100 Hells Angels in Potsdam zusammengekommen : Rockerszene sortiert sich wieder neu

 Gründen die Hells Angels sich neu? In einer Gaststätte in Potsdam versammelten sich  rund 100 Mitglieder der Rockergruppe. Die Polizei ist alarmiert. dpa
Gründen die Hells Angels sich neu? In einer Gaststätte in Potsdam versammelten sich rund 100 Mitglieder der Rockergruppe. Die Polizei ist alarmiert. dpa

Polizei im Großeinsatz: Die Rockerszene in der Hauptstadtregion schafft sich offenbar neue Strukturen. Ein Treffen von mehr als 100 Hells Angels sorgte am Freitagabend in Potsdam für Aufsehen.

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26. November 2012, 10:24 Uhr

Potsdam | Die Rockerszene in der Hauptstadtregion schafft sich offenbar neue Strukturen. Ein Treffen von mehr als 100 Rockern sorgte am Freitagabend in Potsdam für Aufsehen. Anhänger der Hells Angels aus Brandenburg und Berlin versammelten sich in einem Lokal in der Innenstadt, wie ein Polizeisprecher sagte. Das Café in der Charlottenstraße war einst das Clubhaus des Potsdamer Charters der Hells Angels, das sich im Sommer nach eigenen Angaben selbst auflöste. Laut Innenministerium in Potsdam sind inzwischen aber neue Strukturen geschaffen worden und das Lokal ist weiterhin Treffpunkt von Rockern.

Ministeriumssprecher Ingo Decker sagte, derzeit gehörten etwa 400 Personen zur Rockerszene in Brandenburg. Dabei handele es sich um Mitglieder der Rockerbanden Hells Angels, Bandidos und Gremium sowie deren Support Clubs. Die Szene werde sehr aufmerksam beobachtet. Vor dem Hintergrund von Club-Verboten unter anderem in Berlin gebe es derzeit einige Verschiebungen und Umstrukturierungen.

Tendenziell sehe es so aus, als könnten die Hells Angels ihre Position gegenüber Bandidos und Gremium stärken, sagte Decker. Zwar habe sich das Charter Hells Angels MC Potsdam im Juni selbst aufgelöst. Dafür seien jedoch schon kurze Zeit später mit dem Hells Angels MC East Area neue Strukturen aufgebaut worden. Ein bekannter Treffpunkt sei die Bar in der Potsdamer Charlottenstrasse.

Dass sich die Rockerkriminalität nach dem Verbot eines Berliner Ablegers der Hells Angels nach Brandenburg verlagert, glauben die Ermittler eher nicht. Bei den Verschiebungen gehe es eher um die organisatorische Anbindung einzelner Personen, sagte Decker und betonte: "Die Rocker stellen ihre Tätigkeiten in Berlin nicht ein, auch wenn sie sich jetzt teilweise in anderen Strukturen in der Hauptstadtregion zusammenfinden." Bei dem Rockertreffen am Freitagabend waren Brandenburger und Berliner Polizisten gemeinsam im Einsatz. Die Rocker schlossen sich ein und ließen die Rollläden runter. Medienberichten zufolge sollen die Rocker erst nach Vermittlung durch eine Rechtsanwältin ab 23 Uhr gruppenweise die Veranstaltung verlassen haben. Die Polizei überprüfte bis Mitternacht etwa 30 Personen, wie der Polizeisprecher schilderte. Waffen wurden nicht gefunden, es gab auch keine Festnahmen. Auf eine Durchsuchung des Lokals verzichtete die Polizei. Zudem sollen an dem Treffen auch ranghohe Rocker der Berliner Hells Angels teilgenommen haben, darunter ein erst vor einiger Zeit aus der Haft entlassenes Mitglied.

Schon seit Monaten herrscht Unruhe in der Brandenburger und Berliner Rockerszene. Decker sagte, die Polizei übe länderübergreifend einen hohen Druck aus, denn die kriminellen Aktivitäten von Rockergruppen seien eine besondere Herausforderung für die innere Sicherheit. In diesem Jahr gab es bereits mehrere groß angelegte Razzien, bei denen zahlreiche Waffen beschlagnahmt und Personen festgenommen wurden.

Auch das Potsdamer Clubhaus der Hells Angels stand im Visier der Ermittler: Das Café wurde zweimal durchsucht. Dabei stellten die Polizisten zahlreiche gefährliche Gegenstände wie Macheten und Messer sicher. Die Internetseite des einstigen Hells Angels MC Potsdam ist zwar noch online. Jedoch findet sich dort nur der Hinweis, dass sich das Charter und seine Support Clubs aufgelöst haben. Das neue Charter Hells Angels MC East Area hat offenbar noch keine eigene Internetseite, steht aber auf der Liste der weltweit vertretenen Hells Angels Clubs.

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