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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 00:36 Uhr

Region stark im Bundestag vertreten

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erstellt am 23.Sep.2013 | 07:02 Uhr

Prignitz | Statt des erwarteten Zweikampfes zwischen den Direktkandidaten Dagmar Ziegler (SPD) und Dr. Kirsten Tackmann (Linke) gab es am Wahlabend einen Direktkandidaten, der von Beginn an auf der Überholspur ansetzte. Schon früh zeichnete sich ab, dass Sebastian Steineke (CDU) nicht mehr einzuholen sein wird. Aber dennoch haben es auch die zwei Frauen geschafft: Sie ziehen über ihren Listenplatz in den Bundestag ein. Damit ist die Prignitz mit drei Abgeordneten vertreten.

Gegen 3 Uhr klingelte das Handy von Dagmar Ziegler, erhielt sie die gute Nachricht. "Ich hatte schon geschlafen, wollte für die anstehenden Gespräche am Montag ausgeruht sein", sagt sie. Das Gesamtergebnis löse gespaltene Gefühle bei ihr aus. Bis auf einen brandenburgischen Wahlkreis hat die SPD alle anderen an die CDU verloren. "Das hat sie ganz klar Frau Merkel zu verdanken", meint Dagmar Ziegler. Nur durch die Kanzlerin konnte Sebastian Steineke der Sieg gelingen, obwohl er kaum Wahlkampf betrieben habe. Dennoch müsse die SPD das Ergebnis analysieren, herausfinden, warum die Wähler der SPD nicht vertraut haben.

Die A 14 und die Schiffbarkeit der Elbe möchte Dagmar Ziegler im Bundestag zu ihren Themen machen, dafür kämpfen. Beides sei für die Region überlebensnotwendig, sagt sie. Als Abgeordnete werde sie wie bisher die Interessen der Bürger vertreten, ein offene Ohr für ihre Sorgen und Wünsche haben. Zur möglichen großen Koalition sagte sie: "Mit großer Freude werden weder die Grünen noch die SPD mit der CDU eine Koalition eingehen, aber das Wahlvolk hat es so gewollt." Für sie persönlich ist es "überhaupt keine Wunschkonstellation".

Aus Sicht der Prignitzer Wirtschaft sei das Ergebnis zu begrüßen, kommentiert Lutz Lange als Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative den Wahlausgang. Das Ergebnis sei gut mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Besonders erfreulich sei, dass die Region mit drei Abgeordneten in den Bundestag einzieht. "Sie können regionale Interessen parteiübergreifend vertreten", sagt Lange.

Mit Dagmar Ziegler sei jemand darunter, der aus der Prignitz kommt "und mit ihr haben wir seit mehr als zehn Jahren gute Erfahrungen in all ihren Ämtern auf Landes- und Bundesebene gemacht", so Lange. Persönlich überrasche ihn der Erfolg der CDU nicht. Er sei Ausdruck der gefühlten Entwicklung in Deutschland.

Die kleinen Parteien fühlen sich durch ihre Ergebnisse bestätigt und gestärkt, so wie Michael Polte von den Piraten. "1,5 bis 2,5 Prozent hatte ich mir persönlich erhofft, am Ende waren es 2,6 Prozent", sagt er. Immerhin waren ja neun Direktkandidaten angetreten, haben alle um Stimmen gekämpft, um so erfreulicher sei das Piratenergebnis. Mit Blick auf die Kommunalwahlen im nächsten Frühjahr möchte Polte der nächsten Sitzung des Regionalverbandes nicht vorgreifen, aber eine Kandidatur ziehe er in Erwägung. "Bis dahin müssen und wollen wir noch mehr Leute für eine Mitarbeit gewinnen", sagt er.

Bärbel Treutler gratuliert im Namen von Bündnis90/Die Grünen der CDU zum Sieg. Grüne Themen seien aber durch dieses Ergebnis nicht abgestraft worden, sondern bleiben wichtig. "Nur um mehr Wähler zu bekommen, können wir uns nicht verbiegen", sagt Bärbel Treutler, und das Bundesergebnis sei auch kein Weltuntergang. Eine Koalition mit der CDU lehne sie ab, das passe eigentlich nicht und als Juniorpartner einer so starken Fraktion bestehe die Gefahr, nicht mehr erkennbar zu sein.

Im Kommunalwahlkampf werden die Grünen thematischer und weniger belehrend auftreten, kündigt sie an. Experten und Quellenangaben zu den Themen müssen benannt werden. Lokale Bündnisse zu unterstützen, wie beispielsweise die Initiative "Hochspannung tiefer legen", könnte der Partei ebenfalls helfen.

Bei der FDP herrscht Katerstimmung. Mit 1,3 Prozent erreichte ihr Direktkandidat Jens Engelhardt von allen neun Bewerbern das zweitniedrigste Ergebnis. Nur der Einzelbewerber Jonas Kayser erhielt noch weniger Stimmen. Und bei den Zweitstimmen lag die Partei mit 2,2 Prozent noch hinter der NPD, die 2,3 Prozent erhielt. Grüne und AfD haben die Liberalen abgehängt. "Ein enttäuschendes, ja ein unterirdisches Ergebnis", findet der Prignitzer Parteivorsitzende Andreas Friedrich Schulz klare Worte. "Es war ein fairer Wahlkampf, ich gratuliere der CDU und der SPD zum Sieg", sagt er. So wie die CDU von der Bundespartei profitiert habe, habe die FDP durch ihre Bundesorganisation gelitten. Weder die Themen noch die Akteure hätten die Wähler überzeugt.

Dennoch blickt Andreas Schulz voraus. "Es muss auch Liberale geben, liberales Denken umzusetzen, halte ich für wichtig." Die Prignitzer FDP werde motiviert in den Kommunalwahlkampf gehen "und auch ich werde persönlich weiter kämpfen", so Schulz.

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