Plattenburg : Rendezvous mit Zwergen und Feen

Die Ritter streiten sich heftig um Herzensdame Julia.  Fotos: Barbara Haak (4), Mike Laskewitz (2), thomas Bein
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Die Ritter streiten sich heftig um Herzensdame Julia. Fotos: Barbara Haak (4), Mike Laskewitz (2), thomas Bein

Auf der Plattenburg genossen Tausende am Wochenende Mittelalter-Fantasien

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20. Juni 2016, 05:00 Uhr

Das Einhorn lebt. Tausenden ist es am Wochenende auf der Plattenburg begegnet, als sie dort in die Anderswelt der Zwerge, Feen und anderer Fabelwesen eintauchten.

In der Anderswelt wird gescherzt, gezaubert, gelacht und gekämpft, nicht nur um das letzte Einhorn, sondern auch um schöne Frauen. Und da geht es wahrlich nicht zimperlich zu, schlagen sich die Ritter aus Böhmischen Landen mit Schwertern, treten mit Lanzen gegeneinander an. Ein Kompliment der jungen Frau, die der Ritter sich als seine Julia aus dem Publikum holte, sie mittelalterlich gewandete und zu seiner Herzensdame machte. Julia spielte perfekt mit. „Was Kleider so ausmachen“, staunte eine Zuschauerin.


Einmal Burgfräulein spielen


Ob diese Dame die Gelegenheit nutzte und sich auch noch passend für die Anderswelt kleidete, ist nicht bekannt. Aber Claudia und Tobias aus Berlin ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen. Beim Leipziger Falk Fiebig mit seinem Mytholon-Stand schlüpfte sie in ein Burgfräuleingewand mit weiten Ärmeln. Ihr Tobias musste ihr die Taille immer noch etwas enger schnüren, auch wenn die Luft schon etwas knapp wurde. „Ja, wir lieben das Mittelalter“, bekannten die beiden Hauptstädter. Deshalb war es für sie auch keine Frage: „Wir mussten unbedingt zum Plattenburg-Spektakel.“ Beim nächsten Mal kommt sie dann mit ihrem neuen Kleid und nicht mehr in Jeans und T-Shirt.

Schon vor einigen Jahren ist Gudrun Schneider aus Wittenberge auf ihr Traumkleid für die Anderswelt gestoßen. „Ich habe es hier auf der Plattenburg gekauft und ziehe es jetzt jedes Jahr mit der passenden Haube zum Spektakel an.“ An ihrer Seite die siebenjährige Emma. Sie ist mit Gudruns Schwester Marlen Schwarz aus Leipzig angereist, „weil wir zu den Zwergen und Feen wollten“, sagt Emma. Sie ist glücklich, dass sie sich verkleiden durfte als Prinzessin. Oder ist sie eine Fee? Die kleine Freya, die mit ihrer Schwester Cassandra, ihrer Mutter Madelaine Gebauer sowie Papa Erik Traumer die mittelalterliche Burganlage erkundet, weiß genau: „Ich bin eine Prinzessin.“ Und zur Bekräftigung schwenkt sie den rosafarbenen Tüllrock.

Wie eine echte Fee aus einer anderen Welt mutet jenes grazile Wesen an, das mal hier, mal da mitten unter den vielen Besuchern auftaucht. Anmutig spielt die junge Frau mit einer gläsernen Kugel – und verschwindet dann plötzlich wieder. Die nächste Fee erscheint. Ebenso anmutig. Sie trägt einen Frühlingskranz, schwingt einen riesigen Seidenfächer.

Deutlich irdischer geht es eine Ecke weiter zu. Hier fliegen Streitäxte und Pfeile. Rüdiger Wittche aus Kyritz spannt den Bogen, legt an. Trifft (noch) nicht. Er nimmt es mit Humor: „Die Grundrichtung stimmt aber.“ Der Mann erzählt, dass er vor etlichen Jahren auf der Plattenburg als Bauarbeiter an der Fassadensanierung mitgearbeitet hat. Und nun kommt er regelmäßig zum Spektakel.


Irdischen Genüssen nicht abgeneigt


Auch in der Anderswelt ist man irdischen Genüssen nicht abgeneigt. Burgvogt René Günter kredenzt Feen-Bier. „Es passt mit seiner Honig- und Holundernote perfekt ins Mittelalter“, ist er überzeugt. Und wenn die Leute es mögen, wird es künftig nicht nur für die Anderswelt gebraut, kündigt der Vogt an, bevor er den nächsten Tonbecher füllt.

Weiter geht es, vorbei an der schwingenden Leiter, auf der Konstantin aus Hamburg nach Gleichgewicht ringt und dann doch abstürzt. Richard aus Borgsdorf versucht sich in der Knappenschule, versucht sich mit Feder und Tinte. Mutter Cathrin Brunke ist angetan von dem, was der Sohn so alles kann. Und sie ist angetan von dem Angebot auf der Burg. „Es ist wie eine Zeitreise, total schön. In den Alltagssachen kommt man sich sogar etwas fehl am Platze vor“, findet sie.

Für viele Besucher fühlt sich die Reise in die Anderswelt nur komplett an, wenn sie auch entsprechend gekleidet sind. „Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr so viele Besucher in Kostümen gekommen sind“, sagt Mike Laskewitz vom Tourismusverband Prignitz. Der Verein war gemeinsam mit der Gemeinde Plattenburg und der Wittenberger Freizeitpark GmbH Veranstalter der zwei Tage Mittelalter-Fantasie. Sicher hat auch der gemeinsame Umzug der Akteure und kostümierten Besucher die Lust aufs Verkleiden noch gesteigert.

Janine Koch aus Wittenberge wollte auf jeden Fall beim Umzug dabei sein. „Hoffentlich halte ich durch“, sagte die junge Frau. Kaum war sie auf der Burg, klickten Handys und Kameras. Das von ihr selbst mit super tollen Ideen kreierte Kostüm eines Faun (Fabelwesen),verlangte ihr nämlich das Laufen nur auf dem Vorderfuß ab, der wie ein Huf geformt war. Zum Glück hatte Janine ihren David als Stütze dabei.

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