Schnelle Medizinische Hilfe funktioniert : Retter halten Frist ein – fast immer

Nicht immer schnell genug: die Rettungswagen in der Prignitz. In etwa 91 Prozent der Fälle halten sie die gesetzliche Frist ein.
Nicht immer schnell genug: die Rettungswagen in der Prignitz. In etwa 91 Prozent der Fälle halten sie die gesetzliche Frist ein.

Rettungsdienst des Kreises trifft in 91 Prozent der Fälle innerhalb der gesetzlich vorgeschrieben Zeit am Unglücksort ein

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11. Juli 2014, 08:00 Uhr

In 90 bis 91 Prozent der Fälle treffen die Rettungskräfte in der Prignitz innerhalb der gesetzlichen Frist am Einsatzort ein. Das geht aus einer vom Landkreis vorgelegten Statistik für die Jahre 2012 und 2013 hervor. Diese hatte das Gesundheitsministerium angefordert. Hintergrund war eine mündliche Anfrage des Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Michael Schierack (CDU). Damit liegt der Kreis zwar brandenburgweit im Mittelfeld, aber verfehlt klar die gesetzlich vorgegebenen 95 Prozent.

Der im Kreis zuständige Sachbereichsleiter Erich Schlotthauer nennt dafür zwei Hauptgründe: „Witterungsbedingt kommt es in unserem Flächenkreis ab und an zu längeren Fahrzeiten. Das kann beispielsweise bei Glatteis, Schnee oder Nebel der Fall sein“, sagt er.

Die zweite Ursache seien Fehler der Leitstelle in Potsdam. Es komme immer wieder vor, dass falsche Einsatzorte gemeldet werden, so Schlotthauer. „Solche Fehler werten wir mit der Leitstelle aus“, sagt er. Vor zwei Jahren hatte unsere Zeitung mehrere gravierende Fehlmeldungen der regionalen Leitstelle Potsdam im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen aufgedeckt. In einem Pressegespräch hatten die Verantwortlichen damals Besserung gelobt.

Generell sei der Rettungsdienst im Kreis gut aufgestellt. Im Ergebnis eines Gutachtens wurde in Neu Schrepkow die neunte Rettungswache eröffnet. Zusammen mit den drei Notarztstandorten in Wittenberge, Perleberg und Pritzwalk könnten 98 Prozent der Landkreisfläche binnen der Hilfsfrist erreicht werden. Diese beträgt in Brandenburg 15 Minuten und gilt vom Treffen der Einsatzentscheidung in der Leitstelle bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels am Unglücksort. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt beträgt die Frist zwölf Minuten, in Mecklenburg zehn, in Niedersachsen 15.

Mittelfristig wolle der Kreis sein System weiter ausbauen und verbessern. „Wir streben eine Zertifizierung, ein Gütesiegel an“, sagt Erich Schlotthauer. Priorität zuvor habe jedoch die Umsetzung des 2013 vom Bundestag beschlossenen Notfallsanitäter-Gesetzes. Danach erhalten Notfallsanitäter künftig eine höhere Qualifikation als Rettungsassistenten. „Das ist ein riesiger personeller und finanzieller Aufwand“, so Schlotthauer.

Lehrpläne an den zwei brandenburgischen Schulen in Potsdam und in Bad Saarow sind zu ändern, mit den Krankenkassen muss über die Finanzierung verhandelt werden. Anfang 2015 soll mit der Ausbildung begonnen werden, das zumindest sei der Plan. Aktuell laufen bereits Qualifizierungsmaßnahmen für Rettungsassistenten, die aufgrund ihrer Berufserfahrung keine komplett neue Ausbildung machen müssten, erklärt der Sachbereichsleiter.

Als Wunsch formuliert Erich Schlotthauer gemeinsame und einheitliche Ausbildungsmöglichkeiten über Ländergrenzen hinweg. Dabei denkt er an die direkten Nachbarn. Gespräche dazu laufen, ob es zu tragfähigen Lösungen kommen wird, sei aber noch nicht absehbar.


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