Azubi-Speed-Dating : Rendezvous mit dem Ausbilder

Bei einem Azubi-Speed-Dating im Hotel „Deutscher Kaiser“ in Perleberg gehen Bewerber und Firmenchef gegenseitig auf Tuchfühlung

svz.de von
07. März 2014, 12:00 Uhr

Unter Speed-Dating verstehen die meisten eine moderne Flirtmethode, bei der Singles in kurzer Zeit möglichst viele potenzielle Beziehungspartner kennen lernen können. Eine ungewöhnliche Form eines solchen Speed-Datings wird es am Sonnabend, dem 15. März, erstmals in der Prignitz geben: Statt Singles sitzen sich Ausbilder und Bewerber gegenüber, statt Gefühle in Wallung zu bringen ist hier ein Ausbildungsvertrag das Ziel aller Teilnehmer. Azubi-Speed-Dating nennt sich das Ganze und findet im Perleberger Hotel „Deutscher Kaiser“ von 10 bis 13 Uhr statt. Veranstalter ist die IHK Potsdam.

„Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem gewöhnlichen Speed-Dating“, erklärte Marion Talkowski von der IHK bei einem gestrigen Pressegespräch. „Ausbilder und Bewerber haben zehn Minuten Zeit, sich gegenseitig vorzustellen und kennen zu lernen. Bei Interesse können ein Bewerbungsgespräch oder ein Probearbeiten vereinbart werden oder der Ausbilder nimmt die Bewerbungsmappe gleich mit. Wenn die Zeit um ist, ertönt eine Glocke und die nächsten Bewerber nehmen Platz.“ 23 Prignitzer Betriebe hätten sich bis zum gestrigen Tag bereits angemeldet, insgesamt bieten sie 116 freie Ausbildungsplätze an. Die Betriebe kommen aus den unterschiedlichsten Branchen: „Vom Anlagenführer bis zum Zerspanungsmechaniker wird alles gesucht“, verdeutlicht Marion Talkowski.

Junge Leute, die dieses Jahr die Schule verlassen, haben noch die Möglichkeit, sich online über www.mach-es-in-brandenburg.de anzumelden. Dort können sie auch wählen, mit welchen Betrieben sie ins Gespräch kommen wollen. Auf der Veranstaltung bestehe außerdem die Möglichkeit, seine Bewerbungsunterlagen von drei Wirtschaftsjunioren prüfen zu lassen und sich Tipps zu holen.

Mit dem Azubi-Speed-Dating hat die IHK bereits in Potsdam gute Erfahrungen gemacht. Die Aktion ist ein neuer und moderner Ansatz, dem Fachkräftemangel in der Region entgegen zu wirken. Die Gastronomen Thomas Schneider von der Wittenberger Lucullus GmbH und Dietmar Dahse vom Kuhstall in Glövzin können davon ein Lied singen. Beide wollen an der Veranstaltung teilnehmen, suchen für das kommende Ausbildungsjahr noch händeringend Köche und Restaurantfachkräfte. „Noch habe ich keinen einzigen Bewerber“, sagt Schneider. Am liebsten hätte er sieben Azubis, „ich wäre aber schon froh, wenn ich jeweils zwei Köche und Restaurantfachleute finde“, so der Geschäftsführer.

Angesichts aktueller Zahlen macht er sich jedoch nicht viel Hoffnung. Laut Marion Talkowski beenden dieses Jahr prignitzweit 270 Zehntklässler die Schule. Allein 250 Lehrstellen stellt die IHK zur Verfügung. „Hinzu kommen noch offene Stellen aus den Bereichen Handwerk, Gesundheit, Landwirtschaft und so weiter. Unterm Strich kommen auf einen Bewerber zwei bis drei Ausbildungsplätze“, so Talkowski.

Betriebe müssten daher Anreize schaffen, damit junge Leute sich bei ihnen bewerben, wie Dietmar Dahse, der selbst zwei Lehrstellen zu besetzen hat, sagt. Eine Möglichkeit sehe er darin, Auszubildenden die Chance zu geben, während der Lehrzeit Gastronomieerfahrung im Ausland zu sammeln. Er und Schneider haben jüngst drei ihrer Azubis für vier Wochen in die Schweiz geschickt. Wenn heimische Bewerber ausbleiben, werden außerdem die Fühler weiter ausgestreckt. So erwartet die Lucullus GmbH demnächst ungarische und spanische Jugendliche, die in der Großküche zunächst ein Praktikum absolvieren werden und im Idealfall anschließend ein Ausbildungsverhältnis beginnen können.

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