Rettungsdienst: Kreis gut aufgestellt

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11. September 2012, 06:30 Uhr

Prignitz | 40 Notärzte sind für die Menschen in der Prignitz an drei Standorten im Einsatz. Diese Zahl nennt Lutz Dieckmann, Leiter des Notärzte Prignitz e. V. Hinzu komme die Hubschrauberstaffel von Christoph 39 und ein ständig diensthabender leitender Notarzt. "Im Extremfall könnten wir also fünf Notärzte gleichzeitig alarmieren", sagt Lutz Dieckmann. Ausgehend von den Negativberichten in den vergangenen Wochen zur Arbeit der Leitstelle und zur Koordinierung von Rettungseinsätzen wolle Dieckmann deutlich machen, dass der Kreis sehr gut aufgestellt sei.

Insbesondere der mitgliederstarke Notarztverein bilde das Rückgrat der medizinischen Einsatzkräfte. Andere Landkreise hätten im Vergleich zur Prignitz massive personelle Sorgen, betont Dieckmann. Zudem bilde die Prignitz mit neun Rettungswachen, zwölf Rettungswagen und 120 Rettungsassistenten "eine leistungsstarke Truppe". In den äußersten Randregionen könnten bei Bedarf benachbarte Rettungskräfte angefordert werden. Dazu bestünden entsprechende Abkommen. Dieckmann nennt als Beispiele Seehausen, Ludwigslust, Havelberg.

Die Leitstelle in Potsdam mache laut Dieckmann eine überwiegend gute Arbeit. Aber auch dort würden Menschen arbeiten, könnten Fehler nicht gänzlich ausgeschlossen werden. "Auch ein Disponent kann sich einmal verhören, wenn es um den Einsatzort geht", so Dieckmann. Ganz abgesehen davon, wenn der Leitstelle falsche Ortsangaben mitgeteilt werden.

Aus der Praxis wisse man, wo es schnell zu Verwechslungen kommen könne, Beispiel B 189 alt und B 189 neu. Für Auswärtige sei das schwierig zu beschreiben. "Wenn wir am angegebenen Unglücksort keinen Unfall finden, suchen wir weiter." Das sei auch Ende Juli geschehen, als bei Perleberg ein Ehepaar tödlich verunglückte. Der Notarzt wurde nach Weisen Waldsiedlung geschickt. "Der Unfall war dort aber nicht, also fuhren wir die B 189 weiter entlang. Zeitgleich suchte Christoph 39 aus der Luft nach der Unfallstelle", beschreibt Lutz Dieckmann den Ablauf.

Als der Unfallort korrigiert wurde, seien sie bereits auf dem Weg gewesen. Zeitlich hätte es keinen Sinn ergeben, den Perleberger Notarzt zu alarmieren. Für das ältere Ehepaar kam jede Hilfe zu spät. "Ein Rettungsassistent aus Magdebug hat fabelhaft erste Hilfe geleistet, aber die Verletzungen waren nicht zu überleben", sagt Dieckmann. Alle Einsatzkräfte seien tief berührt gewesen, haben die Glückwunschkarten und Geschenke im Auto liegen sehen. Das Paar wollte offenbar zu einer Familienfeier fahren.

Katrin Krüger als leitende Hubschrauberärztin bestätigt aus ihrer Erfahrung, dass die Einsätze gut ablaufen. Seit viereinhalb Jahren fliegt Christoph 39 von der Perleberger Luftrettungsstation aus. In dieser Zeit wurde der Flieger immer häufiger vorsorglich zu Unfällen angefordert, um Patienten in Spezialkliniken zu bringen. Meistens entscheide der Notarzt während der Behandlung, ob das geschehen soll.

Eine weitere Neuerung: Leitstellen erkennen durch ein Navigationsgerät, ob und wo sich die Hubschrauber in der Luft befinden. Dadurch können sie bereits während eines Fluges zu neuen Einsätzen geschickt werden, sofern kein Patient an Bord sei. Übereinstimmend sagen Dieckmann und Krüger, das "viele hundert Einsätze geräuschlos und ohne Probleme ablaufen".

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