Rodung wider geltenden Rechts?

<strong>Diese Schneise</strong> wurde parallel  zur B 5 zwischen Groß Warnow und Karstädt geschlagen. <foto>Petra Ferch</foto>
Diese Schneise wurde parallel zur B 5 zwischen Groß Warnow und Karstädt geschlagen. Petra Ferch

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13. März 2013, 05:28 Uhr

Karstädt/Gross Warnow | Baum stümpfe säumen vielerorts die B5 und ihre Nebenstraßen zwischen Karstädt und Groß Warnow, stapelweise liegen die Stämme gefällter Bäume an Sammelplätzen aufgeschichtet. Nahe des Abzweiges nach Bootz haben Arbeiter mit Motorsägen eine breite Schneise, die parallel zur B5 verläuft, in ein Waldstück geschlagen.

Diese Rodungen im Bereich der künftigen A 14-Trasse sind laut einer Pressemitteilung des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) entgegen des gültigen Planfeststellungsbeschlusses durchgeführt worden. Der BUND begründet seine Anschuldigungen damit, dass die so genannten vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen, die eine kontinuierliche ökologische Funktionalität von Fortpflanzungs- und Ruhestätten der durch den Bau beeinträchtigten Tier- und Pflanzenarten sichern sollen, nicht rechtzeitig im notwendigen Ausmaß fertig gestellt worden seien. Von den mehr als 30 laut Planfeststellungsbeschluss notwendigen Maßnahmen seien erst zwei begonnen worden, eine davon noch dazu an einer falschen Stelle, kritisieren die Naturschützer.

"Der Beschluss ist geltendes Recht, daran muss sich auch das Infrastrukturministerium halten", sagt Wilfried Treutler, Kreisvorsitzender des BUND. "Wir haben unsere Einschätzung in Potsdam vorgetragen und erwarten bis Ende des Monats eine Entscheidung. Wenn die Arbeiten nicht unterbrochen werden, sehen wir uns gezwungen, beim Bundesverwaltungsgericht einen Eilantrag zu stellen, um den Baustopp gerichtlich durchzusetzen."

Das Ministerium weist die Vorwürfe des BUND zurück. "Die Auflagen der Planfeststellung zum Bauzeitenmanagement wurden bisher beachtet und werden auch zukünftig eingehalten", informierte Pressesprecher Jens-Uwe Schade auf Nachfrage. Im Übrigen erfolgten Bauarbeiten nur in Bereichen, in denen kein artenschutzrechtlich relevanter Eingriff ausgeglichen werden muss, und würden unter Hinzuziehung der zuständigen Naturschutzbehörde laufend kontrolliert. Auf die Frage, wie groß die bisher bereits und künftig noch zu rodenden Waldflächen sind, gab Schade hingegen keine Auskunft.

Als Hintergrund der Rodungen, die bereits seit Herbst 2012 in Gange sind, vermutete der BUND Zeitdruck bezüglich der Fördergelder, da die verplanten EU-Mittel bis Ende 2015 abzurechnen sind. Dazu müsse aber der Abschnitt von Karstädt bis Groß Warnow in Betrieb genommen worden sein, heißt es in der Pressemitteilung.


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