Pferde fressen eigenen Kot: Tierarzt zieht die Notbremse : Rheinsberg: 160 Pferde vor Hungertod gerettet

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In einem provisorisch eingerichteten Stall in Linow sind die eingefangenen Pferde übergangsweise untergebracht.dpa

Der Pferdehof bei Rheinsberg ist schon mehrfach aufgefallen. Nun haben die Behörden

einen Schlussstrich gezogen. Knapp 160 ausgehungerte und verwahrloste Pferde hat das Veterinäramt in Sicherheit gebracht.

svz.de von
13. März 2013, 07:11 Uhr

Linow/Neuruppin | Die Behörden waren schon länger alarmiert - nun griffen sie ein: Knapp 160 ausgehungerte und verwahrloste Pferde hat das Veterinäramt in Linow bei Rheinsberg in Sicherheit gebracht. Matthias Rott, Amtstierarzt des Kreises Ostprignitz-Ruppin, wirft den Haltern vor, die Tiere unzureichend versorgt zu haben: "Bei einer Kontrolle haben die Tiere ihren eigenen Kot gefressen, weil sie kein Futter mehr hatten." Zwei Stuten mussten seinen Angaben zufolge eingeschläfert werden, weil sie unter stark eiternden Wunden litten. Die anderen Tiere sind auf mehrere Höfe in der Region verteilt worden.

Im Visier der Behörden stehen die 52 Jahre alte Betreiberin des Hofes und ein 60-Jähriger, der seit Kurzem dort lebt. Der Landwirt aus Frauenhagen ist der Justiz bekannt: Mehrfach ist er wegen Tiermisshandlungen aufgefallen.

Tierschützer beobachteten das Treiben von Peter S. bereits seit Jahren. Im Internet machten sie ihrem Ärger über die "Todeskoppel von Peter S." Luft. Zuletzt war S. im November 2012 vom Amtsgericht Schwedt zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Gegen die Frau und den Mann ist nach Angaben von Rott 2012 ein Halte- und Betreuungsverbot ausgesprochen worden. Die Polizei habe allein im vergangenen Jahr knapp 50 -mal Pferde einfangen müssen, die sich auf fremden Feldern sattfraßen.

Dass die Behörden erst jetzt eingriffen, obwohl die Tiere seit Langem wie Wildpferde gehalten wurden, begründet Rott mit mehreren Halterwechseln. Die Eigentümer hätten als Halter erst einen Schwedter angegeben, anschließend eine junge Frau aus Barnim, dann wieder einen Mann. Den Haltern konnten jeweils nur Fristen zum Handeln gesetzt werden. Erst als die Hofbetreiberin selbst wieder als Halterin registriert gewesen sei, habe er eingreifen können, sagt Rott. Außerdem hatte der Amtstierarzt bereits vergangenen Donnerstag 30 verwilderte Tiere in Sicherheit gebracht. Nun ließ er die anderen 129 Pferde einfangen. Unter ihnen seien rund 40 trächtige Stuten. Es habe die konkrete Gefahr bestanden, dass die Fohlen nach der Geburt verhungert wären.

Jedes der beschlagnahmten Pferde wird medizinisch untersucht und auf seine Identität hin geprüft. Auch die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt: Gegen die Frau habe die Behörde bereits im Februar Anklage wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erhoben, sagte Sprecher Detlef Hommes. Sie soll sich dafür verantworten, dass eines ihrer Tiere im Juni 2012 an einem "Schnabelhuf" litt. Dies geschieht, wenn ein Pferd lange unversorgt auf matschigem Grund steht. Zudem geht es um ein lahmendes Fohlen.

Um die Besitzverhältnisse zu überprüfen, hat die Staatsanwaltschaft den Hof in Linow durchsucht und auch Unterlagen sichergestellt. Die Kosten und Folgekosten des Einsatzes werden laut Rott im sechsstelligen Bereich liegen. "Die Tiere müssen behandelt und rund um die Uhr bewacht werden. Die Besitzer haben schon versucht, die Tiere zu befreien", sagt Rott.

Die Motive der Halter sind den Behörden ein Rätsel. Laut Rott handelt es sich bei beiden um Diplomlandwirte. Doch zuletzt hätten sie ihre Tiere weder verkauft noch genutzt.

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