den Eisbären ins kalte Wasser stieg. "Vielleicht war es eine Midlifecrisis, die mich dazu trieb", lacht sie und schaut verliebt ihren Thomas an, der schmunzelnd antwortet: "Ja, ich war wohl auch in einer Krise." Jedenfalls wurde es den Beiden ganz schön heiß im Wasser und heute sind sie ein Paar.

Neun Gastvereine begrüßt Oberbrackratte Jörg Molz zu dem beliebten Spektakel. Kommendes Wochenende sind sie es, die anderswo zu Gast sein werden. Es geht nach Waren an der Müritz. Allerorts beginne jetzt die Saison. "Wir treffen uns immer sonntags um 10.30 Uhr am Brack", so Molz. Wer mag, ist willkommen. Wolfgang Boche aus Perleberg nimmt diese Einladung an. Schon lange habe er überlegt, sei aber bisher alleine ins kalte Nass gestiegen. Die Stimmung in Cumlosen überzeugte ihn. Nun will er häufiger kommen.

Das sagte sich vor zwei Jahren auch Familie Hünert aus Niedersachsen. "Wir besuchten Freunde und waren so begeistert vom Brackspektakel, dass wir jedes Jahr hierher fahren, aber nicht ins Wasser gehen", verrät Martina Hünert. Die knapp 200 Kilometer lohnen sich für sie. "So etwas würden die Leute bei uns nie auf die Beine stellen, dazu muss schon etwas verrückt sein." Am liebsten würde sie einen ganzen Bus mieten, "doch dann wäre es vielleicht nicht mehr so gemütlich". Jetzt wolle sie erst mal mit ihrer Tochter Henriette Kuchen essen. Auch den gibts heute. "Natürlich selbst gebackenen und dazu ein wärmendes Lagerfeuer", lädt Jörg Molz Eisbader und Schaulustige ein.

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