aus dem gerichtssaal : Reue kam für Thomas R. zu spät

Wittenberger zu zwei Jahren und sieben Monaten Haftstrafe verurteilt

svz.de von
14. März 2014, 12:00 Uhr


Der Fall: Der 37-jährige Thomas R. wurde gestern von der dritten großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin wegen Diebstahls und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt.

Zwei Jahre und sieben Monate: Das heißt für den bisher nicht vorbestraften Thomas R., dass er ins Gefängnis muss, weil er einem 69-Jährigen eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen hatte. „Hätten Sie sich von Anfang an zu Ihrer Tat bekannt, hätten wir vielleicht noch eine Bewährungsstrafe aussprechen können“, sagte der Vorsitzende Richter Udo Lechtermann gestern. Doch erst in letzter Minute hatte der 37-jährige Angeklagte Reue gezeigt. „Es tut mir alles wahnsinnig leid. Ich erkenne mich nicht wieder“, sagte er gestern vor Gericht.

Die Richter gingen von folgendem Sachverhalt aus: Am Herrentag 2012 war Thomas R. mit Dennis N. zum Angeln mit dem Schlauchboot auf dem Rudower See unterwegs. Dabei tranken die beiden auch das ein oder andere Bier. „Wie es am Herrentag so üblich ist“, sagte Richter Lechtermann. Als Thomas R. einmal austreten musste, hielten sie an einem Steg an. Dabei entdeckten die beiden Männer ein Seegrundstück, das sie für unbewohnt hielten. Der bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilte Dennis N. schaute sich nach lohnenswerten Gegenständen um. Er brachte ein Verlängerungskabel, eine Seilwinde und ein Sixpack Bier auf das Boot. Ob Thomas R. mitgemacht hat oder nicht, spiele keine Rolle, so Lechtermann. Glaubt man dem Angeklagten, hat er vom Diebstahl seines Kumpels nichts mitbekommen. Diese Version nahm ihm das Gericht nicht ab.

Zu ihrer Überraschung tauchte plötzlich Grundstücksbesitzer A. auf und forderte sie auf, sich zu entfernen. Die beiden schlugen sich in die Büsche, während A. das Schlauchboot leer räumte. Ihr Auto stand weit weg. Jetzt mussten sie noch befürchten, dass sie nicht mehr mit dem Boot weg kamen. „Da fassten sie den Plan, sich den Rückzug notfalls auch mit Gewalt zu sichern“, sagte Lechtermann. Sie bauten sich vor dem 69-Jährigen auf. Thomas R. schlug mit der Bierflasche zu. Als er am Boden lag, stürzten sie sich auf ihn. Als A. kampfunfähig war, ergriffen sie die Flucht und ließen ihn liegen.

Seine Frau fand ihn schließlich. Eine Woche lag A. Im Krankenhaus. Ein Teil seines Ohres musste entfernt werden. Er hatte blaue Flecken am ganzen Körper und eine zehn Zentimeter lange Schnittverletzung am Kopf. Der Angeklagte und sein Kumpel haben sich nicht darum gekümmert, wie es ihrem Opfer ergangen ist. „Nach einem fröhlichen Grillen haben sie sich seelenruhig am nächsten Tag auf den Heimweg gemacht“, sagte Lechtermann.

Das Gericht hielt Thomas R. zugute, dass er bisher ein untadeliges Leben geführt hat und durch den Alkohol enthemmt war. Auch sein spätes Geständnis wertete es positiv. Schwer in die Waagschale fiel jedoch die Brutalität des Überfalls. „Wir glauben, dass Sie die Tat bereuen“, so Lechtermann. Doch die Reue kam zu spät.


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