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Der Prignitzer

20. November 2017 | 09:06 Uhr

Automobil : Rollendes Oldtimermuseum

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erste Ausfahrt des Jahres führte den Glas- und Goggo-Stammtisch Berlin über die ehemalige Fernverkehrsstraße 5

von
erstellt am 02.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Autofahrer, die am Donnerstag gegen 13 Uhr die B 5 bei Quitzow passierten, dürften ihren Augen nicht getraut haben. Der gesamte Parkplatz gegenüber der Raststätte hätte einem gut ausgestatteten Oldtimermuseum locker Paroli bieten können – die feine Note von Bremsen und Schmieröl allerdings ließ keinen Zweifel daran, dass die schönen Gefährte hier keine Anschauungsobjekte waren, sondern sich auch im Straßenverkehr austoben durften.

Aber was führt ein Kolonne von 51 Fahrzeugen – darunter Oldtimer von Porsche über Karman Ghia, Volvo 1800ES und Ferrari 208 GT4 bis hin zu Exoten wie dem Goggomobil – ausgerechnet nach Quitzow? Matthias Hermann, Organisator der Tour, weiß Bescheid. „Die Teilnehmer gehören zum Glas- und Goggostammtisch Berlin, und das ist unsere erste gemeinsame Ausfahrt in diesem Jahr. Hans Glas war ein Landmaschinenhersteller in Dingolfing, der später auch Automobile fertigte, darunter das bekannte Goggomobil. Nachdem Glas in finanzielle Schieflage geraten war, wurde das Werk Ende 1966 von BMW übernommen.“

Viele der Mitglieder hätten neben ihrem Goggomobil, dem bis zu 20PS starken Kleinwagen mit zwei Vorder- und allenfalls zwei halben Rücksitzen, noch ein „richtiges“ Fahrzeug, sagt Hermann und muss schmunzeln. Daher die Typenvielfalt auf dem Parkplatz.

Die Route über Quitzow sei mit Bedacht gewählt, erklärt Hermann. „Wir fahren entlang der ehemaligen Fernverkehrsstraße 5, der heutigen B  5, da dies die einzige Transitstrecke von West-Berlin in die Bundesrepublik war, die nicht über die Autobahn führte.“ Von Berlin aus sind fünf Tagesetappen bis Hamburg geplant, einen Zwischenstopp legt die Gruppe in Schwerin ein. „Toll war unser Besuch im Wegemuseum Wusterhausen, da hier die Geschichte der F  5 erlebbar wird. So gibt es beispielsweise zahlreiche Schilder, die noch aus der Besatzungs- und DDR-Zeit stammen. Das war wirklich interessant.“

So mancher Teilnehmer hat auf der F  5 seine ersten großen Touren absolviert. „Ich bin damals von Berlin aus mit meinem Moped vom Typ Kreidler Florett bis nach Sylt gefahren und habe dort ein paar Tage verbracht“, berichtet Hans-Joachim Schulz. „Mit 30 Mark bin ich losgezogen und fast umgekippt, als mir der Kellner auf der Insel fünf Mark für eine Cola berechnete.“ An die Prignitz habe er eine ganz besondere Erinnerung, sagt Schulz. „In Perleberg habe ich an einer Kreuzung beim Abbiegen vergessen, den Arm rauszuhalten. Das hat die Volkspolizisten auf den Plan gerufen, die dafür zehn Mark von mir haben wollten. Ich hatte aber nur noch ganze neun Pfennig, da haben sie mich weiter gewunken.“

Es sind diese Geschichten, die bei den Touren des Glas-Stammtisches erzählt werden und eine Ausfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

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