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Der Prignitzer

24. September 2017 | 07:10 Uhr

Rockige Gitarren und treibender Rhythmus

vom

svz.de von
erstellt am 02.Jun.2013 | 06:02 Uhr

Lenzen | Die große Überraschung blieb am Sonnabend aus. Routiniert, aber keinesfalls gelangweilt, präsentierten sich die Puhdys in Lenzen am Rudower See. Gut 2000 wollten ihre Band sehen und manch einer der Besucher verbindet sehr persönlich Erlebnisse mit dieser legendären Ostrockband.

Madlen und Mathias Schlede haben die Jungs vor 18 Jahren live gesehen. Sie wohnen in Polz und sind mit ihren Kindern nach Lenzen gekommen. "Wir mögen ihre Musik, denken gerne an unser erstes Puhdys-Konzert zurück und wollten unseren Kindern die Chance geben, sie ebenfalls live zu erleben", verrät Madlen Schlede.

"Ich kenne die Band", sagt die sechsjährige Maxi dann auch selbstbewusst und wie zur Bestätigung nennt sie ihren Lieblingstitel "Alt wie ein Baum". Bruder Tom musste diesen sogar in der Schule lernen. "Ganz klar, dass wir nicht ohne sie fahren konnten. Außerdem ist heute Kindertag", so Madlen Schlede.

Ihre Kinder sind nicht die einzigen an diesem Abend. Zu den emotionalsten Momenten gehört fraglos jener, in dem Dieter Birr zwei Mädchen aus der ersten Reihe auf die Bühne zieht. Sie bekommen jeweils eine Gitarre in die Hand gerückt und dürfen zusammen mit den Männern abrocken, während ihre Eltern diesen historischen Augenblick mit Fotoapparaten festhalten.

Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt legt ein perfektes Solo hin und während manch ein Fan zunächst über das Alter von Bandsenior Peter Meyer erschrak, zeigt der über 70-Jährige zwischendurch am Saxophon, dass das Alter scheinbar spurlos an ihm vorbei zieht. Wie zur Bestätigung singt Peter Meyer kurz darauf mit den Fans "Lebt denn der alte Holzmichl noch".

Der Band gelingt ein guter Mix aus neuen Liedern und ihren berühmten Songs. Mit "Unser Schiff" vom aktuellen Album "Es war schön" starten sie ins Konzert und spielen im Verlauf des Abends zwei weitere Titel dieses Albums. Sehr melodiöse und hörenswerte Texte haben sie darauf vereint, die die Puhdys musikalisch von einer anderen Seite zeigen. Aber dennoch bleiben sie ihrem ganz typischen Sound treu: treibende Rhythmusgruppe und rockige Gitarren versus stimmungsvolle Synthi-Klänge und mehrstimmiger Gesang.

Andreas, Reina und Katrin aus Lenzen tanzen bei allen Liedern mit, aber vor allem wollen auch sie die die ganz großen Hits hören und müssen sich gedulden. Je später der Abend, desto vertrauter die Texte. Bei "Alt wie ein Baum" erweist sich das Publikum als absolut textsicher.

Die Zugabe müssen die Herren auf der Bühne eigentlich nicht ankündigen. Nur noch zwei ihrer ganz großen Hits fehlen zu diesem Zeitpunkt. Mit "Hey, wir woll’n die Eisbärn sehn" peitschen sie die Stimmung noch einmal an, bevor sie ins Jahr 1984 springen und ihre Friedensballade "Das Buch" singen. Ein Titel, der in Anbetracht von Umweltzerstörung und kriegerischen Auseinandersetzungen bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Für die Band war es in ihrem 44. Bühnenjahr der erste Auftritt in Lenzen, aber nicht ihr erster Besuch in dem Löcknitzstädtchen. Dieter Quaster Hertrampf hat sehr gute Erinnerungen an die kleine Stadt. "Ich habe hier ein Wagner-Klavier gekauft", sagt er. Das muss Mitte der 80er Jahre gewesen sein. "In der DDR ein Klavier zubekommen, war fast unmöglich. Die Wagner-Klaviere gingen ausnahmslos in den Westen."

Doch dann bekam er die Gelegenheit und fuhr nach Lenzen. Hier gab es die Wagner-Pianofabrik, ein ehemaliger VEB-Betrieb, der heute nicht mehr existiert. "Bei einem Rundgang schaute ich mir die Fabrik an und war heute enttäuscht, als ich erfuhr, dass es sie nicht mehr gibt", sagt Quaster.

Bereits am Freitag rief nach unserer Veröffentlichung des Interviews mit Peter Meier eine Leserin in unserer Redaktion an. Sie konnte sich an den Klavierkauf erinnern, denn ihr verstorbener Mann Klaus-Jürgen Geil war damals Betriebsdirektor. Er habe ihr sogar ein Autogramm von den Puhdys mitgebracht.

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